# taz.de -- 13 Jahre Haft für Daniela Klette: Von Staub und Garweg weiter keine Spur
> Nach der Verurteilung der mutmaßlichen RAF-Terroristin Daniela Klette
> steht der nächste Prozess gegen sie bevor. Die Fahndung nach ihren
> Begleitern läuft.
(IMG) Bild: Fahndungsplakat mit Burkhard Garweg in Berlin im März 2024
Nach dem Urteil ist wahrscheinlich vor dem nächsten Prozess. Nach der
Verurteilung von Daniela Klette zu 13 Jahren Haft für eine Serie von
Raubüberfällen in der Zeit des Abtauchens, begangen wohl mit ihren
Begleitern Burkhard Garweg und Ernst-Volker Staub, steht der 67-Jährigen
ein weiterer Prozess vor dem Oberlandesgericht Frankfurt am Main bevor:
dort dann zu drei RAF-Anschlägen, an denen Klette beteiligt gewesen sein
soll.
[1][Schon im März hatte die Bundesanwaltschaft dazu Anklage erhoben].
Klette soll, als Teil der dritten und letzten Generation der RAF, 1990 vor
einem Verwaltungsgebäude der Deutschen Bank in Eschborn bei Frankfurt am
Main mit anderen einen VW-Golf mit 45 Kilogramm Sprengstoff abgestellt
haben – der Sprengsatz zündete aber nicht. Knapp ein Jahr später soll sie
mit zwei weiteren Schützen mindestens 250 Schüsse auf die US-Botschaft in
Bonn abgefeuert haben – Verletzte gab es nicht. Im März 1993 soll Klette
dann an der Sprengung der noch im Bau befindlichen JVA Weiterstadt in
Hessen beteiligt gewesen sein. Das Gebäude wurde damals zerstört, es
entstand ein Schaden von 63 Millionen Euro. Verletzt wurde auch hier
niemand.
Die Vorwürfe basieren auf DNA-Spuren, die von Klette an den Tatorten
gefunden worden sein sollen. Deren Verwertbarkeit ziehen ihre Anwälte indes
in Zweifel. Zudem soll ein früherer V-Mann des Verfassungsschutzes mit
Kontakten in die damalige RAF-Führung, Klaus Steinmetz, Klette belastet
haben. Auch dessen Aussagen halten Klettes Anwälte für wenig glaubhaft. Das
Gericht selbst prüft derzeit noch, ob es die Anklage zulässt.
Kein Gerichtsverfahren ist angesetzt gegen Klettes frühere Begleiter
Burkhard Garweg und Ernst-Volker Staub – denn die sind noch immer nicht
gefasst. Nach mehr als 30 Jahren im Untergrund war [2][Klette nach einer
journalistischen Recherche und Hinweisen aus der Bevölkerung im Februar
2024] in einer Wohnung in Berlin-Kreuzberg festgenommen worden.
Anschließend hatte die Polizei Garweg fast erwischt: Er lebte offenbar zu
dieser Zeit nicht weit entfernt auf einem Bauwagenplatz im Berliner
Stadtteil Friedrichshain. Doch Klette konnte Garweg noch auf dem Handy
warnen – und dieser sich absetzen.
## Fahndung mit Fotos und Videos
Laut einer Sprecherin des LKA Niedersachsen läuft die Fahndung nach Garweg
und Staub „weiterhin sehr engmaschig“. Aktuell gebe es „jedoch keine heiße
Spur“. Fast täglich gingen neue Hinweise zu den beiden ein, so die
Sprecherin. Über die Jahre sei eine vierstellige Zahl von Spuren
abgearbeitet worden.
Mit Fahndungsplakaten sowie Fotos und Videos im Internet wird weiterhin
nach Garweg und Staub gefahndet. Für Hinweise ist weiterhin eine Belohnung
ausgesetzt. Nach Garwegs Verschwinden vom Bauwagenplatz gab es
Zeugenaussagen, dass er womöglich nach Hamburg flüchtete. Gefasst werden
konnte er auch dort indes nicht.
Dafür meldete sich Garweg im Dezember 2024 selbst aus dem Untergrund,
[3][mit einem Brief an die taz]. Darin verwahrte er sich gegen das
öffentliche Bild des gefährlichen, aber nunmehr unpolitischen Ganoven.
Garweg betonte, er sei weiter Teil einer „revolutionären Linken“, die heute
– angesichts von Krieg und Krisen – mehr denn je gebraucht werde. Und er
forderte die „sofortige“ Freilassung von Daniela Klette.
Als ihm auf dieses Schreiben Caroline Braunmühl, Tochter des 1986 von der
RAF erschossenen Diplomaten Gerold von Braunmühl, in einem öffentlichen
Brief antwortete, entwickelte sich daraus ein wiederum öffentlicher
Briefwechsel. Garweg bedauerte darin den Mord an ihrem Vater: Er kenne
niemanden, der an dem Attentat „irgendetwas richtig fand, nichts oder
nichts mehr darin sah, was rückblickend für den Befreiungskampf hätte einen
Sinn haben können“. Für die Tat habe es aus heutiger Sicht „keine
revolutionäre Legitimation“ gegeben.
## Grußwort an die Rosa-Luxemburg-Konferenz
Zuletzt übermittelte Garweg ein Grußwort an die Rosa-Luxemburg-Konferenz im
Januar dieses Jahres in Berlin. Man könne sich „auch was anderes
vorstellen, als uns durch das zuweilen auch dornige Dickicht der
Illegalität und sowieso des Knastes zu schlagen“, erklärte er darin. Der
Verfolgungseifer und die „Denunziation“ des Staates zwinge ihn aber zum
Leben im Untergrund. Es sei immerhin eines, das „trotz mancher Widrigkeit“
von Solidarität geprägt sei.
Und Garweg betonte: „Wir, die wir als ‚Terroristen‘ im Knast wie auch in
der Illegalität verfolgt und drangsaliert werden, haben nichts mit Terror
oder Terrorismus zu tun“. Zu den vorgeworfenen RAF-Anschlägen gegen Klette
erklärte er, bei diesen „Widerstandsaktionen gegen Krieg, Knast und
Kapitalismus“ sei „kein Mensch zu Schaden“ gekommen. „Das Unrecht, gegen
das sich diese Aktionen der damaligen Zeit richteten, tötete hingegen
Millionen Menschen durch Krieg, brachte Millionen den Hunger oder
errichtete ein weiteres Monster des Gefängnissystems.“ Deshalb sei es ein
„Hohn“, dass die Bundesanwaltschaft immer noch lange Haftstrafen für die
Taten fordere, so Garweg.
Klette forderte im Prozess in Verden in ihrem Schlusswort wiederum, die
Fahndung nach Garweg und Staub endlich einzustellen. Die Verfolgung sei
politisch motiviert, auch sie sprach von einer „Dämonisierung“. Es gehe
darum, die gesamte radikale Linke abzustrafen. In Verden sagte Klette nicht
explizit, dass sie bei der RAF Mitglied gewesen sei. Nur dass diese „in
meinem Leben eine wichtige Rolle gespielt hat“. Die „Genoss*innen“ standen
für die Möglichkeit, „mit diesem System zu brechen und im fundamentalen
Widerstand um Befreiung zu kämpfen“. Die Auflösung der Gruppe sei aber
„völlig richtig“ gewesen und auch die Begründung dafür, dass eine
Einbindung der RAF in eine „Gegenmacht von unten“ fehlte.
Auch Klette hatte ein Grußwort an die Rosa-Luxemburg-Konferenz geschickt.
Dort ahnte sie schon, dass ein „möglichst hartes Urteil“ gegen sie gefällt
werden solle. Und sie beklagte, dass die Bundesanwaltschaft schon für den
nächsten Prozess „in den Startlöchern“ stehe. Zu dem ihr vorgeworfenen
RAF-Anschlag auf die US-Botschaft erklärte sie, dass 1991 in den US-Kriegen
gegen Irak „viele tausend Kinder getötet“ wurden. Kein Verantwortlicher
habe dafür, und auch für weitere westliche Kriege im Nahen Osten nicht,
„auch nur einen Tag seines/ihres Lebens in einem Gefängnis verbracht“.
Auch heute aber bewege die Frage, wie die „auf Zerstörung hinauslaufenden
Verhältnisse zu überwinden“ seien, Menschen weltweit, betont Klette. „Und
diese Frage bewegt auch mich.“
27 May 2026
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## AUTOREN
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