# taz.de -- Krise im Weinbau: Seelsorge für Winzer
       
       > Vielen Weinbaubetrieben geht es schlecht. In Rheinhessen, Deutschlands
       > größtem Weinbaugebiet, startet die Kirche nun eine eigene
       > Winzerseelsorge.
       
 (IMG) Bild: Weinberge in Rheinhessen, rund um Oppenheim am Rhein
       
       epd | Die evangelische Kirche bietet jetzt ein eigenes Seelsorge-Telefon
       für Winzer:innen an. Damit reagiert sie auf die tiefe Krise in
       Deutschlands größtem Weinbaugebiet, in Rheinhessen. Zwei pensionierte
       Theolog:innen besetzen das Sorgentelefon der hessisch-nassauischen
       Landeskirche (EKHN).
       
       [1][In Rheinhessen, Weinbaugebiet südlich von Mainz, sei die schwierige
       Lage überall in den Orten zu spüren], sagt die Mainzer Pröpstin Henriette
       Crüwell. „In jedem Kirchenvorstand sitzt bei uns mindestens ein Winzer“,
       erklärt die Ideengeberin für das Projekt. „Da ist eine Not, die uns vor die
       Füße gefallen ist.“ Es gebe inzwischen gar Anzeichen für eine erhöhte
       Suizidrate im Weinbau.
       
       20 bis 30 Prozent der Betriebe könnten als Folge der aktuellen Krise ganz
       aufgeben, lautete eine Prognose der Mainzer Landesregierung aus dem
       vergangenen Jahr. [2][Die Nachfrage nach Wein ist in Deutschland und
       anderen europäischen Staaten zuletzt stark zurückgegangen]. Zugleich hätten
       sich etwa Energie und Dünger drastisch verteuert, sagt Verbandssprecher
       Andreas Köhr. Vor allem Betriebe, die kaum oder keinen eigenen Flaschenwein
       herstellen, sondern ihre Trauben an Großproduzenten liefern, seien
       betroffen.
       
       „Manche, die auf den Export nach Amerika gesetzt haben, gehen jetzt in die
       Knie“, sagt die ehemalige Pfarrerin Manuela Rimbach-Sator, eine der beiden
       Winzer-Seelsorgerinnen. Sie arbeitet wie ihr Kollege ehrenamtlich, um das
       Beratungsangebot möglichst niedrigschwellig zu halten. Manche Winzer stehen
       ohne Altersvorsorge dar, weil die von Pachteinnahmen für ihre Weinberge
       abhängt. Auch ein auskömmlicher Ruhestand durch den Verkauf des Betriebs
       ist nicht mehr garantiert.
       
       Bei der Frage, ob das eigene Weingut noch fortgeführt werden soll, gehe es
       um mehr als um Gewinn- und Verlustrechnungen. „Man kann so etwas nicht
       allein betriebswirtschaftlich entscheiden“, sagt die Pfarrerin. Viele
       Familienbetriebe bestehen seit Generationen. Niemand wolle derjenige sein,
       der alles abwickelt. Hier kommt die Kirche mit ihrer Seelsorge ins Spiel –
       um verzweifelten Winzern Mut zu machen, ihnen Perspektiven aufzuzeigen,
       über familiäre Rollenbilder zu sprechen oder über die Frage, ob ein
       Winzersohn automatisch auch Winzer werden muss
       
       31 May 2026
       
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