# taz.de -- Paderborn in der 1. Bundesliga: Erstklassig ist relativ
       
       > Der SC Paderborn ist in die Bundesliga aufgestiegen. Endlich sprießt mal
       > was in dieser Stadt. Eine kleine Hasserklärung.
       
 (IMG) Bild: Das historische Rathaus in Paderborn
       
       In [1][Paderborn] steppt normalerweise kein Bär. Eine katholische
       Ernsthaftigkeit scheint wie Orgelklang aus dem Dom in die ostwestfälische
       Stadt hinauszudringen. Vom schmucklosen Bahnhof läuft man eine schmucklose
       Straße hinunter. Irgendwo ist eine Innenstadt. Dort kann man immerhin ein
       paar reizende Weserrenaissancefassaden sehen, etwa am historischen Rathaus.
       
       Anlass zu starken Gefühlen wie jetzt, wo die Männermannschaft des örtlichen
       Fußballvereins in die erste Bundesliga aufsteigt, gibt es selten. Oder
       bekommt man einfach nichts mehr mit, wenn man einmal weggezogen ist?
       
       Zuletzt machte die Stadt, in deren Mitte die Pader der Erde entspringt,
       jedenfalls wegen eines Tornados, der die alten Bäume im Paderquellgebiet
       umwarf und über 40 Personen verletzte, größere Schlagzeilen. Wer sich für
       Frauengesundheit interessiert, begegnet dem Ort als Negativbeispiel. Denn
       in Paderborn wohnen zwar mehr als 150.000 Menschen. Aber für eine
       verlässliche Infrastruktur, in der [2][Schwangerschaftsabbrüche]
       durchgeführt werden, reicht es nicht.
       
       Das Sehenswerte vor Ort hat es nicht eilig: Ausgrabungen der Kaiserpfalz
       Karls des Großen und andere erzbistümliche Schätze sind auch nächstes Jahr
       noch da. Das weltgrößte Computermuseum im Heinz Nixdorf Forum auch. Das
       Gleiche gilt für das Stadtfest Libori, benannt nach dem Schutzpatron
       Paderborns, dem heiligen Liborius. Er gilt als Nothelfer für Gallenleiden.
       Ein Helfer in der Bitterkeit. Das passt ganz gut.
       
       ## Auf dem trockenen Boden der Tatsachen
       
       Einer nicht wissenschaftlich geklärten These zufolge liegt die etwas
       griesgrämige bis verbittert wirkende Paderborner Mentalität am schlechten
       Boden. Außen herum liegt im Osten der dunkle Boden der Warburger Börde. Im
       Norden liegt die satte Erde Niedersachsens, auf der sogar Zuckerrüben
       gedeihen, das Gold der Landwirte. Rund um Paderborn aber gibt es nur
       mäßigen Boden.
       
       Die Annahme klingt nicht einmal unplausibel: Über Jahrtausende der
       Besiedlung könnte sich eine gewisse Bitterkeit in die Menschen
       eingeschrieben haben, weil sie mit der gleichen Arbeit regelmäßig eine
       kleinere und weniger wertvolle Ernte einfahren konnten als die Warburger
       oder die Südniedersachsen.
       
       Wenn Experimente in einer agrarischen Gesellschaft die Existenz bedrohen,
       hält man an dem fest, was funktioniert. Vielleicht kann gerade diese Stadt
       deshalb die süßen Früchte der sportlichen Arbeit ihres Fußballvereins
       besonders genießen. Endlich sprießt was! Die harte Arbeit hat sich mal
       gelohnt.
       
       Bei Heimspielen erinnert die Torhymne des SC Paderborn ans alte
       Heidestadion im Stadtteil Schloß Neuhaus, das nach dem „Heidedichter“
       Hermann Löns benannt war: „Hermann Löns, die Heide brennt!“ Ohne tieferes
       Verständnis des Werks von Hermann Löns vortäuschen zu wollen: Der Mann gilt
       als Sexist, Rassist und Antisemit.
       
       Inzwischen gibt es ein neues Stadion, doch auch das ist eher bescheiden.
       „Es passen nur 15.000 Leute rein, es wird immer ausverkauft sein“,
       prophezeit ein in Berlin lebender Anhänger des Vereins. Lino Brandi wird
       sich eine Dauerkarte besorgen und regelmäßig für diese Spiele nach Hause
       fahren, den ganzen Weg bis Bielefeld im [3][ICE], dann mit der Regionalbahn
       bis Paderborn. Warum tut man sich das an? „Weil man es so lange
       durchgezogen hat, dass man nicht mehr rauskommt aus der Nummer.“ Das ist
       sie, die Paderborner Mentalität.
       
       26 May 2026
       
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