# taz.de -- Afrika-Cup der Frauen: Zwei Schwestern im Kampf um mehr Anerkennung
> Temwa und Tabitha Chawinga spielen weitgehend unbeachtet für Malawi.
> Dabei sind es ihre Tore, die für eine Pleite von Titelverteidiger Nigeria
> sorgen.
(IMG) Bild: Geteilte Freude: Temwa Chawinga freut sich mit ihrer Schwester Tabitha über ein Tor gegen Nigeria
Es lief die 73. Minute des Spiels Nigeria gegen Malawi. Ireen Khumalo,
Malawis linke Verteidigerin, spielte den Ball in die Schnittstelle zwischen
Nigerias Abwehrkette und Torhüterin Chiamaka Nnadozie und genau in den Lauf
von Temwa Chawinga. Die 27-Jährige erkannte ihre Chance sofort: Sie lenkte
in der Laufbewegung den in hohem Bogen anfliegenden Ball mit ihrem
Oberkörper an der herbeieilenden Nnadozie vorbei, umkurvte die dreifache
afrikanische Torhüterin des Jahres und verwandelte den Wurf in einen
historischen Treffer.
Malawi ist erstmals überhaupt [1][beim Afrika-Cup der Frauen] vertreten und
dies war das erste Tor, das eine Spielerin für Malawi beim
Kontinentalturnier erzielte. Zuvor hatte Malawi Nigeria mit der klug und
konsequent umgesetzten Taktik von Trainer Lovemore Fazili lange Zeit zur
Harmlosigkeit gezwungen. Doch es sollte noch mehr folgen.
Sechs Minuten nach dem Führungstreffer legte Kapitänin und Temwas ältere
Schwester Tabitha Chawinga (30) nach, wieder kam ein langer Ball hinter
Nigerias Abwehr und unangenehm für Nnadozie. Während Temwa Chawinga mit
ihrem Laufweg eine Verteidigerin weglockte, startete Tabitha in der Mitte
zwischen den Innenverteidigerinnen durch und traf zum 2:0. In der
Nachspielzeit (90.+5) war es dann erneut Temwa Chawinga, die mit ihrem
Doppelpack die Überraschung perfekt machte.
Nigeria kam via Handelfmeter, verwandelt von Rasheedat Ajibade (90.+2),
noch einmal heran, die eingewechselte Uchenna Kanu schoss in der 90.+9.
Minute den 3:2-Anschlusstreffer, doch dann war Schluss. Nigeria, mit zehn
Titeln Rekordsieger und als Titelverteidiger zum Turnier nach Marokko
gereist, musste sich gegen die zumindest laut Weltrangliste (Platz 153)
krassen Außenseiterinnen geschlagen geben.
## Verband mit Geldproblemen
So richtig viel Aussagekraft hat diese Platzierung allerdings nicht.
Malawi, dessen Frauenteam 2023 die Cosafa Championship der Verbände aus dem
südlichen Afrika gewonnen hatte, meldete sich aus finanziellen Gründen gar
nicht erst für die Qualifikation zum Afrika-Cup 2024 an. Die beiden
Chawingas kritisierten den Verband damals mit deutlichen Worten.
Aufgewachsen sind sie im nordmalawischen Rumphi, ihre Eltern verboten ihnen
das Fußballspielen, schließlich sei das reine Männersache. Aber das
interessierte die beiden nicht. So wechselte zuerst die etwas ältere
Tabitha nach Schweden und sorgte dafür, dass Temwa diesen Weg schließlich
auch gehen konnte. Für die ging es von dort weiter zu Wuhan Jianghan, wo
sie viermal in Serie die chinesische Meisterschaft gewann. 2023 war sie mit
insgesamt 63 Toren für Klub und Nationalteam geschlechterübergreifend die
torgefährlichste Fußballerin der Welt.
Temwa Chawinga schoss sich mit ihrer Treffsicherheit auf den
Scouting-Zettel vieler Teams. Ihr Weg führte schließlich in die USA. In der
NWSL traf sie für Kansas City Current 2024 als erste Spielerin der
Ligageschichte innerhalb einer Spielzeit 20 Mal und zudem gegen alle 13
anderen Teams. Sie wurde 2024 und 2025 zweimal hintereinander
Torschützenkönigin und als erste Spielerin überhaupt zweimal in Folge als
wertvollste Spielerin zur MVP gewählt. Ihre Schwester spielt derweil
erfolgreich in Europa. Tabitha Chawinga wurde als Spielerin von Paris
Saint-Germain 2023/24 für das Champions-League-Team der Saison
verpflichtet.
## Mangelnde Wertschätzung
Man sollte meinen, dass diese Leistungen international entsprechend
geschätzt würden – [2][bei der Auszeichnung] mit dem Ballon d’Or etwa, der
2018 zum ersten Mal an eine Frau vergeben wurde und als größte individuelle
Auszeichnung für Fußballerinnen mediale Aufmerksamkeit garantiert. Aus
jeder der nach Fifa-Weltrangliste besten 50 Nationen stimmt jeweils ein*e
Journalist*in über die Auszeichnung ab. Temwa Chawinga stand 2025
erstmals auf der Liste und landete auf Platz 17, mit gerade einmal 29
Punkten.
Tabitha Chawinga wurde 2024 als Spielerin von PSG, Torschützenkönigin und
beste Vorlagengeberin Frankreichs auf den 16. Platz gewählt. Lange waren
überhaupt keine Afrikanerinnen unter den gelisteten Spielerinnen. Erst 2022
war mit der Nigerianerin Asisat Oshoala vom FC Barcelona zum ersten Mal
eine afrikanische Nationalspielerin überhaupt dabei. Sie stand auf Platz 16
der Liste.
Die einzigen anderen zwei Vertreterinnen Afrikas sind [3][Sambias Barbra
Banda] nach ihrem Wechsel in die USA (Platz 12 im Jahr 2024 und 2025 Platz
14) und Chiamaka Nnadozie (Paris FC) bei der 2025 neu eingeführten
Torhüterinnen-Trophäe, weit abgeschlagen auf Platz 4. Noch seltener finden
sich Nationalspielerinnen aus asiatischen Verbänden unter den
Ausgezeichneten.
Honoriert werden bei individuellen Auszeichnungen wie dem Ballon d’Or vor
allem Vereinswechsel sowie Leistungen in den USA oder Europa. Wer es aus
Afrika auf die Liste der für den Ballon d’Or Vorgeschlagenen schafft, steht
meist im Schatten der zahlreich vertretenen weißen Europäerinnen oder der
Stars aus den USA. Das lässt sich kaum mit der reinen Leistung erklären. Es
ist auch Ausdruck rassistischer Zuschreibungen im Sport, wo Schwarze
Spieler*innen nach wie vor oft auf ihre Physis reduziert werden. Zudem
zeigt es die fehlende Aufmerksamkeit für Turniere jenseits von Europa- und
Weltmeisterschaften.
Sowohl Oshoala als auch Barbra Banda betonten rund um den Afrika-Cup, dass
mediale Sichtbarkeit über Wechselchancen ins Ausland entscheidet und für
das weitere Wachstum des Fußballs auf dem afrikanischen Kontinent wichtig
wäre. Also für alles, das für die Spielerinnen existenziell ist: Gehälter,
Infrastruktur, eine funktionierende Liga in ihren Herkunftsländern.
Diese Chance jedoch hat der afrikanische Kontinentalverband CAF mit der
kurzfristig beschlossenen Verschiebung des Turniers vom Frühjahr in den
Sommer vertan. Auch die wenigen vorhandenen und schlecht kommunizierten
TV-Übertragungen tragen nicht gerade zur Sichtbarkeit [4][des Turniers in
Marokko] bei, das mit dem Finale am 16. August enden wird. Nicht nur
Malawis Debüt beim Afrika-Cup und die Tore der Chawinga-Schwestern hätten
ein größeres Publikum verdient.
31 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Afrika-Cup-der-Frauen/!6097092
(DIR) [2] https://de.uefa.com/ballondor/
(DIR) [3] /Meisterschaft-im-US-Frauenfussball/!6048281
(DIR) [4] https://www.cafonline.com/caf-womens-africa-cup-of-nations/
## AUTOREN
(DIR) Annika Becker
## TAGS
(DIR) Fußball
(DIR) Frauenfußball
(DIR) Afrika-Cup
(DIR) Fußball-WM
(DIR) Kolumne leibesübung*innen
(DIR) Fußball-EM der Frauen 2025
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Jüdische Sportgeschichte: Wie eine Wiener Fußballpionierin nach Amerika kam
Ella Zirner-Zwieback leitete in den 30er-Jahren eine Frauenliga. Eine
Ausstellung in Los Angeles erinnert an sie und andere Juden im Fußball.
(DIR) Erfolge prekärer Frauennationalteams: Die guten Geschichten
Bei der „Fifa Unites: Women’s Series“ kickten Teams, für die schon das
Dabeisein ein Erfolg war. Einen überraschenden Triumph feierte der Tschad.
(DIR) Afrika-Cup der Frauen: Der König will Siege sehen
Zeitgleich zur Frauen-EM findet in Marokko der Afrika-Cup statt. Dort wird
massiv in den Fußball investiert. Das Heimteam steht unter großem Druck.