# taz.de -- Ausländerfeindliche Gewalt in Südafrika: Plünderungen, Bürgerwehren und ein untätiger Staat
> Die Übergriffe auf afrikanische Ausländer in Südafrika eskalieren, es
> gibt Tote. Mehrere Länder evakuieren ihre Landsleute und sind empört.
(IMG) Bild: In der Provinz KwaZulu-Natal, Südafrika, kam es zu Plünderungen
Die letzten massiven Plünderungen von Geschäften in Südafrika liegen
[1][fünf Jahre zurück], 350 Tote wurden am Ende gezählt. Die laufenden
Übergriffe gegen Unternehmen im Besitz afrikanischer Ausländer durch
selbsternannte Bürgerwehren, die kein Ende nehmen, entwickeln sich jetzt in
eine ähnliche Richtung.
Aus den ausländerfeindlichen Ausschreitungen wurden am Wochenende
verbreitete Plünderungen in der Provinz KwaZulu-Natal (KZN), die bereits
2021 im [2][Zentrum der Gewalt] stand. In der Stadt Estcourt ging die
Polizei mit Gummigeschossen gegen Plünderer vor, die reihenweise in
geschlossene Geschäfte im Besitz von Ausländern einbrachen. Die Geschäfte
wurden trotz des Polizeieinsatzes leergeräumt.
Estcourts Bürgermeister Nhlanhla Myeza hatte Ende April bei den ersten
Demonstrationen Ausländer angewiesen, ihre Läden zu schließen, als
Sicherheitsmaßnahme. Die Maßnahme bleibt bis heute in Kraft, obwohl 38
Ladenbesitzer, zumeist Äthiopier, vor Gericht erwirkten, dass sie ihre
Geschäfte zumindest wieder betreten dürfen. Myeza ignorierte das und ließ
stattdessen ihre Schlüssel beschlagnahmen.
Plünderungen gab es auch in mehreren Städten in anderen Landesteilen. In
KwaNonqaba (Mossel Bay) an Südafrikas Südküste in der Provinz Western Cape
an wurden zahlreiche Menschen aus ihren Häusern vertrieben. Mehrere
ausländische Botschaften lassen nun ihre dort lebenden Staatsbürger aus
KwaNonqaba evakuieren. Busse werden geschickt, aber in mehreren
öffentlichen Gebäuden verstecken sich noch Ausländer, die sich bedroht
fühlen.
## Ghana fliegt seine Landsleute aus
Ghana war das erste Land, das [3][Evakuierungsflüge aus Südafrika
organisierte]. Rund 300 Menschen landeten am Mittwoch vergangener Woche auf
einem von der Regierung gecharterten Sonderflug am internationalen
Flughafen von Accra. Weitere 600 waren bis zum vergangenen Wochenende an
der ghanaischen Botschaft in Südafrika registriert und sollen nachfolgen.
„Wenn es um die Sicherheit und die Würde von Ghanaern geht, geht Ghanas
Regierung keine Kompromisse ein und handelt ohne Zögern“, sagte
Außenminister Sam Okudzeto Ablakwa und erklärte, ein Spezialteam seines
Ministeriums kümmere sich um die Repatriierten. 120 seien bereits in Arbeit
untergebracht worden. Ghanas Regierung erwägt nun auch, dem
südafrikanischen Goldbergbaugiganten Gold Fields die Lizenz zur
Goldförderung in Ghana zu entziehen.
Der zunächst erhobene Vorwurf, all dies sei eine Überreaktion, ist längst
verstummt. In Nigeria warnte die Polizei am vergangenen Wochenende vor
Racheangriffen auf Südafrikaner in Nigeria, nachdem sich Meldungen über
Angriffe auf Nigerianer in Südafrika gehäuft hatten.
## Mosambikaner bei Angriffen getötet
Und am Dienstag meldeten die Behörden in Mosambik die Tötung mehrerer
Mosambikaner im südafrikanischen KwaNonqaba. 800 Mosambikaner seien
angegriffen und ihre Hütten und Läden angezündet worden, hieß es.
„Bedauerlicherweise sind mehrere mosambikanische Bürger gestorben – fünf
als direkte Folge der ausländerfeindlichen Angriffe und zwei bei einem
Autounfall, während sie auf dem Weg zurück nach Mosambik waren“, so die
Erklärung.
Sechs Busse mit über 500 Mosambikanern wurden am Mittwoch am Grenzübergang
Ressano Garcia erwartet, einer davon ausschließlich mit Frauen und Kindern
besetzt. Mehr als 300 sind bereits auf eigene Faust zurückgekehrt. Zugleich
wurden am Dienstag 105 Mosambikaner aus Südafrika deportiert. Auch in
Malawi bereitet sich die Regierung auf einen Zustrom fliehender
Staatsbürger aus Südafrika vor.
## ANC wirft Ausländern „Arroganz“ vor
Südafrikas Regierung tut sich schwer mit der Gewalt. Im Parlament am
Dienstag erklärte Präsident Cyril Ramaphosa: „Wir dürfen nie gegenüber
Gewalt, Ausländerfeindlichkeit und Vigilantentum nachgeben. Wir werden
unsere Gesetze durchsetzen und zugleich die Verfassung und die
Menschenwürde achten.“
Aber danach sagte ANC-Fraktionschef Ndumiseni Ntuli, man verurteile zwar
die „Verteufelung“ afrikanischer Migranten, aber „wir lehnen auch
entschieden die Arroganz und Überheblichkeit mancher Ausländer in unserem
Land ab“.
Manche der Anführer ausländerfeindlicher Gewalt sehen sich offenbar
weitgehend straffrei. Es kursieren Aufrufe an alle Ausländer in Südafrika,
auch die mit Aufenthaltsrecht, das Land bis zum 30. Juni zu verlassen.
In diesem Klima steigt auch die Angst unter kleineren Bevölkerungsgruppen
in Südafrika, die sich von Scharfmachern aus den großen Ethnien der Zulu
und der Xhosa bedroht fühlen. Bei den Ausschreitungen in KwaNonqaba wurde
jetzt ein Teenager aus der Ethnie der Tsonga im weit entfernten Nordosten
Südafrikas getötet. Der je nach Bericht 18 oder 19 Jahre alte Nhlamulo
Sambo wurde erstochen, weil er die Sprache der Zulu und Xhosa nicht
beherrschte, sagte seine Familie.
3 Jun 2026
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