# taz.de -- Schulinspektion: Öffentliche Noten für Schulen
> Der Senat will die Prüfergebnisse aller Hamburger Schulen im Internet
> veröffentlichen. Grüne und Linke warnen vor einer Spaltung des
> Schulsystems.
(IMG) Bild: Ständig Noten: Nun sollen die Noten, die die Schulen vom Senat bekommen, öffentlich gemacht werden.
Der Plan ist höchst umstritten. Ab „Ende Mai, Anfang Juni“ will
Schulsenator Thies Rabe (SPD) die Ergebnisse der regelmäßigen
Schulinspektionen ins Internet stellen. Anhand 13 verschiedener Kriterien
bewerten die Inspektoren die Unterrichtsqualität aller Schulen. Dass seine
Initiative für mehr Transparenz, „dazu führt, das die 13.000 Schüler eines
Jahrgangs dann nur noch an den drei bestbewerteten Schulen angemeldet
werden“, kann Rabe sich „nicht vorstellen“.
Die Fraktionschefin der Linken, Dora Heyenn (Linke), warnt hingegen vor
„einem Ranking unter Hamburgs Schulen“, das „die Spaltung der
Schullandschaft noch einmal kräftig verstärken“ würde. Und auch Stefanie
von Berg (Grüne) warnt: „Die Gefahr einer Stigmatisierung einzelner Schulen
kann nicht ausgeschlossen werden.“
Die vierstufige Skala soll bewusst polarisieren. Es gibt keine mittlere,
sondern nur zwei gute (stark – eher stark) und zwei schlechte (schwach –
eher schwach) Bewertungsmöglichkeiten. Zwar soll auch ein Kommentar der
Schulleitungen zusammen mit dem Test veröffentlicht werden, doch der könnte
zum Fallstrick werden: Widersprechen die DirektorInnen einer
Negativ-Bewertung der Schulinspektion, gelten sie als Problemverkleisterer,
stimmen sie zu, müssen sie ihre eigene Schule schlecht reden.
Linke und Grüne stellen zudem die Frage, wie aussagekräftig der
Inspektionsbericht ist. Denn wichtige Fakten, wie etwa die Häufigkeit des
Unterrichtsausfalls oder die Qualität der Ausstattung bildet er nicht ab.
Und selbst Rabe betont: „Die Unterrichtsqualität schwankt weniger zwischen
den Schulformen oder einzelnen Schulen, sondern zwischen den Klassenzimmern
einer Schule. In einer Klasse ist der Unterricht hervorragend, in der
Nachbarklasse extrem schlecht.“ Ob guter oder schlechter Unterricht
stattfinde, so habe die Schulinspektion wissenschaftlich belegt, sei zu 93
Prozent von der Lehrkraft abhängig.
Für Rabe ein Argument dafür, dass Glaubenskriege um Stadtteilschule oder
Gymnasium, um kürzeres oder längeres gemeinsames Lernen und die Frage, ob
Gymnasien in acht oder neun Schuljahren zum Abi führen, „den Kern nicht
treffen“. Statt über Schulstrukturen zu debattieren, gehe es darum,
„schlechte Lehrer besser zu machen“. Dabei setzt Rabe auf individuelle aber
auch kollektive Fortbildungen ganzer Kollegien, mehr Teamarbeit und
gegenseitige Hospitationen der LehrerInnen, um sich gegenseitig mal auf die
Finger zu schauen und Tipps zu geben.
„Alles gute Ideen“, findet Dora Heyenn, befürchtet aber eine erneute
Mehrbelastung der Lehrenden, wenn diese „wieder zusätzlich zum
Arbeitszeitmodell“ umgesetzt würden. Von Berg hingegen sieht darin, dass
ReferendarInnen „immer mehr unterrichten müssen, während ihr
Ausbildungsangebot zusammengestrichen wird“, eine von der Schulbehörde zu
verantwortende Ursache für miese Unterrichtsqualität.
26 Feb 2013
## AUTOREN
(DIR) Marco Carini
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