# taz.de -- Demo gegen Auto-Flut: No pasarán! Brenner-Autobahn wird blockiert
       
       > Anwohner*innen des Brenners sind wütend, weil immer mehr Autos und
       > Lkw ihren Wohnort mit Lärm und Abgasen belasten. Am Samstag wird
       > zurückgestunken.
       
 (IMG) Bild: Am Samstag wird die Autobahn am Brenner gesperrt
       
       dpa/taz | Am Samstag ist der [1][Brenner] dicht: Weil die
       Anwohner*innen gegen die Verkehrsflut demonstrieren, wird der
       [2][Grenzpass in den Ostalpen zwischen dem österreichischen Tirol und dem
       italienischen Südtirol] gesperrt.
       
       Auf österreichischer Seite ist von 11 Uhr bis 19 Uhr für Autos und
       Motorräder kein Durchkommen, auf italienischer Seite gilt die Sperre von
       10.30 Uhr bis 20 Uhr. Lastwagen können bereits einige Stunden zuvor nicht
       mehr über den Alpenpass. Nicht nur die Autobahn, sondern auch die
       Bundesstraße und Nebenstrecken sind in dieser Zeit für den Transitverkehr
       zu.
       
       Initiiert hat den Protest der Bürgermeister der Gemeinde Gries am Brenner,
       Karl Mühlsteiger. Die 15.000 Bewohner*innen des Wipptales, von denen
       viele in unmittelbarer Nähe von Autobahn und Bundesstraße leben, leiden
       unter Lärm, Feinstaub und vielen Beeinträchtigungen im täglichen Leben
       durch häufige Staus auf allen Strecken.
       
       Fast elf Millionen Autos und nahezu 2,5 Millionen Lastwagen haben 2025 laut
       Autobahnbetreiber Asfinag die mautpflichtige Autobahn benutzt. Bei den Lkw
       beträgt der Zuwachs seit 2010 rund 40 Prozent. Seit Inbetriebnahme der
       Brennerautobahn in den 1960er Jahren hat sich das Verkehrsaufkommen laut
       Asfinag fast versiebenfacht.
       
       ## Frühere Demoversuche wurden nicht genehmigt
       
       Während bisherige Demonstrationsversuche wegen eines drohenden
       Verkehrskollapses nicht genehmigt wurden, weicht das
       Landesverwaltungsgericht Tirol in seinem Urteil ab. „Eine Untersagung der
       Demonstration gegen eine hohe Verkehrsbelastung mit einer hohen
       Verkehrsbelastung zu begründen, führt im Grunde die Versammlungsfreiheit ad
       absurdum“, heißt es in dem Richterspruch. Es sei Sinn der Versammlungs- und
       Meinungsfreiheit, aufzurütteln und zu provozieren, was auch für die
       Allgemeinheit unangenehm sein könne.
       
       In dem Zeitraum passieren normalerweise Zehntausende Fahrzeuge den Brenner.
       Die Blockade fällt mitten in die Pfingstferien von Bayern und
       Baden-Württemberg sowie ans Ferienende in Sachsen-Anhalt. Die Behörden in
       Tirol, aber auch in Deutschland bereiten sich auf eine außergewöhnliche
       Verkehrslage vor. Sie empfehlen dringend, auf nicht notwendige Reisen zu
       verzichten.
       
       In der betroffenen Region ist jeglicher Transitverkehr in dem Zeitraum
       verboten. Erlaubt ist Ziel- und Quellverkehr. Wer also in einem Ort, zum
       Beispiel im Stubaital, ein Hotel gebucht hat und das nachweisen kann, darf
       die Sperre passieren. Radfahrer dürfen die Landstraße zum Brenner benutzen.
       
       Aus der „großen“ Politik bekommt Bürgermeister Mühlsteiger durchaus
       Gegenwind. Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) sieht einen
       „Knüppel zwischen die Beine der Logistikbranche“. Österreichs
       Verkehrsminister Peter Hanke (SPÖ) macht sich Sorgen um die Beziehungen zu
       Deutschland und Italien, die „durch derartige Aktionen nicht belastet
       werden sollten“.
       
       Aus Italien warnte Südtirols Ministerpräsident Arno Kompatscher, dass eine
       stundenlange Blockade in weiten Teilen der Bevölkerung Kopfschütteln
       auslösen und zum Eigentor werden könne.
       
       Tourist*innen in Südtirol passen nach Angaben des Hoteliers- und
       Gastwirteverbands ihren Urlaub angesichts der Blockade an. „Viele Gäste
       haben ihre Buchungen um einen Tag vor oder einen Tag nach hinten
       verschoben“, zitierte die Nachrichtenagentur Ansa den Verbandspräsidenten
       Klaus Berger. Die Menschen versuchten, die Sperre am Samstag zu umgehen.
       Mühlsteiger selbst berichtet von knapp 700 Mails aus Deutschland, Italien
       und Österreich, fast alle seien positiv.
       
       ## Alternative: Zug fahren
       
       Für den 30. Mai und auch sonst gibt es auf der Fahrt nach Südtirol und
       anderen Zielen in Italien zumindest auf dem Papier Alternativen zum
       Brenner. Dazu zählen der Reschenpass, das Timmelsjoch in Österreich, der
       Gotthardtunnel und der San-Bernardino-Tunnel in der Schweiz. Der Nachteil:
       Fast alle diese Routen sind deutlich mühsamer und zeitaufwendiger.
       
       Eine elegante Alternative könnte der Zug sein. Der braucht von Innsbruck
       bis nach Franzensfeste auf der italienischen Seite heute 80 Minuten.
       [3][Wenn der Brenner-Basistunnel im Jahr 2032 in Betrieb geht], rauschen
       die Züge für den Personen- und Güterverkehr mit Tempo 200 durch die rund 64
       Kilometer lange Röhre. Die Fahrtzeit für die Strecke beträgt dann nur noch
       25 Minuten.
       
       Tatsächlich liegen viele Hoffnungen auf der Fertigstellung des
       Jahrhundertbauwerks. Aber: Bis 2032 ist es noch lang. Und die Nordzufahrt
       von Deutschland ist bis dahin wohl nicht so leistungsfähig wie erhofft. So
       liegen die unmittelbaren Hoffnungen der Anwohner*innen beim Lärmschutz.
       Wenigstens sollten modernste Lärmschutzwände errichtet oder Einhausungen
       gebaut werden, wünschen sie sich.
       
       29 May 2026
       
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