# taz.de -- Proteste gegen Reichentreffen: Haie im Hotel, Protest auf der Straße
> Gegen Finanzkonferenz, Mietenkrise, Wehrpflicht und digitale Überwachung
> formiert sich eine breite Protestwoche. Die Popkultur unterstützt sie.
(IMG) Bild: Saurier wissen Bescheid: Wir können uns die Reichen nicht mehr leisten
In der Stadt wimmelt es von Haien und Heuschrecken – aber nicht im Zoo,
sondern im InterContinental Hotel gleich daneben. Dort versammelt sich von
Montag bis Freitag die Finanzelite zur SuperReturn International, eine der
weltweit größten Konferenzen für Private Equity, institutionelle
Investor:innen und Finanzfonds. Über 6.000 „Senior Decision-Makers“ aus
über 80 Ländern tauschen sich über Strategien aus, wie sich Gewinne
erzielen lassen, die über den Erwartungen liegen. In Finance-Bro-Sprache
nennt man das „Super Return“.
Diese Profitlogik wirkt in die soziale Infrastruktur hinein. „Vorbei am
allgemeinen Interesse bereichern sie sich an Gesundheitsversorgung,
Wohnraum und fossilen Energieträgern“, kritisieren Aktivist:innen. Daher
wehren sich Gruppen wie das Berliner Bündnis gegen Verdrängung und
Mietenwahnsinn, Extinction Rebellion, die Neue Generation und das
Widerstands-Kollektiv mit der [1][Aktionswoche NoSuperReturn]. Bis
Donnerstag sind Aktionen geplant: Workshops über Steuer- und
Klimagerechtigkeit, eine Mahnwache und Gehmeditationsdemo sowie
Resilienzworkshops für Aktivist:innen.
Sie fordern einen bundesweiten Mietendeckel, die Vergesellschaftung großer
Immobilienkonzerne, den Ausbau kommunaler und gemeinwohlorientierter
Wohnungsbestände und die Rücknahme der Privatisierungspolitik vergangener
Jahrzehnte. Am Donnerstagnachmittag gibt es eine Abschlussdemo vor dem
Hotel InterContinental. Das Motto: „Wir sind mehr wert als ihre Rendite!“
(6. bis 11. Juni, NoSuperReturn)
Andere wollen mehr wert sein als bloßes Kanonenfutter. Seit Monaten gehen
bundesweit Schüler:innen auf die Straße, um sich gegen die drohende
Wehrpflicht zu stellen. Dagegen veranstaltet die Linke am Samstag ein
Anti-Wehrpflicht-Festival unter dem Motto: „Unfollow Bundeswehr“.
Eröffnet wird es von Influencerin, äh Linken-Politikerin, Heidi Reichinnek.
Zuletzt postete die [2][Bundestagsfraktionschefin noch Content mit Rapperin
Ikkimel], am kommenden Samstag dürfte Jonathan Löffelbein folgen. Der
Comedian wird auf dem Festival Jokes reißen, es gibt eine Graffitisession
und Gamingstationen, an denen Jugendliche Antikriegsspiele zocken können.
Fraktionsabgeordnete bieten Formate zu Wehrpflicht, Aufrüstung und
Militarisierung an, Expert:innen sprechen über die Verweigerung und den
Fragebogen der Bundeswehr. Für Musik sorgen der Rapper HeXer, SARAH4K und
Yung Pepp. (Juni, ZK/U in Moabit, Siemensstraße 27, 13 bis 22 Uhr)
Heidi Reichinnek tritt nicht nur für ihre eigene Partei als Influencerin
auf. „Es liegt an uns, den Unterschied zu machen“, ertönt eine
entschlossene Stimme im Werbevideo vom Bündnis Widersetzen. Es folgen Clips
der [3][Rapper:innen Baran Kok], OG LU und Yung FSK 18. Der Höhepunkt:
Reichinnek, ernste Miene, verschränkte tätowierte Arme: „Was machst du?“
Das Video wirbt für die Widersetzen-Aktion am 4. Juli in Erfurt. Dort
findet der Bundesparteitag der AfD statt. Das Bündnis will das verhindern:
„Es wäre eine faschistische Zusammenrottung mit Björn Höcke an der Spitze“,
so Widersetzen. Am 9. Juni findet online ein [4][„Megazoom“] statt, in dem
alle Fragen rund um die Aktion geklärt werden sollen. (Juni, Zoom, 19 Uhr)
Die Potenziale des Internets hat nun auch die technisch wenig affine
Bundesregierung entdeckt. Mit dem „Sicherheitspaket 2.0“ plant sie, Polizei
und dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) zu erlauben, Bilder
und Stimmen mit dem gesamten Internet abzugleichen. Zudem sei der Einsatz
„dystopischer Programme wie Palantir & Co“ geplant sowie „gigantische
Datenmengen zur zentralen Analyse zusammenzuziehen“, so die Initiative
Sicherheit ohne Überwachung.
Zugleich gibt es einen neuen Anlauf zur Vorratsdatenspeicherung; in vielen
Bundesländern stehen Verschärfungen in den Polizeigesetzen vor der
Umsetzung. Die Initiative warnt: „Die Regierungskoalition schleift die
letzten Reste rechtsstaatlicher Garantien und Einhegung des
Sicherheitsapparates, parallel feiert die AfD eifrig Wahlerfolge und kann
sich auf die schlüsselfertige Übergabe eines mit allen nötigen Kompetenzen
ausgestatteten Polizeistaates freuen.“
Die Aktivist*innen finden: „Es ist Zeit, dagegen lautstark auf die
Straße zu gehen!“ Für Samstag haben sie zu einer [5][Demo gegen die
digitale Aufrüstung der Polizei aufgerufen.] (13. Juni, Warschauer Straße
Ecke Marchlewskistraße, 14 Uhr)
8 Jun 2026
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## AUTOREN
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