# taz.de -- Schülerin über Mitbestimmung: „Demokratie wird in der Praxis an Schulen kaum gelebt“
       
       > Hamburgs SchülerInnenkammer will „Schulen demokratisch machen“. Viele
       > Kinder wissen nicht, welche Rechte sie haben, sagt Kammermitglied Dayana
       > Lusina.
       
 (IMG) Bild: So nah ist der Kontakt sonst selten: Schulsenatorin Ksenija Bekeris (SPD) im Gespräch mit SchülerInnen
       
       taz: Dayana Lusina, Hamburgs SchülerInnenkammer lädt zum Bildungsgipfel
       ein. „Schluss mit Stillsitzen. Schulen demokratisch machen!“ Sind in
       Hamburg Schulen undemokratisch? 
       
       Dayana Lusina: Na ja, es gibt [1][Demokratie an den Schulen], aber in der
       Praxis kaum gelebt. Die Struktur dafür verfällt, je nachdem, wie die
       Schulleitung und Lehrkräfte damit umgehen.
       
       taz: Meinen Sie die Gremien wie den Schülerrat? 
       
       Lusina: Ja. Es gibt im Gesetz festgeschriebene Mitbestimmungsgremien wie
       SchülerInnenräte und [2][SchülerInnenkammer], die für Demokratie sorgen
       sollen. Nur, ob die Gremien wirklich tagen, hängt von den Lehrkräften ab.
       Und zur Demokratie gehört mehr. Die schönste Form ist für uns, wenn sich
       auch aus den Klassen direkt SchülerInnen an Mitbestimmung beteiligen.
       
       taz: Worum soll es dabei gehen? Auch um den Lernstoff? 
       
       Lusina: Tendenziell schon. Es gibt natürlich den Bildungsplan, den können
       wir nicht selbst bestimmen. Aber was in der heutigen Zeit wichtig zu lernen
       ist, könnte man uns fragen. Und [3][welche Formate wir brauchen], um gut zu
       lernen.
       
       taz: Haben Sie undemokratisches Verhalten an Schulen erlebt? 
       
       Lusina: Ja, ganz viel. Ich wechselte schon mal die Schule und weiß, wie
       unterschiedlich die Mitbestimmung funktioniert. An der früheren Schule
       tagte der SchülerInnenrat nur einmal im Jahr. Alles andere wurde irgendwie
       intern besprochen. Und auch die Schulkonferenzen tagten nur alibimäßig
       ein-, zweimal im Jahr, obwohl das öfter passieren sollte. Dann saß man da
       kurz und konnte auch nichts außerhalb der Tagesordnung fragen. Viele
       Schüler wissen nicht, welche Rechte sie haben.
       
       taz: Bei welchen Themen müsste es demokratischer zugehen? 
       
       Lusina: Wie der Unterricht gestaltet wird, zum Beispiel. Wie gestalte ich
       den Pausenhof? Was für Schulfeste wollen wir? Oder ein anderes Beispiel: Im
       letzten Jahr kam Informatik als Pflichtfach in den Stundenplan dazu. Da
       konnten die Schulen entscheiden, welche Fächer dafür wegfallen. Da fand ich
       Mitbestimmung wichtig.
       
       taz: Sie sind in der SchülerInnenkammer. Wie demokratisch geht denn der
       Senat mit Ihnen um? 
       
       Lusina: Na ja, wir sind im Austausch. Ob der dann immer produktiv läuft,
       darüber lässt sich streiten. Wir schicken der Schulbehörde immer unsere
       Anträge und Stellungnahmen. Wir haben reguläre Treffen mit der
       Schulsenatorin. Aber ganz oft läuft es nach dem Motto: Ich höre euch zu und
       nicht mehr. Wir versuchen, dagegen anzukämpfen.
       
       taz: Sie hatten jüngst auch gegen die Regelanfrage beim Verfassungsschutz
       protestiert. Da hat die Politik nicht auf Sie gehört. 
       
       Dayana Lusina: Genau.
       
       taz: Gibt es an Schulen noch Strafarbeiten? 
       
       Dayana Lusina: Da muss ich nachdenken. In meiner Grundschulzeit kam es vor,
       dass man ein Wort oder einen Satz 10, 20, 30 Mal abschreiben musste, machte
       man irgendwas falsch. Gerade wandelt sich das Alter im Kollegium der
       Lehrkräfte, da gibt es weniger solcher Praktiken. Aber für mich fängt
       Repression schon da an, wenn eine Lehrkraft nicht zuhört.
       
       taz: Was passiert beim [4][Bildungsgipfel]? 
       
       Dayana Lusina: Wir wollen einen ‚Werkzeugkoffer‘ für Demokratie an Schulen
       entwickeln. Wir sprechen in unserem Workshop darüber, was man demokratisch
       entscheiden kann, wo man demokratische Entscheidungsprozesse mit einbauen
       kann und wie man das überhaupt umsetzt? Dafür braucht es ja ein Konzept und
       Absprachen im Kollegium.
       
       taz: Warum ist Demokratie an Schulen wichtig? 
       
       Dayana Lusina: Weil wir eben in einer demokratischen Gesellschaft leben.
       Damit das funktioniert, musst du am besten seit der Grundschule oder der
       Kita erfahren haben, dass wir selber mitwirken können und dass Demokratie
       nichts ist, was Leute hoch oben entscheiden.
       
       25 Jun 2026
       
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