# taz.de -- Reiche zu Besuch in China: Fairtrade ist aussichtslos
> Bei Xi Jinping bemüht sich Katherina Reiche um faireren Wettbewerb. Aber
> um Deutschlands drohende Deindustrialisierung schert sich dort keiner.
(IMG) Bild: Die kurzfristigen Geschäftsinteressen deutscher Unternehmen decken sich keineswegs immer mit den volkswirtschaftlichen Interessen
Viele der deutschen Firmenmanager in China leiden wohl unter selektiver
Wahrnehmung, gepaart mit Gedächtnisschwund. Noch vor wenigen Jahren
forderten sie von ihrer Regierung, sich bloß mit Kritik während ihrer
Peking-Besuche zurückzuhalten. Die Harmonie der bilateralen Beziehungen
sollte schließlich nicht gestört werden. China sei die Zukunft, hieß es
immer wieder.
Nun haben wir [1][den Schlamassel] – zumal einen, bei dem die
Wirtschaftsvertreter plötzlich doch die Politik zu Hilfe rufen. So sehen
laut einer Befragung der deutschen Handelskammer in China immer mehr
Unternehmen die Bundesregierung in der Pflicht, sich für fairen Wettbewerb
einzusetzen.
Kritik gegenüber der chinesischen Regierung kommt der Handelskammer nach
wie vor nur äußerst indirekt über die Lippen. Zu sehr wirkt die
Selbstzensur.
Doch im Zuge der China-Reise von [2][Wirtschaftsministerin Katherina Reiche
(CDU)] zeigt sich: Die kurzfristigen Geschäftsinteressen deutscher
Unternehmen decken sich keineswegs immer mit den volkswirtschaftlichen
Interessen. Im Falle Chinas ist manchmal das Gegenteil der Fall: Denn
ähnlich wie deutsche Konzerne ihre massive Russland-Abhängigkeit spätestens
seit Februar 2022 bereuen, könnte sich ein ähnlicher Super-GAU in wenigen
Jahren erneut wiederholen.
## „Interessen nicht klar genug benannt“
Nur ist die [3][Gravitas der chinesischen Wirtschaftsmacht] ungleich
stärker. Als Putin seine Panzer gen Kyjiw rollen ließ, zogen sich die
meisten deutschen Firmen [4][aus Russland zurück]. Wenn aber Xi seine
Volksbefreiungsarmee in Taiwan einmarschieren lassen sollte, wie würde sich
dann etwa [5][Volkswagen entscheiden]? VW verkauft nach wie vor über 30
Prozent seiner Neuwagen im Reich der Mitte.
„Wir haben unsere Interessen in der Vergangenheit nicht klar genug
benannt“, sagte Katherina Reiche vor ihrer China-Reise. Aber Staatschef Xi
Jinping hat nie einen Hehl aus seinen strategischen Interessen gemacht, und
dass er auf die Deutschen höchstens am Rande Rücksicht nimmt. Doch die
haben sich viel zu lange geweigert, genau hinzuhören.
27 May 2026
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(DIR) Fabian Kretschmer
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