# taz.de -- Jüdische Sportgeschichte: Wie eine Wiener Fußballpionierin nach Amerika kam
       
       > Ella Zirner-Zwieback leitete in den 30er-Jahren eine Frauenliga. Eine
       > Ausstellung in Los Angeles erinnert an sie und andere Juden im Fußball.
       
 (IMG) Bild: Ausstellungseröffnung „The Beautiful Game – The Untold Story“ vom Deutschen Fußballmuseum und dem Holocaust Museum LA am 13. 7. 26
       
       Eine „untold story“ ist es, eine Geschichte, die noch nicht erzählt wurde.
       So kündigt das Holocaust Museum Los Angeles seine Ausstellung „[1][The
       Beautiful Game]“ an, die während der WM gezeigt wird. Es geht um Juden im
       Fußball. Die Ausstellung entstand gemeinsam mit dem [2][Deutschen
       Fußballmuseum] in Dortmund.
       
       „Los Angeles hat uns aktiv angefragt, um die Ausstellung gemeinsam zu
       kuratieren“, sagt Manuel Neukirchner, der Direktor des Dortmunder Hauses.
       120 Exponate aus aller Welt wurden zusammengetragen. „Es geht darum, eine
       jüdische Perspektive auf den Fußball vor, während und nach dem Holocaust zu
       zeigen.“
       
       Im Mittelpunkt stehen Persönlichkeiten wie [3][Béla Guttmann], der
       legendäre ungarische Trainer, der Benfica Lissabon in die Weltklasse
       führte, oder Hugo Meisl, der als österreichischer Nationaltrainer den
       Fußball modernisierte und den Mitropa-Pokal erfand.
       
       ## Die Großmutter von August Zirner
       
       Oder [4][Ella Zirner-Zwieback]. Die Österreicherin war Präsidentin der
       Damen-Fußball-Union (DFU), eine einzigartige Frauenliga, die von 1935 bis
       1938 in Wien existierte. In der Ausstellung wird sie mit einem Ölgemälde
       geehrt. Das hing lange bei ihrem Enkel, dem Schauspieler August Zirner, der
       auch am 13. Juni zur Ausstellungseröffnung kam.
       
       Auf seine Großmutter ist Zirner stolz. „Sie hat sich immer sehr für
       Fraueninteressen engagiert. Meine Großmutter setzte sich auch dafür ein,
       dass Frauen Knickerbocker tragen konnten“, sagte Zirner der taz. Was sie
       genau in der DFU gemacht hat, ist schwer zu ermitteln. „Es ist keine
       einzige Entscheidung oder Aktivität im Kontext des Frauenfußballs
       überliefert“, sagt der Wiener Sporthistoriker [5][Matthias Marschik], der
       zu den kickenden Wienerinnen geforscht hat. Das Amt hatte sie nur von
       Herbst 1936 bis Sommer 1937 inne, wegen „beruflicher Überlastung“ trat sie
       zurück.
       
       Warum sie antrat, da muss Marschik spekulieren: „Vielleicht, weil einige
       ihrer Arbeiterinnen fußballerisch aktiv waren und die Chefin gebeten haben,
       dem Frauenfußball zu mehr Bekanntheit zu verhelfen.“ Zirner mutmaßt, es sei
       eine Mischung gewesen „aus geschäftlichem Interesse, indem sie Frauen
       förderte, und dass sie auch ein Enfant terrible war“.
       
       Es war ein Engagement in schwieriger Zeit. „Fakt ist, dass der
       Frauenfußball in Wien massiv behindert wurde, sowohl seitens der
       austrofaschistischen Sportorganisation, der sogenannten Sport- und
       Turnfront, als auch des Fußball-Verbandes“, sagt Marschik. Zirner-Zwieback
       habe sich mit der Übernahme des Präsidentinnenamtes „zweifellos politisch
       exponiert. Das dürfte ihr auch klar gewesen sein.“
       
       ## DFC Austria und DFC Rapid
       
       Die Vereine, die die DFU bildeten, wurden 1934/35 gegründet. Vorläuferklubs
       des Wiener Frauenfußballs existierten da schon nicht mehr. Einen wichtigen
       Auftakt bildete der 1. Wiener Damenfußballclub Kolossal, den die damals
       23-jährige Edith Klinger 1934 gründete. Auch Frauenvereine, die sich an den
       berühmten Namen des Wiener Männerfußballs orientierten, gab es: DFC Austria
       oder DFC Rapid. „Sie waren aber keine Ableger der Männervereine, sondern
       wurden nur nach denen benannt“, sagt Marschik.
       
       Der Männerfußballverband duldete keinen Frauenfußball. Vereine, die den
       Frauen „Unterschlupf“ gewährten, wurden bestraft. „Wer unsere reschen
       Wiener Mädel aber kennt, der musste erwarten, dass sie sich so leicht nicht
       unterkriegen lassen“, schrieb eine Zeitung. Die DFU selbst verkündete, dass
       sie „um ihr begründetes Recht kämpfen wird“. Zu diesem Zweck werde ein
       „Komitee aus Wiener Persönlichkeiten des Wirtschaftslebens“ gegründet, das
       eigene Plätze errichte. Es waren Persönlichkeiten wie Ella Zirner-Zwieback,
       die sich da engagierten.
       
       Im März 1938, mit dem [6][„Anschluss“ Österreichs], wurde die DFU
       zwangsaufgelöst. „Rein legistisch wurde die Auflösung aber erst im November
       rechtskräftig. Im Frühjahr 1938 wurde zwar keine Meisterschaft mehr
       ausgetragen, aber die Klubs trugen noch Trainings- und Freundschaftsspiele
       aus“, erklärt Marschik. „Das heißt, es wurden zu dieser Zeit im NS-Regime
       legal Frauenfußballmatches ausgetragen.“
       
       Ella Zirner-Zwieback war zu diesem Zeitpunkt mit ihrer Familie in die USA
       emigriert, nach New York. Dass sie sich dort im Frauenfußball engagierte,
       ist sehr unwahrscheinlich. Sie starb 1970. Mit dieser Ausstellung in Los
       Angeles kehrt die Erinnerung an sie zurück nach Amerika.
       
       Manuel Neukirchner vom Fußballmuseum ist optimistisch, dass die Ausstellung
       ein Erfolg wird. „Leute, die vielleicht nie in ein Holocaustmuseum gehen
       würden, interessieren sich bei uns für das Thema. Und auch Menschen, die
       vielleicht nie in ein Fußballmuseum gehen würden, kommen wegen eines
       solchen Themas zu uns.“ Er verspricht, dass die Ausstellung auch in
       Deutschland gezeigt werden wird.
       
       1 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.holocaustmuseumla.org/beautifulgame
 (DIR) [2] https://www.fussballmuseum.de/
 (DIR) [3] /Bela-Guttmann-fussballerischer-Weltumsegler/!1168456/
 (DIR) [4] https://on.orf.at/video/14127233/ella-zirner-zwieback-stilikone-und-geschaeftsfrau
 (DIR) [5] https://abseits.at/in-depth/fusballkunst/buchrezension-eine-klasse-fuer-sich-von-helge-faller-und-matthias-marschik/
 (DIR) [6] /75-Jahre-Anschluss-Oesterreichs/!5071523
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Martin Krauss
       
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