# taz.de -- Putin und Trump in China: China wird zur Weltmacht und die Demokratien schauen zu
> Nicht nur wegen Trumps strategisch dummer Politik wird China immer
> einflussreicher. Das hat auch Folgen für Europa.
(IMG) Bild: Präsident Donald Trump (links) und Präsident Xi Jinping am 14. Mai 2026 vor dem Himmelstempel in Peking
Es läuft gerade ausgesprochen gut für Xi Jinping. In nur wenigen Tagen hat
der chinesische Staatschef die Präsidenten der USA und Russlands empfangen.
Und beide wirkten in der Großen Halle des Volkes wie Bittsteller, die um
die Gunst des mittlerweile wohl mächtigsten Mannes der Welt buhlen mussten.
Während Trump seinen chinesischen Amtskollegen mit Komplimenten überhäufte,
zeigte dieser seinem Gast – trotz pompöser Jubelkulisse –
unmissverständlich die politischen roten Linien auf: Sollten die USA die
Taiwanfrage „falsch“ managen, würde dies zu einem Konflikt führen, warnte
Xi wenig subtil.
Auch [1][Wladimir Putin musste das neue Machtgefälle stillschweigend
akzeptieren]. Zwar fiel der Staatsbesuch des „alten Freundes“ herzlicher
aus. Doch schlussendlich ließ Xi keinen Zweifel daran aufkommen, wer in
dieser strategischen Partnerschaft die Hosen anhat. Die erhoffte
Gaspipeline „Kraft Sibiriens 2“, die der russische Präsident bereits seit
Jahren möchte, hat er auch bei seinem 25. Chinabesuch nicht durchgewunken
bekommen.
Zweifelsohne weitet Chinas Staatsführung ihren internationalen Einfluss
rasant aus. Das hat weniger mit der eigenen Stärke zu tun als mit einem
US-Präsidenten auf Kamikazemission, dessen einziges Ziel es zu sein
scheint, den politischen Westen in den Abgrund zu stürzen.
Doch Schadenfreude ist unangebracht. Für die demokratische
Staatengemeinschaft ist der diplomatische Aufstieg der Volksrepublik kein
Grund zum Jubeln. Zwar muss man Xi zugutehalten, dass er im Gegensatz zu
Trump und Putin die multilaterale Weltordnung mit all ihren Institutionen
nicht stürzen möchte.
## Indirekte Unterstützung für Iran
Doch legt er die internationalen Regeln stets nach eigener Interpretation
aus: Eine Eroberung Taiwans wäre aus seiner Sicht Chinas „innere
Angelegenheit“. Auch bei den Kriegen in Iran und der Ukraine spielt Peking
keine neutrale Rolle als „Friedensmacht“, wie es propagandistisch heißt.
China macht Putins Kriegsmaschinerie als mit Abstand größter
Energielieferant groß.
Indirekt [2][unterstützt China auch das Regime in Teheran]. Aktivisten aus
der Diaspora beschuldigen chinesische Staatsunternehmen etwa seit Jahren,
dass sie die iranische Regierung mit jener Überwachungstechnik versorgen,
mit der diese die Demonstranten ausspäht und Dissidenten verfolgt. Dabei
könnten die Kommunisten in Peking den Mullahs in Teheran ideologisch kaum
ferner stehen. Doch was die Achse China–Russland–Iran eint, ist eine
Ablehnung des Westens unter Führung der USA.
Dementsprechend sollte man auch den freundlich inszenierten Gipfel zwischen
Trump und Xi nicht missverstehen. Wer hinter die Propagandafassade blickt,
vernimmt dieser Tage alarmierende Zeichen. So argumentieren etliche
chinesische Politkommentatoren, dass die Beziehung zwischen den USA und
China „in eine neue Phase eines strategischen Patts eingetreten“ sei, wie
es in einer aktuellen Analyse von Liu Weidong von der Chinesischen Akademie
für Sozialwissenschaften heißt.
Damit wird jener historische Begriff verwendet, den Staatsgründer Mao
Zedong einst als zweite Phase eines „verlängerten Kriegs“ definiert hat:
Beim „strategischen Patt“ sammelt man die eigenen Kräfte, ehe es in die
„strategische Gegenoffensive“ geht. Die Strategie, die Mao 1938 gegen ein
scheinbar übermächtiges Japan entworfen hat, wird nun auf die USA
umgemünzt. Insofern sollte sich Trump zweimal fragen, mit wem er sich da
gerade zusammentut.
## Europas Exporte gehen zurück
Denn aus Sicht der Autokraten, die sich die Welt in ihre Einflusssphären
einteilen, können schließlich auch die großen Fische irgendwann einmal auf
der Speisekarte landen. Und Europa? Schaut bislang nur von der
Zuschauertribüne zu. Es muss mit ansehen, wie man ökonomisch von der
chinesischen Industriepolitik zerrieben wird.
Während Chinas Exporte in die EU konstant steigen, gehen die europäischen
Warenverkäufe ins Reich der Mitte zurück. Europas Exportniveau nach China
befindet sich mittlerweile unter dem vorpandemischen Niveau von 2019 –
Tendenz weiter sinkend. Doch sobald die EU die Wettbewerbsverzerrungen ins
Visier nimmt, reagiert Peking stets mit resoluten Gegenmaßnahmen.
Ob geopolitisch oder ökonomisch: So offen wie seit Jahrzehnten nicht mehr
gilt wieder das Recht des Stärkeren. Und China ist in die
Schwergewichtsklasse aufgerückt.
24 May 2026
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