# taz.de -- Russischer Drohnenangriff: Brand in der Sperrzone um Tschornobyl
       
       > Bei einem Drohnenangriff auf ein Atommülllager 15 Kilometer vom Reaktor
       > brach ein Brand aus. Die Strahlenbelastung blieb innerhalb der zulässigen
       > Grenzwerte.
       
 (IMG) Bild: Immer wieder kommt es bei russischen Drohnenangriffen in der Sperrzone um das AKW Tschornobyl zu Bränden, wie hier am 8.5.2026
       
       Ein russischer Drohnenangriff hat das Zentrale Lager für abgebrannte
       Brennelemente in der Sperrzone von Tschornobyl getroffen. Es befindet sich
       rund 15 Kilometer von der Reaktoranlage entfernt. Nach Angaben des
       ukrainischen staatlichen Unternehmens Enerhoatom, Betreiberin aller
       ukrainischer AKW, wurde dabei ein Gebäude auf dem Gelände beschädigt.
       Verletzt wurde niemand. Die ukrainischen Behörden betonten, dass die
       Strahlenbelastung auf dem Gelände weiterhin innerhalb der zulässigen
       Grenzwerte liege. Eine Gefahr für die Bevölkerung bestehe derzeit nicht.
       
       Der Angriff ereignete sich in der Nacht zu Sonntag. Zum Zeitpunkt des
       Angriffs befand sich dort jedoch kein abgebranntes Kernbrennmaterial. Nach
       dem Einschlag brach ein Brand aus, der sich auf etwa 40 Quadratmeter
       ausdehnte. Einsatzkräfte konnten das Feuer innerhalb kurzer Zeit unter
       Kontrolle bringen und vollständig löschen.
       
       Am Ort des Einschlags wurden nach Angaben des Generalstabs Überreste einer
       russischen Drohne vom Typ Shahed gefunden. Das Lager dient der Aufbewahrung
       abgebrannter Brennelemente aus drei ukrainischen Kernkraftwerken.
       
       „Der jüngste Angriff auf eine kerntechnische Anlage hat der ganzen Welt
       einmal mehr das wahre Gesicht des Kreml-Regimes vor Augen geführt, das
       bewusst die nukleare Sicherheit und den Strahlenschutz gefährdet“,
       kommentiert Enerhoatom den Angriff. „Russland agiert weiterhin als
       Terrorstaat und Nuklearterrorist, missachtet das Völkerrecht und die
       Sicherheit von Millionen von Menschen.“
       
       ## IAEA-Experten wollen Schäden untersuchen
       
       Auch Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von einem gezielten Angriff auf
       ein Objekt der kritischen Infrastruktur. „Derzeit liegen die Werte der
       Hintergrundstrahlung nicht über den Grenzwerten. Aber was angestiegen ist,
       ist die ohnehin schon himmelhohe russische Unverschämtheit“, zitiert
       focus.ua den Präsidenten.
       
       Nach Angaben des Telegram-Kanals von Enerhoatom wollen Experten der
       Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA) das Zentrale Lager für
       abgebrannte Kernbrennelemente in der Ukraine inspizieren, um das Ausmaß der
       Schäden nach dem jüngsten Drohnenangriff zu bewerten.
       
       Gleichzeitig hatte Generaldirektor Rafael Grossi seine Besorgnis über den
       Vorfall geäußert. Das Zentrale Lager für abgebrannte Brennelemente in der
       Tschornobyl-Sperrzone wurde errichtet, um Brennstoff aus ukrainischen
       Kernkraftwerken langfristig zu lagern. Die Anlage ging Anfang der 2020er
       Jahre in Betrieb und ersetzte die frühere Praxis, abgebrannte Brennelemente
       zur Aufbereitung nach Russland zu transportieren.
       
       ## AKW Saporischschja hat eigenes Atommülllager
       
       Von Anfang an ausgenommen aus den Planungen [1][war das AKW
       Saporischschja]. Dieses lagert seinen Atommüll direkt vor Ort. Auch
       Saporischschja ist immer wieder Ziel russischer Drohnenangriffe. Im Umfeld
       des Reaktors von Tschornobyl, der 30-Kilometer Sperrzone, gibt es mehrere
       Lagerstätten für Atommüll. Hier lagert hochaktiver Müll, der durch die
       Katastrophe vom 26. April 1986 angefallen ist. Hinzu kommen abgebrannte
       Brennstäbe aus dem laufenden Betrieb von drei weiteren ukrainischen AKW und
       strahlender Müll aus medizinischen Einrichtungen.
       
       Auf einer Pressekonferenz am 9. April dieses Jahres berichtete der Direktor
       des AKW Tschornobyl, Serhij Tarakanow, auf dem Areal der 30-Kilometer-Zone
       lagerten 18.536,26 Kubikmeter flüssiger und 2.502 Kubikmeter fester
       Atommüll. Gleichzeitig hatte Tarakanow auch Angriffe auf das Areal als
       gefährlich eingestuft, die nicht direkt in eine Anlage einschlagen.
       
       ## Einschlag könnte Folgen „wie ein lokales Erdbeben“ haben
       
       Ein Einschlag in direkter Nähe zu einem Objekt der Atomanlagen könne wie
       ein lokales Erdbeben mit entsprechenden Folgen wirken, hatte er gewarnt.
       Der jüngste Angriff reiht sich in eine Serie von Vorfällen ein, bei denen
       nukleare Einrichtungen in der Ukraine von den Auswirkungen des Krieges
       betroffen waren.
       
       [2][Bereits im Februar 2025 wurde die Schutzhülle des zerstörten vierten
       Reaktorblocks von Tschornobyl durch einen russischen Drohnenangriff
       beschädigt].
       
       7 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Angriff-auf-Atomkraftwerk-Saporischschja/!6183015
 (DIR) [2] /Krieg-in-der-Ukraine/!6069657
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Bernhard Clasen
       
       ## TAGS
       
 (DIR) 40 Jahre Tschornobyl
 (DIR) Atomkraftwerk
 (DIR) IAEA
 (DIR) Drohnenangriffe
 (DIR) GNS
 (DIR) Schwerpunkt Atomkraft
 (DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
 (DIR) Ukraine
 (DIR) 40 Jahre Tschornobyl
 (DIR) Verstrahlung
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Angriff auf Atomkraftwerk Saporischschja: Krieg am Reaktor
       
       Russland und die Ukraine beschuldigen sich gegenseitig. Die Vorwürfe rund
       um das AKW Saporischschja lassen sich derzeit nicht unabhängig überprüfen.
       
 (DIR) Brand ums AKW Tschornobyl: Feuer in der Sperrzone
       
       Seit drei Tagen kämpfen Feuerwehrleute gegen einen Großbrand in der
       Sperrzone um das Atomkraftwerk Tschornobyl.
       
 (DIR) Besuch in der Sperrzone: Im Bauch des Monsters
       
       40 Jahre nach der Katastrophe ist Tschornobyl ein Arbeitsplatz: bewacht,
       verstrahlt – und seit einem russischen Drohnenangriff wieder akut
       gefährdet.