# taz.de -- Amazon-Serie „Off Campus“: Wenig Innovation, viel nackte Haut
       
       > Nach „Heated Rivalry“ löst nun die nächste Eishockey-Serie einen Hype
       > aus. „Off Campus“ erzählt eine Hetero-Lovestory mit altbekannten
       > Narrativen.
       
 (IMG) Bild: Hannah Wells (Ella Bright) and Garrett Graham (Belmont Cameli) in „Off Campus“
       
       Wer eine Erfolgsserie produzieren möchte, kann sich aktuell an ein
       einfaches Rezept halten. Denn es besteht lediglich aus zwei Zutaten:
       Eishockey und Sex. Es ist noch nicht lange her, dass [1][die kanadische
       Serie „Heated Rivalry“ über zwei schwule Eishockeyspieler] aus gegnerischen
       Team einen enormen Hype auslöste. Monatelang fluteten die Fans Tiktok und
       Instagram mit Memes, in Deutschland waren [2][Public-Viewing-Events in
       Clubs ausverkauft] und der Eishockey-Sport erlebte einen enormen Boost. Die
       Amazon-Serie „Off Campus“ setzt nun auf die gleiche Rezeptur – nur dieses
       Mal in hetero.
       
       In der Adaption der Young-Adult-Buchreihe von Elle Kennedy gehen der
       Hockey-Kapitän Garrett Graham (Belmont Cameli) und die Musikstudentin Hanna
       Wells (Ella Bright) einen Deal ein. Er, der Player, der Frauen nur
       körperlich und nicht emotional an sich ranlässt, spielt ihren Freund, damit
       ihr Love Interest Justin sich in sie verliebt. Im Gegenzug gibt sie ihm
       Nachhilfe in Philosophie. Dass dieser Deal in der Realität absolut
       bescheuert ist, spielt keine Rolle. Und wer das infrage stellt, wird in
       „Off Campus“ nicht auf seine Kosten kommen. Hier geht es nicht um
       Realismus, nicht um überraschende Wendungen oder darum, neue Geschichten zu
       erzählen. Es geht einfach um die ganz großen Gefühle – und Sex.
       
       Wie, als Hannah Garrett bittet, sie zum Orgasmus zu bringen, denn das könne
       sie zwar gut alleine, aber nicht mit einem Mann. Er lässt sich auf die
       Bitte ein und holt sich Rat bei seinem Teamkollegen. Der hat den Schlüssel,
       um eine Frau zum Höhepunkt zu bringen; „Vertrauen.“ Garrett gibt sich große
       Mühe, damit Hannah sich wohl fühlt, doch als sie Sex haben, kann sie nicht
       loslassen. „Was, wenn ich kaputt bin?“, fragt sie ihn. Garrett schlägt vor,
       dass sie sich beide selbst zum Orgasmus bringen. Und so sitzen sie kurz
       darauf beide nackt voreinander und masturbieren. Die Serie lässt sich Zeit,
       die schwitzenden Körper und stöhnenden Münder zu zeigen.
       
       ## Das wahre Rezept für den Erfolg
       
       Für die großen Gefühle setzt Serienmacherin Louisa Levy auf altbekannte
       Narrative. Die Figuren und ihre Hintergrundgeschichten sind schon so oft in
       Film und Fernsehen erzählt worden, dass es mir fast mühsam erscheint, sie
       hier vorzustellen. Garrett kriegt zwar jeden Puck ins Tor und jede Frau ins
       Bett, doch was ihm fehlt, ist ein liebendes Elternhaus. Sein Vater, der
       ebenfalls erfolgreicher Eishockey-Spieler war, gibt ihm das Gefühl, dass er
       nur etwas wert ist, wenn er auf dem Eis abliefert. Diesen Druck verlieh er
       früher – das wird aus Rückblenden klar – auch mit Fäusten Nachdruck.
       
       Hannah dagegen hat gute Beziehungen zu Freunden und Familie, aber es fehlt
       an Geld und Mut. Sie arbeitet als Kellnerin, bewirbt sich für ein
       Stipendium, um an der Uni bleiben zu können, und verbringt ihren Abend
       lieber im Bett mit „Dirty Dancing“ als auf einer Hausparty einer
       Studentenverbindung. Männer ansprechen oder mit ihnen Sex haben, fällt ihr
       schwer. Was auch daran liegen könnte, dass sie in der Highschool
       sexualisierte Gewalt erfahren hat.
       
       Und diese beiden unterschiedlichen Charakter tun nun so, als seien sie in
       einer Beziehung, bis – und so viel Spoiler sollte an dieser Stelle erlaubt
       sein – sie sich wirklich ineinander verlieben. Und auch die Nebenfiguren
       sind so konstruiert, dass sie auch in anderen Young-Adult-Serien wie
       [3][„The Summer I Turned Pretty“] oder „The Kissing Booth“ auftreten
       könnten. Wie Allie (Mika Abdalla), die beste Freundin von Hannah, die von
       ihrer Langzeit-Beziehung gelangweilt ist und sich in den Badboy Dean
       (Stephen Kalyn) verknallt, den man die ganze Serie nur oberkörperfrei
       sieht.
       
       Obwohl in der Serie auch schwere Themen wie Gewalt durch Eltern,
       sexualisierte Gewalt oder Alkoholmissbrauch thematisiert werden, bekommt
       sie keine Tiefe. Alles bleibt oberflächlich und vorhersehbar. Und genau das
       ist vermutlich das wahre Rezept für eine Erfolgsserie: eine simple
       Liebesgeschichte und viel nackte Haut. Das Versprechen, nicht nachdenken zu
       müssen, sondern sich einfach berieseln zu lassen. 36 Millionen
       Zuschauer_innen sollen die Serie in den ersten zwölf Tagen gesehen haben,
       laut Amazon ein Rekordstart. Die Anzahl der Memes von Garrett Graham lassen
       diese Zahl auf jeden Fall glaubhaft erscheinen. Und sie werden vermutlich
       erst dann wieder verschwinden, [4][wenn der nächste heiße Eishockeyspieler]
       die Bildschirme erobert.
       
       28 May 2026
       
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