# taz.de -- Pistorius auf Werbetour: Deutsche U-Boote für Kanada
       
       > Kanada will unabhängiger von den USA werden. Das weiß auch
       > Verteidigungsminister Boris Pistorius und wirbt bei einem Besuch für
       > deutsche U-Boote.
       
 (IMG) Bild: Boris Pistorius spricht bei der Rüstungsmesse Cansec in Ottawa mit einer kanadischen Vertreterin, 27. Mai 2026
       
       dpa | U-Boote, Bodenschätze und eine strategische Partnerschaft:
       Verteidigungsminister [1][Boris Pistorius] hat in Kanada um den weiteren
       Ausbau der militärpolitischen Beziehungen und um Rüstungskooperationen
       geworben. Zugleich riet er Nato-Verbündeten, als Reaktion auf Unsicherheit
       in den Beziehungen zu den USA, zu einer entschlossenen militärischen
       Stärkung.
       
       „Vor dem Weißen Haus oder einem anderen Gebäude in der Welt zu sitzen und
       wie das Kaninchen auf die Schlange zu starren, würde uns nicht stärker
       machen. Es macht uns schwächer“, sagte der SPD-Politiker auf der
       kanadischen Rüstungs- und Sicherheitsmesse Cansec.
       
       Die USA seien in den vergangenen Jahrzehnten ein verlässlicher Partner
       gewesen. Die derzeitige Regierung ändere einige Dinge in ihrem Sinne. Dies
       wolle er nicht kommentieren. Auch erwähnte er US-Präsident Donald Trump in
       dem Zusammenhang nicht namentlich.
       
       Pistorius sagte: „Wir müssen weniger Aufmerksamkeit dem widmen, was andere
       machen und uns mehr darauf fokussieren, was wir selbst unternehmen können.“
       Er forderte insbesondere, die gegenüber der Nato gemachten Zusagen zu
       erfüllen. Auch wenn es mit den USA von Tag zu Tag unvorhersehbare
       Entwicklungen gebe, sei die Zusammenarbeit militärisch und politisch „noch
       immer sehr stark“.
       
       ## Entscheidung bis Ende Juni
       
       Pistorius ist in Kanada, um eine strategische Partnerschaft mit dem
       Nato-Verbündeten voranzubringen und für Rüstungskooperationen zu werben,
       darunter auch ein mögliches großes U-Boot-Geschäft. Er traf in Ottawa den
       [2][kanadischen Premierminister Mark Carney] sowie seinen kanadischen
       Kollegen David McGuinty.
       
       Deutschland will Kanada als Partner für eine gemeinsame
       U-Boot-Partnerschaft mit Norwegen gewinnen. Der [3][Kieler U-Boot-Bauer
       TKMS] wähnt sich bei einem Großauftrag aus Kanada über ein Dutzend Boote in
       aussichtsreicher Position. Konkurrenz kommt aus Südkorea.
       
       Im Hintergrund laufen Gespräche über umfangreiche Gegengeschäfte als Teil
       eines Gesamtpakets. TKMS zählt zu den weltweit führenden Unternehmen im Bau
       nicht nuklear betriebener U-Boote. Eine Entscheidung soll bis Ende Juni
       fallen. Pistorius wird auf seiner Reise von Bundestagsabgeordneten und
       Vertretern der deutschen Hightech- und Rüstungsindustrie begleitet.
       
       In dem Ausbau der Beziehungen zu Kanada sieht die Bundesregierung einen
       Nutzen für beide Staaten. So wollen Deutschland und Kanada ihre
       internationalen Partner und ihre Bezugsquellen für Energie und Rohstoffe
       diversifizieren. Aus deutscher Sicht gelten auch Anwendungen der
       künstlichen Intelligenz (KI) sowie das Internet und die Infrastruktur im
       Weltraum als Felder, in denen die Zusammenarbeit ausgebaut werden kann.
       
       ## Kanada orientiert sich neu
       
       Kanada bezieht bisher rund 80 Prozent seiner Militärgüter aus den USA.
       Wirtschaftlich und militärisch ist das Land eng mit dem Nachbarn verbunden.
       Das Verhältnis ist aber seit dem neuerlichen Amtsantritt Trumps schwer
       belastet. Neben Zöllen wird das Verhältnis auch von Trumps mehrfach
       geäußertem Wunsch strapaziert, Kanada als 51. Bundesstaat einzugliedern.
       
       Das US-Verteidigungsministerium hatte sich angesichts der Spannungen aus
       einem Teil der militärischen Zusammenarbeit mit Kanada zurückgezogen.
       Konkret angekündigt wurde, dass die USA die Arbeit im ständigen
       Verteidigungsrat auf Eis legen. Das Gremium war 1940 geschaffen worden, um
       sich in Fragen der Verteidigung enger abzustimmen und besteht aus führenden
       Vertretern des Militärs sowie der Regierungen beider Länder.
       
       Bei milliardenschweren Verträgen über den Kauf von Waffen und Militärgütern
       streben auch verbündete Staaten oft nach einem finanziellen Ausgleich oder
       einer Kompensation. Diese sogenannten Offset-Geschäfte sind Teil der
       komplizierten Verhandlungen, bei denen Interessen unterschiedlicher
       Branchen unter Dach und Fach gebracht werden müssen.
       
       Darauf angesprochen, sagte Pistorius in Ottawa: „Es gibt vielfältige
       Beteiligungsfelder für die Zusammenarbeit mit den Kanadiern.“ Er verwies
       auch auf laufende Verhandlungen mit den Kanadiern über Gaslieferungen.
       
       Der bundeseigene Gasimporteur Sefe plant dabei einen langfristigen
       LNG-Liefervertrag mit einem kanadischen Unternehmen. Sefe und die Firma Ksi
       Lisims LNG haben eine Absichtserklärung über die jährliche Lieferung von
       einer Million Tonnen Flüssigerdgas (LNG) unterzeichnet, wie das Unternehmen
       mitteilte. Die Lieferungen sollen Anfang der 2030er Jahre beginnen und über
       einen Zeitraum von bis zu 20 Jahren erfolgen.
       
       Ziel ist es, die Lieferungen von Flüssigerdgas breiter aufzustellen. Bisher
       kommt ein Großteil der Lieferungen aus den USA. Laut
       Bundeswirtschaftsministerium handelt es sich bei der Vereinbarung um die
       erste langfristige LNG-Partnerschaft von Sefe mit einem kanadischen
       Lieferanten.
       
       Sefe hieß früher Gazprom Germania, war eine Tochter des russischen
       Staatskonzerns Gazprom und wurde als Folge des russischen Angriffskriegs
       auf die Ukraine und der Energiekrise in Deutschland verstaatlicht.
       
       28 May 2026
       
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