# taz.de -- Berliner Mietspiegel 2026: Der Wahnsinn geht weiter
> Der neue Mietspiegel zeigt drastisch steigende Mieten und eröffnet
> weitere Spielräume für Erhöhungen. Entspannt gibt sich nur Senator
> Gaebler (SPD).
(IMG) Bild: Es liegt ein gewisser Schatten über dem neuen Mietspiegel, den Bausenator Gaebler am Donnerstag vorgestellt hat
Zumindest der Senator hat an diesem Donnerstagmorgen gute Laune. Im 17.
Stock der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung am Fehrbelliner Platz mit
wolkenlosem Blick über die Stadt strahlt [1][Christian Gaebler] (SPD) zu
Beginn der Pressekonferenz zur Vorstellung des [2][Mietspiegels 2026], als
hätte er eine frohe Botschaft zu verkünden. „Ich bin sehr froh, dass wir
diesen Mietspiegel heute online stellen konnten“, sind dann auch seine
ersten Worte.
Die zentrale Zahl der Erhebung über Berlins Mietentwicklung trägt er
deshalb gleichmütig vor. Das durchschnittliche Mietniveau steigt demnach
auf 7,71 Euro pro Quadratmeter, nachdem es im letzten Mietspiegel 2024 noch
7,21 Euro betragen hatte – ein Plus von 6,9 Prozent. Beschrieben wird damit
der Median: Die Hälfte aller Mieten liegt darüber, die andere darunter.
Legt man den Durchschnittswert aller Mieten zugrunde, sind es gar 8,32
Euro; 2013 waren es noch 5,33 Euro.
Später wird Gaebler auf Nachfrage von einem „moderaten“ Anstieg sprechen.
Wie er darauf kommt, bleibt sein Geheimnis. Die Erhöhung um 50 Cent
innerhalb von zwei Jahren ist der zweithöchste Anstieg, den der Mietspiegel
jemals verzeichnete. Lediglich 2017 waren es noch 5 Cent mehr.
Zur Beruhigung erklärt Gaebler: „Ich glaube nicht, dass jetzt alle
Mieterinnen und Mieter erwarten müssen, dass morgen eine Mieterhöhung
kommt.“ Tatsächlich jedoch eröffnet der neue Mietspiegel, der Erhöhungen in
sämtlichen Wohnlagen und Altersklassen ausweist, Vermieter:innen nun
die Spielräume für den nächsten Anstieg. Erlaubt sind laut der
Mietpreisbremse Steigerungen bis zur durchschnittlichen Vergleichsmiete,
maximal 15 Prozent in drei Jahren.
## Wohnungsausstattung wird wichtiger
Gültig ist der Mietspiegel, der in einer Arbeitsgruppe von sechs Vermieter-
und Mieterverbänden erstellt und von allen anerkannt wurde, für 1,6
Millionen Berliner Mietwohnungen. Abzulesen ist die zulässige Miete in 189
Feldern, die zwischen Baujahr, Wohnungsgröße sowie Lage unterscheiden.
Angegeben ist dabei jeweils die Medianmiete, aber auch eine Spannweite
zwischen den niedrigsten und höchsten Mieten für die jeweilige
Wohnungsklasse, die sich nach der Ausstattung der Wohnung bemisst.
Hier zeigt sich dann auch die wahre Dramatik. Denn immer häufiger koppeln
sich die Ober- von den Mittelwerten ab. Im Altbau in guter Wohnlage beträgt
dieser Abstand zum Teil 4 bis 5 Euro, im Neubau gar bis zu 8 Euro. Merkmale
wie hochwertiger Bodenbelag oder Einbauküche werden damit immer mehr zu
Kostentreibern. Vermieter wie [3][Vonovia hatten zuletzt gar
wohnwertsteigernde Merkmale wie gute ÖPNV-Anbindung und Nahversorgung
erfunden], um Mietsteigerungen zu begründen.
Laut Berliner Mieterverein sind die hohen Oberwerte „maßgeblich auf die
Neuvermietungen zurückzuführen, die innerhalb der letzten sechs Jahre
vereinbart wurden – nicht wenige davon unter Verstoß gegen die
Mietpreisbremse“. Ein weiteres zentrales Problem: Im Neubau ab 2014 findet
die Mietpreisbremse keine Anwendung, Miethöhen von bis zu 28 Euro pro
Quadratmeter sind die Folge. Das immerhin sieht auch Senator Gaebler
kritisch und fordert vom Bundesgesetzgeber eine Anpassung, was als Neubau
gilt.
Die Reaktionen außerhalb der Senatsverwaltung fallen entsprechend bestürzt
aus. Der Mieterverein spricht vom „Wahnsinn auf dem Berliner Wohnungsmarkt“
als „Ergebnis unzureichend konsequenter Mietregulierung“. Gefordert wird
eine Verfolgung der Mietpreisbremse, nach der die Mieten bei einem
Neuvertragsabschluss um maximal 10 Prozent angehoben werden darf.
## Kritiker sehen „Mieterhöhungsspiegel“
Außerdem verlangen Kritiker, unzulässig überhöhte Mieten aus der Berechnung
des Mietspiegels auszuschließen und sämtliche Mieten in dessen Berechnung
einfließen zu lassen, statt nur jene, die innerhalb der letzten sechs Jahre
erhöht oder neu abgeschlossen wurden. Die Initiativen Deutsche Wohnen & Co
enteignen und das Berliner Bündnis gegen Vonovia und Co sprechen deshalb
von einem „Mieterhöhungsspiegel“.
Dass Neubau das Problem nicht lösen werde, betont Grünen-Fraktionschef
Werner Graf; dieser sei „für viele Berliner*innen unbezahlbar“. Zudem
sinken die Neubauzahlen in der Amtszeit von Senator Gaebler Jahr für Jahr.
Die zuletzt gemeldeten 11.000 fertiggestellten Wohnungen im Jahr 2025 sind
der niedrigste Wert seit zehn Jahren. Grund zur Freude dürfte das für den
Senator eigentlich nicht sein.
28 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Stadtentwicklungssenator-ueber-Wohnungsnot/!5944876
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(DIR) [3] /Die-Tricks-von-Vonovia/!6080189
## AUTOREN
(DIR) Erik Peter
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