# taz.de -- Bayern und BaWü gemeinsam für Windkraft: Vereint gegen das Schreddern der Energiewende
       
       > Bayerns Energieminister Aiwanger und seine grüne Stuttgarter Kollegin
       > Walker wollen Windkraftprojekte retten. Sie kündigen gemeinsame
       > Initiativen an.
       
 (IMG) Bild: Der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) besucht die Baustelle eines Windparks in der Nähe von München
       
       Der Feldzug von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) gegen
       den Ausbau der erneuerbaren Energien führt zu bemerkenswerten Allianzen:
       Der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) und die
       [1][baden-würtembergische Umweltministerin Thekla Walker (Grüne)] kämpfen
       zusammen für Windkraftprojekte im Süden, die durch Reiches Pläne gefährdet
       sind. Sie kündigen gemeinsame Initiativen im Bundesrat an, um
       Verschlechterungen für Windanlagen in ihren Ländern zu verhindern.
       
       „Die Energiewende ist der Schlüssel für erfolgreichen Klimaschutz“, sagt
       Umweltministerin Walker. Und nicht nur das: Deutschland müsse sich
       unabhängig machen vom Preisroulette bei Gas und Öl. „Jede Windkraftanlage,
       die Importe aus Krisenregionen verringert, bringt uns mehr
       Planungssicherheit, geringere Stromproduktionskosten und mehr
       Souveränität.“ Auch der bayerische Wirtschaftsminister Aiwanger will den
       Ausbau der Erneuerbaren voranbringen, um mehr Unabhängigkeit von Importen
       und mehr Versorgungssicherheit zu erreichen. „Windenergie muss auch dort
       entstehen, wo der Strom gebraucht wird – gerade in den industriestarken
       Regionen Süddeutschlands“, sagt er.
       
       Der Hintergrund der gemeinsamen Initiative der grünen Ministerin und des
       konservativen Ministers, der in der Vergangenheit durch scharfe Kritik an
       der Ökopartei aufgefallen ist: Christdemokratin Reiche plant eine Reform
       [2][des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG)] und Änderungen beim Zugang zum
       Stromnetz. Reiche will dem Netzausbau den Vorrang gegenüber dem Ausbau der
       Erneuerbaren geben.
       
       So sollen die Bedingungen für neue Windräder vielerorts schlechter werden.
       Die Betreiber:innen sollen in bestimmten Regionen keine Entschädigung
       mehr erhalten, wenn die Windräder etwa wegen einer Netzüberlastung
       abgestellt werden. Das macht die Projekte finanziell kaum noch
       kalkulierbar, weshalb Banken sie nicht mehr finanzieren werden, fürchten
       Expert:innen.
       
       Bayern und Baden-Württemberg gehörten lange zu den Schlusslichtern beim
       Ausbau der Windenergie. Jetzt holen sie enorm auf. In Baden-Württemberg
       sind 1.763 Windanlagen in Planung, derzeit sind 846 in Betrieb. „Diese über
       1.000 Anlagen nicht mehr bauen zu können, wäre eine Sabotage aller
       Anstrengungen für Verfahrensbeschleunigungen der vergangenen Jahre“, sagt
       Walker.
       
       ## Windenergie hat es im Süden schwerer
       
       Auch in Bayern soll der Ausbau mit rund 1.000 geplanten neuen Anlagen bis
       2030 stark steigen. „Die aktuellen Planungen im EEG-Entwurf gefährden den
       Bau der zahlreichen bereits genehmigten Projekte“, kritisiert Aiwanger.
       Noch vor wenigen Jahren hat der Freistaat mit Regeln wie Mindestabständen
       von Windrädern zu Gebäuden den Ausbau erschwert.
       
       Mittlerweile hat die Landesregierung aber viele Hindernisse beseitigt.
       [3][So sind Genehmigungszeiten im bundesweiten Vergleich dort am
       kürzesten]. „Bayern hat seine Hausaufgaben in Sachen Windenergie gemacht“,
       sagt Aiwanger. „Jetzt darf der Bund unsere Erfolge nicht stoppen und die
       Bedingungen verschlechtern.“
       
       Bis ein Windrad steht und Strom ins Netz speist, müssen
       Projektierer:innen sehr viele bürokratische Verfahren durchlaufen. Sie
       müssen sich unter anderem an bundesweiten Ausschreibungen beteiligen, damit
       sie eine Mindestvergütung nach dem EEG erhalten und sich die Sache rechnet.
       Die Kapazitäten, die aufgebaut werden können, sind dadurch begrenzt.
       Zuschläge bekommen Projektierer:innen, die vergleichsweise günstig Strom
       produzieren. Die Südländer haben es schwerer als der Norden, weil hier die
       Windverhältnisse schwieriger sind.
       
       Im EEG gibt es für Projekte im Süden einen sogenannten Korrekturfaktor bei
       der finanziellen Förderung. Damit werden auch höhere Investitionskosten
       ausgeglichen. Der Bau von Windrädern ist etwa in Mittelgebirgen teurer als
       an der Küste. Der Korrekturfaktor liegt zurzeit bei 1,55. Ministerin Reiche
       will ihn auf 1,50 senken.
       
       Das würde die Konkurrenzfähigkeit der Windkraft im Süden weiter schwächen.
       Schon jetzt haben sie bei Ausschreibungen das Nachsehen. In der jüngsten
       Runde im Februar sind nur 2 Prozent der bundesweit ausgeschriebenen Menge
       nach Süddeutschland gegangen.
       
       Aiwanger und Walker fordern eine Erhöhung des Korrekturfaktors auf 1,70.
       „Es geht nicht um Sondervorteile, sondern um den Ausgleich struktureller
       Nachteile windschwächerer Standorte“, begründet Aiwanger die Forderung.
       Außerdem plädieren die Minister:innen neben einer Erhöhung der
       Ausschreibemengen für ein Zuschlagssegment nur für den Süden, das
       mindestens 20 Prozent betragen soll.
       
       Das Bundeswirtschaftsministerium ließ eine Anfrage der taz zu den
       Forderungen aus Süddeutschland bis Redaktionsschluss unbeantwortet.
       
       29 May 2026
       
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