# taz.de -- Schulinspektion in Hamburg: Mütter und Väter nicht mehr gefragt
       
       > Weil zu wenig Eltern an Befragungen teilnahmen, will Hamburgs
       > Schulinspektion künftig darauf verzichten. Die Elternkammer findet das
       > undemokratisch.
       
 (IMG) Bild: Zu viele Köche? Hamburger Eltern wolle nicht nur in der Schulküche dabei sein, sondern auch bei der Schulinspektion
       
       In Hamburgs Schulbehörde läuft gerade die Vorbereitung für die neuen
       Besuche der Schulinspektion. Wie die Hamburger Elternkammer bekanntgab,
       fällt bei der „Pilotierung“ dieses vierten Durchlaufs erstmals die
       Elternbefragung weg. Die [1][Kammer-Vorsitzende Simone Kohl] ist darüber
       empört. „Wer Schulqualität bewerten will, kann [2][die Perspektive der
       Eltern] nicht einfach streichen“, sagt sie.
       
       Bei früheren Runden der 2007 eingeführten [3][Schulinspektion] hatte das
       städtische [4][Institut für Bildungsmonitoring und Qualitätsentwicklung
       (IfBQ)] Eltern Fragen gestellt, die ihnen schon auf der Seele liegen
       können. Etwa, ob die Schule [5][die Eltern gut informiert], ob die
       Lehrkräfte respektvoll mit dem Kind umgehen, ob ihr Kind die nötige
       Förderung erhält, um die Lerninhalte zu verstehen. Anonym, also ohne Angst,
       dumm aufzufallen, konnten die Eltern dazu auf einer Skala ankreuzen, ob
       dies „voll“, „eher“, „eher nicht“ oder „nicht“ zutrifft. Um viele Familien
       zu erreichen, gab es die Fragen in 13 Sprachen.
       
       In der Regel wurden nach so einer Inspektion Ziele festgesetzt und bei der
       nächsten nach vier Jahren geschaut, was sich verändert hat. Neben den
       Eltern wurden auch die Lehrkräfte und die Schüler befragt.
       
       Doch in diesem März, als erste Schulen den vierten Zyklus schon mal
       probten, erreichte die Elternkammer die Kunde, dass nur noch die
       „schulischen Akteure“ befragt werden, also Kinder, pädagogisches Personal
       und Leitungsteams. Das sei „aus Sicht der Elternkammer weder sachgerecht
       noch akzeptabel“, heißt es in einem [6][Beschluss der Kammer vom 24. März].
       Sie forderte, die Eltern weiter paritätisch an allen „Feedbackprozessen“
       der Schulinspektion zu beteiligen. „Wir Eltern sind nicht nur zum
       Kuchenbacken da“, sagt Kammer-Vorständin Nadine El Allawy-Scherres zur taz.
       
       ## Elternkammer wurde nicht informiert
       
       Doch nach einem Gespräch mit einer Vertreterin der Behörde Ende Mai war der
       [7][Konflikt nicht beigelegt]. Die Behördenseite begründete den Schritt mit
       zu geringer Beteiligung bei der Elternbefragung. Die Rede ist von
       durchschnittlich 30 statt erforderlicher 50 Prozent. Doch das überzeugt die
       Elternkammer nicht. Besonders ärgerlich findet Hamburgs Elternvertretung,
       dass sie vor dieser Entscheidung nicht informiert wurde und davon per
       Zufall erfuhr. „Das ist keine Weiterentwicklung der Schulinspektion,
       sondern ein Abbau von Beteiligung“, sagt Simone Kohl.
       
       Die Sprecherin der Schulbehörde Claudia Pittelkow erklärt zu den Vorwürfen,
       man wolle nicht grundsätzlich die Elternperspektive ausschließen. Es sei
       nur „nicht zielführend“, an Beteiligungsformaten festzuhalten, die sich als
       weitgehend wirkungslos erwiesen hätten. Denn bisherige Rücklaufquoten der
       Befragungen seien zu gering, um daraus tragfähige Ergebnisse abzuleiten.
       Die Behörde habe einiges versucht, um die Rücklaufquote zu erhöhen, wie die
       Übersetzung des Fragebogens in 13 Sprachen und Tipps für Schulleitungen.
       Dennoch habe man keine ausreichende Datengrundlage erreichen können.
       
       „Es stimmt nicht, dass die Eltern nicht mehr systematisch beteiligt
       werden“, schreibt Pittelkow. Der Behörde sei Elternpartizipation wichtig.
       „Deshalb wird gerade pilotiert, dass Eltern der Schulkonferenz an einem
       Workshop-artigen Rückmeldeformat mit der Schulinspektion teilnehmen und so
       sichergestellt wird, dass alle Perspektiven bei der Weiterarbeit [8][mit
       den Ergebnissen] einbezogen werden“. Auch stehe den Schulen künftig ein
       Fragebogen in 13 Sprachen für die interne Evaluation zur Verfügung, bei dem
       Schulen selber und „bedarfsorientiert“ entscheiden, wann sie eine Befragung
       durchführen.
       
       Die Elternkammer stellt das nicht zufrieden. „Stellt man die Befragung den
       Schulen frei, hängt dies vom Goodwill der Schulleitung ab“, sagt Nadine
       El-Allawy-Scherres. „Das ist uns zu ungewiss.“ Eine Workshop-artige
       Vorstellung der Ergebnisse sei kein Ersatz. „Nur wenn wir Eltern auch
       befragt werden, sind wir Teil des Ergebnisses.“
       
       ## Kritik aus der Opposition
       
       Statt die Befragung zu kippen, sollte die Behörde mit der Kammer überlegen,
       wie sich die Beteiligung verbessern ließe. „Es gibt Schulen, da klappt das
       gut, da beteiligen sich über 50 Prozent“, berichtet Kammer-Frau
       El-Allawy-Scherres. „Doch auch wenn sich 300 von 900 Eltern beteiligen, hat
       das, was die sagen, doch eine Aussagekraft.“
       
       Die Linke Schulpolitikerin [9][Sabine Ritter] hat nun eine Kleine Anfrage
       zu „Elternbeteiligung bei der Schulinspektion“ eingereicht. Die müsse
       regelhaft und selbstverständlich gewährleistet sein, findet sie. „Alles
       andere wäre mit dem Leitbild einer partizipativen und demokratischen Schule
       nicht vereinbar“, sagt Ritter.
       
       Auch ihre Kollegin [10][Birgit Stöver] von der CDU sagt: „Ich habe Sorge,
       dass Eltern weniger beteiligt werden“. Eine mangelnde Teilnahme an
       bisherigen Fragebögen sei kein Argument. Es reiche nicht, die Schüler zu
       fragen. „Zu wissen, was zu Hause bei den Eltern ankommt, ist eine wichtige
       Rückmeldung für die Schulqualität.“
       
       5 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Hamburgs-Elternkammer-Chefin-zu-Bildung/!6009284
 (DIR) [2] /Demokratie-Spielregeln-in-Hamburg/!5877628
 (DIR) [3] https://ifbq.hamburg.de/schulinspektion/
 (DIR) [4] https://ifbq.hamburg.de/
 (DIR) [5] https://ifbq.hamburg.de/wp-content/uploads/sites/803/2023/12/EFB_V9_November_2022.pdf
 (DIR) [6] https://www.elternkammer-hamburg.de/2026/03/24/keine-schulinspektionen-ohne-elternbeteiligung-beschluss-752-02/
 (DIR) [7] https://www.instagram.com/p/DYUMiRSI2bw/
 (DIR) [8] /Schulinspektion/!5072432
 (DIR) [9] /Hamburgs-Linke-in-der-Krise/!5879060
 (DIR) [10] https://de.wikipedia.org/wiki/Birgit_St%C3%B6ver
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Kaija Kutter
       
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