# taz.de -- KI-Erkennungssoftware: Die Grenzen der Detektoren
> Für die Erkennung KI-generierter Texte werden zunehmend Programme wie
> „Pangram“ eingesetzt. Doch wie verlässlich sind diese Detektoren
> überhaupt?
(IMG) Bild: Ob wir der KI vertrauen können, die ihre Brüder und Schwestern von der anderen KI erkennt, ist die Frage
Politiker*innen tun es, mindestens Minister und Ministerpräsidenten.
Verleger, Herausgeber und Journalist*innen haben es getan. Wie die
Schüler*innen und Studierenden mogelt auch das Lehrpersonal, vermutlich
sündigt gar der Papst. Für sie alle schreibt künstliche Intelligenz Reden,
Artikel, Hausarbeiten – ohne dass sie es offenlegen. In Deutschland standen
vergangene Woche Digitalminister Karsten Wildberger, Thüringens
Ministerpräsident Mario Voigt und der Tagesspiegel-Redakteur
Stephan-Andreas Casdorff für ihren undeklarierten KI-Einsatz in der Kritik.
Auch in der Gesamtschau erhärtet sich die These, dass KI-generierter Text
bald überall sein wird: Ein Großteil neuerer Publikationen im Internet wird
inzwischen von KI geschrieben, zeigt etwa [1][eine Analyse des
KI-Dienstleisters Graphite]: Über die Hälfte aller neuen englischsprachigen
Artikel sei „wahrscheinlich KI“. Vermutlich verzerren automatische
Übersetzungen das Bild, und der Prozentsatz habe ein Plateau erreicht.
Trotzdem flutet KI-Schlamm augenscheinlich das Netz.
## Wie gut sind Erkennungstools?
Nachdem Wissenschaftler*innen der Universität Maryland in 250.000 Artikeln
amerikanischer Medien 9 Prozent KI-Anteil gefunden hatten, erschienen im
amerikanischen Monatsmagazin The Atlantic gleich mehrere kritische
Beiträge. Künstliche Intelligenz sei längst in die Medienhäuser und Verlage
eingesickert, konstatierten die Autoren. Selbst in renommierten
Medienhäusern würde großflächig KI eingesetzt.
KI-Erkennungstools wie [2][Originality AI, GPTZero, Copyleaks, Scribbr]
oder Pangram versprächen, künstliche Texte als solche zu entlarven. Nur
seien diese Programme laut Atlantic gerade ausreichend, um viel benutzt zu
werden – dabei aber längst nicht zuverlässig genug. Amerika habe darum ein
[3][„Pangram-Problem“], so das Magazin. Auch bei den neusten deutschen
KI-Enthüllungen kam Pangram zum Einsatz.
Doch wie gut sind KI-Erkennungstools tatsächlich? Mit etwas Übung lassen
sich viele KI-Texte sogar ohne maschinelle Hilfe erkennen, erklärt Max
Spero. Spero ist der Gründer und CEO von „Pangram Labs“, dem Anbieter des
gleichnamigen Erkennungstools. Die Erkennung ohne Tool sei möglich, da die
gängigen Modelle oft gleichförmig und vorhersehbar schrieben. Besonders
äußere sich das, wenn die Eingaben kurz seien. Etwa: „Schreib mir einen
Artikel über Moby Dick.“
## Nachträgliche Vermenschlichung
Aber auch so schon wirkten ihre Texte oft künstlich. Sie seien stärker
strukturiert, die Satzlängen variierten wenig. Auch hätten die Modelle
bestimmte Ticks. Der verräterische Halbgeviertstrich – auch Gedankenstrich
genannt – werde besonders von älteren Modellen gern verwendet. „In neueren
Modellen sind die Anzeichen subtiler“, so Spero. Deswegen sei es zunehmend
schwerer, konkrete Phrasen und Muster in KI-Texten auszumachen. Auch
könnten Artikel nachträglich bearbeitet werden, um menschlicher zu
erscheinen. Dafür gibt es sogar eigens programmierte KIs, sogenannte
Humanisierer.
Noch attestiert Pangram seinem eigenen Detektor aber eine hohe Genauigkeit:
Seine 99,98-prozentige Trefferquote erreiche es ähnlich wie die Konkurrenz:
Erst werden große Mengen KI-generierter Texte auf Muster untersucht, dann
lassen sich mit ihnen Texte auf ebendiese typischen Muster prüfen. Durch
wiederholtes Training erreiche Pangram aber eine geringere Fehlerquote.
Der „KI-Detektor, der wirklich funktioniert“, liefert auf seiner Website
auch [4][die dazu passenden Studien]: In einem Test durch die University of
Chicago aus dem vergangenen Jahr erklärte Pangram fast keinen der 3.000
getesteten Texte fälschlicherweise als KI-generiert. In eigenen Tests war
sogar nur jeder zehntausendste Text falsch positiv.
Die Krux: Auch ein Test mit 100-prozentiger Trefferquote muss nicht
unbedingt gut sein. Das passende Extrembeispiel dürfte einigen noch aus der
Coronapandemie bekannt sein. Ein Test, der immer anschlägt, liegt bei jedem
positiven Fall richtig. Seine Erkennungsrate liegt bei 100 Prozent. Schlägt
der Test auch bei negativen Fällen an, ist er trotzdem wertlos.
Entscheidend über die Güte des Tests ist daher auch die Zahl der „false
negatives“. Diese Quote klingt gleich auch weniger beeindruckend: Rund 85
Prozent aller KI-generierten Texte würden erkannt, 15 Prozent nicht. In
Schulnoten wäre das statt summa cum laude eher eine bescheidene Zwei minus.
Während Pangram also wenige Texte irrtümlich als KI markiert, schneidet es
hierbei ähnlich ab wie die Konkurrenz. GPTZero und Copyleaks sind bei der
KI-Erkennung sogar etwas besser, schlagen dafür aber häufiger falschen
Alarm.
## Hochschulen wappnen sich mit KI-Detektoren
Dass kein Erkennungstool wirklich zur Überprüfung einzelner Artikel taugt,
erklärt im Kleingedruckten auch das Unternehmen selbst: „Alle
KI-Erkennungstools produzieren falsch-positive Ergebnisse und sollten
deswegen nur zusammen mit weiteren Beweisen genutzt werden, um Plagiate zu
erkennen“, steht in einem technischen Report von 2024. KI könne echte
Faktenprüfungen in Nachrichten und Medien nicht ersetzen. Und: „Wir raten
dringend davon ab, die Beurteilung von Plagiatsvorwürfen und akademischer
Integrität allein auf unseren Klassifikator zu stützen.“
Die akademische Integrität kommt hier nicht zufällig zur Sprache. Schon vor
dem Aufkommen der neuen Sprachmodelle nutzten Hochschulen automatische
Tools, um studentische Arbeiten auf Plagiate zu prüfen. Zunehmend kommen
dazu KI-Detektoren zum Einsatz: Jede fünfte Hochschule stellt ihren
Dozierenden laut [5][KI-Monitor 2025] KI-Erkennungstools zentral zur
Verfügung. Jede zwanzigste setzt diese im Regelbetrieb ein. Immer öfter
beklagen Studierende verschiedener Hochschulen falsche Beschuldigungen
infolge des Einsatzes von KI-Detektoren.
Mehrere Gutachten im Auftrag von Universitäten raten deswegen strikt von
der Verwendung ab. Rechtlich [6][stünde der Einsatz auf tönernen Füßen],
außerdem würde ein falsches Sicherheitsgefühl vermittelt. Einige Lehrende
fordern deswegen bereits ein Verbot, darunter auch die [7][KI-Forscherin
Doris Weßels]: „KI-Detektoren sind technisch unzuverlässig, reproduzieren
Bias, sind rechtlich nicht belastbar und führen zu einer Misstrauenskultur
im Bildungsbereich“, schreibt sie in einem Beitrag für Table Media.
Eine Stellungnahme des „Digitale Lehre Hub Niedersachsen“ macht der
Hoffnung auf einfache Lösungen den Garaus: Studierende könnten ihre Texte
mit KI-Detektoren testen und anpassen, um den Einsatz zu verschleiern,
„insbesondere, wenn diese es auf einen Täuschungsversuch abgesehen haben“.
Stattdessen rät das von Hochschulen beauftragte Gremium – [8][wie schon der
Deutsche Ethikrat] – dazu, „Prüfungsformate und Prüfungskulturen insgesamt
auf den Prüfstand zu stellen“.
## Journalist:innenverbände fordern Selbstverpflichtung
Medienhäuser, die ihr Vertrauen nicht verspielen wollen, stehen vor ganz
ähnlichen Problemen, nicht erst seit dieser Woche. Anstelle eines
großflächigen Einsatzes von KI-Erkennungstools fordern die
Journalist:innenverbände DJV und dju deswegen schon länger eine
flächendeckende Kennzeichnung von KI-Nutzung in journalistischen Artikeln.
Ein Hinweis an jedem journalistischen Beitrag solle im Pressekodex
verankert werden, erklärte der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) am
Mittwoch erneut. Der DJV-Bundesvorsitzende Mika Beuster warnte: „Die
Glaubwürdigkeit des Journalismus steht auf dem Spiel.“
Am selben Tag forderte die Deutsche Journalisten-Union (dju) eine
branchenweite Selbstverpflichtung zur Kennzeichnung KI-generierter Inhalte.
Diese sei notwendig, solange es keine gesetzlichen Vorgaben gebe. „Wer hier
ohne Regeln agiert, riskiert die eigene Existenzgrundlage“, so
dju-Bundesgeschäftsführerin Danica Bensmail.
Auch wenn der Presserat die Forderungen bislang zurückwies, steht eine
gesetzliche Vorgabe zur Kennzeichnung vollständig KI-generierter Inhalte
womöglich bevor: Im Rahmen der europäischen KI-Verordnung („AI Act“) legte
die EU-Kommission erst vergangene Woche einen Verhaltenskodex vor, der die
Kennzeichnung von KI-generierten Inhalten vorsieht. Obwohl sich der größte
Teil der Verordnung an Anbieter von KI-Modellen richtet, beziehen sich
einige Transparenzregeln nämlich auch auf die Anwender der Modelle.
KI-generierte oder manipulierte Texte, die im öffentlichen Interesse
verbreitet werden, sollen demnach für Nutzer*innen [9][deutlich erkennbar
ausgewiesen werden.] Eine sorgfältige redaktionelle oder anderweitige
Prüfung könne davon befreien, so die EU-Kommission. Doch kein EU-Gesetz
wird Redaktionen dabei helfen, täuschend menschlich wirkende KI-Texte von
freien Autor*innen und eigenen Redakteur*innen zu erkennen und
auszusortieren.
20 Jun 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://graphite.io/five-percent/ai-now-writes-as-many-online-articles-as-humans-do.
(DIR) [2] https://aimultiple.com/ai-generated-text-detector
(DIR) [3] http://www.theatlantic.com/technology/2026/05/pangram-ai-detection-accuracy/687381/
(DIR) [4] https://aimultiple.com/ai-generated-text-detector
(DIR) [5] https://hochschulforumdigitalisierung.de/wp-content/uploads/2025/09/Blickpunkt_KI-Monitor25.pdf
(DIR) [6] https://dl-wiso.blogs.uni-hamburg.de/stellungnahme-ki-detektoren-pruefungsleistungen/
(DIR) [7] https://table.media/bildung/standpunkt/verbietet-endlich-ki-detektoren-in-schulen-und-hochschulen
(DIR) [8] https://www.ethikrat.org/fileadmin/Publikationen/Stellungnahmen/deutsch/stellungnahme-mensch-und-maschine.pdf
(DIR) [9] https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/policies/eu-icons-labelling-ai-generated-content
## AUTOREN
(DIR) Raoul Spada
## TAGS
(DIR) KI und Journalismus
(DIR) Schwerpunkt Künstliche Intelligenz
(DIR) Journalismus
(DIR) Hochschulpolitik
(DIR) Bildungssystem
(DIR) Schwerpunkt Künstliche Intelligenz
(DIR) KI und Journalismus
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Schwerpunkt Künstliche Intelligenz
(DIR) wochentaz
(DIR) KI und Journalismus
(DIR) Schwerpunkt Künstliche Intelligenz
(DIR) Schwerpunkt Künstliche Intelligenz
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Nach Cyber-Angriff von KI: Horror-Szenarien sind gut für die Branche
Eine KI von OpenAI startet einen Cyberangriff – und hackt eine
Software-Plattform. Der Fall zeigt etwas anderes, als es auf den ersten
Blick scheint.
(DIR) KI und Journalismus: Von nun an ohne Stützräder
Für junge Menschen ist künstliche Intelligenz Alltag, ob sie wollen oder
nicht. Doch es wächst Skepsis. Zwei Nachwuchsjournalist*innen
berichten.
(DIR) Einfluss auf kreative Arbeit: Was durch KI verloren geht
Der Einsatz moderner Techniktools und künstlicher Intelligenz schreitet
voran. Darüber vergessen wir, was früher tatsächlich mal besser war – ohne
KI.
(DIR) KI-Pilotprojekt der Hamburger U-Bahn: Der Algorithmus hat kein Gespür für soziale Kontexte
Die Hamburger Hochbahn will mit KI Gefahren erkennen. Eine gefährliche
Entwicklung im öffentlichen Raum, denn soziale Ausgrenzung wird technische
Norm.
(DIR) KI im Journalismus: Text ohne Autor
Ein KI-Skandal erschüttert den Journalismus. Aber ist es überhaupt einer?
Die Medienbranche ist geteilter Meinung. Sicher ist: Sie wandelt sich.
(DIR) KI und die neuen Grenzen im Journalismus: Der nötige Spritzer Selbstkritik
Wenn Texte heimlich von der KI geschrieben werden, gerät das Vertrauen in
den Journalismus in Gefahr. Der Fall „Tagesspiegel“ öffnet eine Debatte.
(DIR) KI-Vorfälle bei „Welt“ und „FAZ“: Nehmt den Boomern das Internet weg
„Kann Anteile von Referenten oder Pressesprechern enthalten“ müsste als
Disclaimer unter vielen Texten stehen. Was, wenn da auch KI aufgeführt ist?
(DIR) Künstliche Intelligenz im Journalismus: KI-Checker sind auch nicht die Lösung
Der Fall Casdorff empört. Hinter der Verlockung, im Journalismus KI zu
verwenden, stecken strukturelle Probleme, die strukturelle Lösungen
erfordern.