# taz.de -- Individualismus vs. Solidarität: Wie viel Sozialstaat können wir uns noch leisten?
> Die Mieten steigen, die Rente ist ungewiss – in Ost- und in
> Westdeutschland. Die FDP in Sachsen-Anhalt, die SPD in Baden-Württemberg
> – ein Streitgespräch.
Schon heute zahlen viele Menschen mehr als ein Drittel ihres Einkommens
fürs Wohnen, wie der Sozialbericht 2024 zeigt. Gleichzeitig sinkt die Zahl
der Sozialwohnungen stetig. Für einkommensschwache Haushalte wird Wohnen
zunehmend zur Herausforderung. Am Ende des Monats bleibt oft kaum Geld
übrig, um etwa privat fürs Alter vorzusorgen. Denn nicht nur steigende
Mieten belasten die Menschen in Deutschland, auch die Sorgen um die Rente
wachsen.
Durch [1][den demografischen Wandel] ist unklar, wie die Altersvorsorge
künftiger Generationen finanziert werden soll. In Ostdeutschland sind die
Menschen durchschnittlich älter als im Westen. Sachsen-Anhalt ist mit einem
Durchschnittsalter von 48,3 Jahren sogar das älteste Bundesland, der
gesamtdeutsche Durchschnitt liegt bei 44,9 Jahren. Gleichzeitig ist die
[2][Mietbelastungsquote] im Osten geringer: In Sachsen-Anhalt zahlen
Mieter:innen durchschnittlich 24,4 Prozent ihres Nettoeinkommens fürs
Wohnen, in Baden-Württemberg dagegen 28 Prozent.
FDP-Politikerin Lydia Hüskens, stellvertretende Ministerpräsidentin und
Ministerin für Infrastruktur und Digitales in Sachsen-Anhalt, berichtet im
Gespräch mit „Mauercho“-Host Dennis Chiponda von Problemen mit Leerstand in
ihrem Bundesland. Es gebe genug Wohnungen, aber nicht genügend Menschen,
die dort einziehen wollten. Der SPD-Politiker Robin Mesarosch, der in
Baden-Württemberg für den Parteivorsitz kandidiert, hält dagegen: „Nicht
nur in Baden-Württemberg, sondern bundesweit können sich viele Menschen
nicht leisten, dort zu wohnen, wo sie leben und arbeiten wollen.“
## Funktioniert das System der Sozialwohnungen noch?
„In Sachsen-Anhalt regelt der Markt definitiv den Wohnungsmarkt“, sagt
Hüskens. Besonders herausfordernd sei die Situation dabei für
Vermieter:innen. Außerdem ist sie überzeugt, dass die einzige Lösung für
mehr Wohnraum „bauen, bauen, bauen“ sei und das System der Sozialwohnungen
grundsätzlich funktioniere. Mesarosch widerspricht: Die Bereitstellung von
Sozialwohnungen scheitere häufig an rechtlichen und finanziellen Hürden,
etwa in den Kommunen.
Auch beim Thema Rente setzt Hüskens auf individuelle Vorsorge:
Bürger:innen müssten privat für das Alter investieren. Mesarosch
hingegen betont die Verantwortung des Staates: „Eine Rente ist keine
Sozialleistung, sondern etwas, das man sich erarbeitet hat.“ Viele Menschen
könnten es sich gar nicht leisten, privat vorzusorgen, so der
SPD-Politiker. Warum Hüskens dennoch überzeugt ist, dass Investitionen in
Aktien eine gute Lösung für die Altersvorsorge sein können, hört ihr in
dieser Podcastfolge.
„Mauerecho“. „Mauerecho – Ost trifft West“ ist ein Podcast der taz
panterstiftung. Er erscheint alle zwei Wochen donnerstags auf
[3][taz.de/mauerecho] sowie überall, wo es Podcasts gibt. Besonderer Dank
gilt unserer neuen Redakteurin Jacqueline Kamp und unserem Sounddesigner
Sebastian Jautschus.
29 May 2026
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