# taz.de -- Magdeburger Rechtsextremist stach zu: Gut sieben Jahre Haft für Messerangriff auf Rentner
> Ein Rentner beschwert sich über das Verkleben von Stickern – und wird
> niedergestochen. Der dafür verantwortliche Rechtsextremist wurde nun
> verurteilt.
(IMG) Bild: Der Angeklagte Ulrich C. mit seiner Anwältin vor dem Landgericht Magdeburg
Ulrich C. zückte erst ein Pfefferspray, [1][dann unvermittelt ein Messer],
nachdem ihn der 81-jährige Wolfgang P. angesprochen hatte, warum er in
seiner Magdeburger Wohngegend Sticker verklebte und die Folienreste zu
Boden warf – Sticker der rechtsextremen Kleinpartei „III. Weg“. Der
56-Jährige rammte das Messer dem Rentner in die Brust, 15 Zentimeter tief,
traf dessen Lunge. Ulrich C. ließ ihn blutend liegen und rannte davon. Nur
die schnelle Hilfe eines Passanten und herbeigerufener Rettungskräfte
konnte Wolfgang P. vor dem Verbluten retten.
Am Donnerstag nun verurteilte das Landgericht Magdeburg Ulrich C. für diese
Tat vom 2. September 2025: zu sieben Jahren und drei Monaten Haft, wegen
versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung. Der Richter
betonte dabei laut Opferanwalt Thomas Klaus, dass Ulrich C. einer
rechtsextremen Gesinnung anhängt. Auslöser des Messerangriffs sei aber die
Kritik des Rentners am Verkleben der Sticker gewesen.
Eine psychotische Ausnahmesituation von Ulrich C., die auch im Raum stand,
nachdem ihm ein Gutachter eine Schizophrenie attestiert hatte, sah das
Gericht dagegen nicht als sicher erwiesen an, so eine Gerichtssprecherin.
Der Küchenhelfer wurde daher von dem psychiatrischen Krankenhaus, wo er
sich zuletzt befand, wieder zurück in die JVA Burg verlegt.
Dass Ulrich C. einer rechtsextremen Gesinnung anhängt, [2][ist nach einer
taz-Recherche dagegen unstrittig]. Schon als Jugendlicher, als Ulrich C.
noch in Köln und unter anderem Nachnamen lebte, trat er in die
rechtsextreme NPD ein. Es folgten Aktivitäten bei der „Freiheitlichen
Deutschen Arbeiterpartei“ (FAP), der „Deutschen Liga für Volk und Heimat“
oder dem „Bund Nationaler Kameraden“. Mit anderen Neonazi-Größen fuhr C.
1994 auch zu einem Gedenken an den Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß nach
Luxemburg.
Trotz Teilnahme an einem Aussteigerprogramm während einer früheren Haftzeit
hielt Ulrich C. an seiner Gesinnung fest. Als er einen Tag nach dem
Messerangriff auf Rentner Wolfgang P. in seiner Wohnung festgenommen wurde,
fanden sich dort nach taz-Informationen kartonweise III.-Weg-Aufkleber –
auch mit einem Motiv, das Ermittler am Tatort fanden. An einem verklebten
Sticker am Tatort fand sich auch DNA von Ulrich C.
## Opferanwalt: Dass Ulrich C. absehbar freikommt, sei „schwer erträglich“
Im Prozess hatte Ulrich C. über seine Verteidigerin den Angriff dennoch
zurückgewiesen: Er habe die Tat nicht begangen, sondern sei zu Hause
gewesen und habe sich mit Bier und Schnaps betrunken. Allerdings hatte
Ulrich C. kurz vor der Tat auch einem Bekannten geschrieben, er gehe jetzt
„Aufkleber kleben“.
Und der Magdeburger fiel schon in der Vergangenheit mit Gewalttaten auf,
schoss einmal etwa einem Mann mit einem Luftgewehr ins Bein. Im April 2009
beging er gar einen Mord, auch hier aus nichtigem Anlass und mit einem
Messer: Wegen eines Streits um 50 Euro traktierte er seine Mitbewohnerin
erst mit Schlägen und Tritten, dann tötete er sie mit zwei Messerstichen.
Auf die Leiche schoss er noch mit einem Gewehr, verging sich an ihr
sexuell. Dafür musste Ulrich C. 15 Jahre in Haft – das Gericht sah ihn aber
als vermindert schuldfähig an, weil er bei der Tat drei Promille Alkohol im
Blut hatte.
Thomas Klaus, Anwalt von Rentner Wolfgang P., sagte der taz, es sei
positiv, dass sich das Gericht von der Täterschaft von Ulrich C. überzeugen
konnte – trotz dessen Abstreitens. Der Fall sei „typisch“ für einen
Rechtsextremen, so Klaus: „Ein Mensch, der gegen andere hetzt, dass von
ihnen angeblich eine Gefahr für die deutsche Gesellschaft ausgeht, stellt
in Wirklichkeit selbst die Gefahr dar.“ Dass Ulrich C., nachdem er bereits
einen Menschen getötet hat und nun beinahe einen zweiten, nach absehbarer
Zeit wieder in Freiheit komme und für andere eine Gefahr darstellen werde,
sei indes „schwer erträglich“.
Der angegriffene Rentner Wolfgang P. lag nach der Tat mehrere Tage im
künstlichen Koma, Teile seiner Lunge mussten entfernt werden. Im Prozess
schilderte er die Folgen des Angriffs: Bis heute müsse er Schmerzmittel
nehmen, könne sich nur noch mit dem Rollator fortbewegen und gehe im
Dunkeln gar nicht mehr raus.
28 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Rechte-Gewalt/!6170328
(DIR) [2] /Rechte-Gewalt/!6170328
## AUTOREN
(DIR) Konrad Litschko
## TAGS
(DIR) Rechtsextremismus
(DIR) Der III. Weg
(DIR) Justiz
(DIR) Rechte Gewalt
(DIR) GNS
(DIR) Rechte Gewalt
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Rechtsextremismus
(DIR) Schwerpunkt Landtagswahl in Sachsen-Anhalt
(DIR) Rechtsextremismus
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Bilanz rechtsextremer Straftaten: Rassistische Hassgewalt oft unterm Radar
Das BKA zählt für 2025 einen neuen Höchststand an Gewalttaten von rechts.
Viele der Taten werden öffentlich kaum beachtet. Andere gar nicht erfasst
(DIR) Rechte Gewalt in Sachsen-Anhalt: Angriffe mit neuer Qualität
Schläge, Tritte, Messerstiche: 229 Fälle rechter Gewalt registrierte die
Mobile Beratung Sachsen-Anhalt. Vieles taucht nicht in der Statistik 2025
auf.
(DIR) Rechte Gewalt: Erst Neonazi-Sticker verklebt, dann zugestochen
In Magdeburg soll ein Rechtsextremer einen 80-Jährigen fast erstochen
haben. Eine politische Tat, die eines psychisch Kranken, oder beides?