# taz.de -- Bauern und verbotene „Artgemeinschaft“: Marktbetreiber wollen keine rechten Bauern
       
       > Auf ihrem Hof treffen sich Rechtsextreme, in Berlin verkauft die
       > „Schweinemeisterei Arenzhain Hof“ Wurstwaren. Marktbetreiber sind
       > entsetzt.
       
 (IMG) Bild: Künftig soll es am Kollwitzmarkt im Prenzlauer Berg ohne völkische Siedler hergehen
       
       Jahrelang galt die „Schweinemeisterei Arenzhain Hof“ von Heike und Dirk
       Kupke als geschätzter Händler auf Berliner Wochenmärkten. Nach
       [1][taz-Recherchen über ihre Verstrickung in die verbotene
       Neonaziorganisation „Artgemeinschaft“] ziehen Marktverantwortliche nun
       Konsequenzen.
       
       Im Marktwesen ist man per Du, sagt Nikolaus Fink. „Die Heike“ sei für ihn
       eine der zuverlässigsten Händlerinnen auf dem Neuen Markt am Südstern in
       Kreuzberg, den er verwaltet. „Sie ist für uns eine Koryphäe.“ Fink hat den
       Markt gemeinsam mit seiner Frau vor fast 15 Jahren gegründet und die Kupkes
       haben zu den ersten gehört, die sie für den Markt gewinnen konnten. Nun hat
       er von der taz-Recherche zur Involvierung der Kupkes in die verbotene
       Organisation erfahren. „Es haut mich ein Stück weit um“, sagt Fink.
       
       Heike und Dirk Kupke betreiben im brandenburgischen Arenzhain eine Zucht
       seltener Wollschweine. Auf ihrem Hof konnte die taz am 2. Mai ein Treffen
       von Personen aus dem völkisch-rechtsextremen Spektrum dokumentieren. Viele
       der Anwesenden waren Mitglieder der Artgemeinschaft oder lassen sich ihrem
       Umfeld zuordnen. [2][Das Bundesverwaltungsgericht hatte nur drei Tage zuvor
       das Verbot der Gruppe höchstrichterlich bestätigt]. Kupkes waren unter den
       Adressat*innen der Verbotsverfügung des Bundesinnenministeriums von
       2023.
       
       [3][Bei der 1951 gegründeten Artgemeinschaft hatten sich vorgeblich zum
       Zwecke des gemeinsamen religiösen „Artglaubens“ völkisch orientierte
       Neonazis getroffen], darunter zahlreiche Kader neonazistischer Gruppen und
       Parteien. Zur Artgemeinschaft hatten auch Personen Bezüge, die im
       Zusammenhang mit rechtsterroristischen Taten bekannt wurden, darunter
       NSU-Unterstützer André Eminger und seine Frau sowie der Mörder des Kasseler
       Regierungspräsidenten Walter Lübcke.
       
       Das Bundesverwaltungsgericht begründete seine Entscheidung über das Verbot
       unter anderem damit, dass die Artgemeinschaft „eine im Gegensatz zur
       Werteordnung des Grundgesetzes in Gestalt der Menschenwürde stehende
       Glaubenslehre“ vertrete. Sie zeige eine Wesensverwandtschaft mit dem
       Nationalsozialismus und nehme eine „aggressiv-kämpferische Haltung
       gegenüber der verfassungsgemäßen Ordnung“ ein.
       
       In das Dorf Arenzhain bei Doberlug-Kirchhain sind die Kupkes vor fast 20
       Jahren gezogen. Fotos zeigen das Ehepaar mit ihren Schweinen inmitten von
       Stroh auf der großzügigen Auslauffläche. Ein anderes Bild zeigt eine große
       hölzerne Irminsul im Innenhof des über hundertjährigen Bauernguts. Das
       Symbol, das schon von der „Forschungsgemeinschaft Deutsches Ahnenerbe“ der
       SS verwendet wurde, prangte zentral im Logo der Artgemeinschaft.
       
       Ihre Wurstwaren verkauft das Ehepaar Kupke in Direktvermarktung auf
       Berliner Märkten, wo sie als Delikatesse gelten. Zuletzt hatte es einen
       Stand auf dem Neuen Markt am Südstern sowie dem Wochenmarkt am
       Kollwitzplatz. Auch auf dem Wochenmarkt in Königs Wusterhausen haben sie
       einen Standplatz, der allerdings derzeit pausiert.
       
       In all den Jahren habe es nie Probleme gegeben mit der Händlerin, so
       Nikolaus Fink. „Trachtenkleider hat sie getragen. Aber es gab nie
       politische Schriften, auch nie rassistische Sprüche. Vielleicht hätte ich
       sie mal auf ihrem Hof besuchen sollen.“ Nun will Fink das Gespräch suchen.
       Kupkes seien allerdings seit der taz-Anfrage im Mai nicht mehr aufgetaucht.
       „Für uns wäre es bitter, wenn sie nicht mehr bei uns stehen“, sagt Fink.
       Aber auch: „Wenn sie weitermachen wollen, dann muss die Basis stimmen.“
       
       Eine solche Basis sah Steffi Hendewerk vom Markt am Kollwitzplatz nach
       Kenntnis der Recherche nicht mehr: „Ich habe Herrn Kupke angerufen und ihm
       gesagt, dass ich ihn hier nicht mehr sehen will“, so Hendewerk. „Unser
       Markt soll ein friedlicher Ort sein und da passt so etwas nicht hin“. Auch
       der Marktplaner des Wochenmarkts in Königs Wusterhausen zeigte sich
       erschrocken. Er wolle sich nun informieren und sich mit Anwälten in
       Verbindung setzen, um das Vertragsverhältnis zu prüfen. Heike und Dirk
       Kupke selbst antworteten nicht auf die Anfrage der taz.
       
       Die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin warnte der taz gegenüber
       vor der Normalisierung von Gruppierungen wie der Artgemeinschaft: „Wenn die
       eigene wirtschaftliche Tätigkeit bewusst mit den Aktivitäten rechtsextremer
       Strukturen verknüpft wird, ist nicht auszuschließen, dass die
       Besucher*innen von Wochenmärkten genau diese Strukturen unwissentlich
       mitfinanzieren – obwohl eben jene Besucher*innen in wesentlichen Teilen
       zu den erklärten Feindbildern nationalsozialistischer Ideologie zählen
       dürften“, so Mitarbeiter Simon Brost. „Neben einer kritischen
       Öffentlichkeit sind bei Wochenmärkten in erster Linie die Marktbetreiber
       und die Bezirksämter in der Verantwortung, einen Umgang mit den genannten
       Rechercheergebnissen zu finden.“
       
       11 Jun 2026
       
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