# taz.de -- Anhörung zur IBA im Abgeordnetenhaus: Brandenburg will auch mitmachen
       
       > Eine neue Internationale Bauausstellung in Berlin ist beschlossene Sache.
       > Bei einer Anhörung werden Stimmen laut, auch Brandenburg
       > miteinzubeziehen.
       
 (IMG) Bild: Soll kein IBA-Projekt und nach wie vor abgerissen werden: SEZ in Friedrichshain im Sommer 1995
       
       Marco Beckendorf ist einer dieser jungen Bürgermeister in Brandenburg, die
       sich vorgenommen haben, neue Wege zu gehen. Der Weg am Montag führte das
       44-jährige [1][Stadtoberhaupt von Wiesenburg/Mark] im Landkreis
       Potsdam-Mittelmark ins Berliner Abgeordnetenhaus. „Wir sind die Underdogs,
       die es zu entdecken gilt“, sagte der Linkenpolitiker bei einer Anhörung im
       Ausschuss für Stadtentwicklung zur geplanten neuen Internationalen
       Bauausstellung (IBA).
       
       Beckendorf hat es sich bei der Gelegenheit auch nicht nehmen lassen, seine
       Stadt als IBA-Standort ins Spiel zu bringen. „Die Grenzen zwischen Berlin
       und Brandenburg verschwimmen“, sagte er in der Anhörung. Sein Vorschlag:
       Ein altes Sägewerk in Bahnhofsnähe zum „IBA-Hub“ zu machen.
       
       „Der Schwerpunkt unserer Stadtpolitik heißt Revitalisierung, Umnutzung und
       gemeinwohlorientierte Entwicklung“, erklärt Beckendorf den Abgeordneten und
       Stadtentwicklungssenator Christian Gaebler (SPD) im Ausschuss. Wegen der
       Bevölkerungsverluste in der Vergangenheit habe Wiesenburg viele solcher
       „Transformationsorte“ wie das Sägewerk. Sie alle sollen in Zusammenarbeit
       mit Vereinen, Initiativen und Genossenschaften neu genutzt werden. „Wir
       würden uns wünschen, dass ihr offen seid und auch ein paar Genossenschaften
       aus Berlin den Weg zu uns finden“, schloss Beckendorf duzend seinen
       Vortrag.
       
       Wiesenburg will also neue Wege gehen, doch will das auch die neue IBA, die
       von 2034 bis 2037 ihre Projekte präsentieren soll? Die Erweiterung auf
       Brandenburg jedenfalls ist in der [2][Vorlage, die der schwarz-rote Senat
       Ende März beschlossen hat], nicht vorgesehen. Wohl auch deshalb, weil sich
       die rot-schwarze Landesregierung in Potsdam bislang eher zurückhaltend
       gezeigt hat – auch, was die Finanzierung angeht.
       
       Für Senator Gaebler war es daher naheliegend, die räumliche Kulisse einer
       neuen Bauausstellung auf den Berliner S-Bahn-Ring und die Schnittstelle
       zwischen Innenstadt und Stadtrand zu richten. Auch seinen thematischen
       Schwerpunkt, die „urbane Transformation der gebauten Stadt“, hat Gaebler am
       Montag noch einmal vorgestellt.
       
       ## Kritik von der Linken
       
       Kritik daran kam von der Linkspartei. „Die Gebietskulisse verstehe ich
       nicht“, sagte deren stadtentwicklungspolitischer Sprecher Michael Efler.
       Efler sieht „die Gefahr von Prestigeprojekten, bei denen es eher um
       Profitinteressen als um das Gemeinwohl geht“.
       
       Das Senatskonzept, meinte Efler, enthalte zwar einige richtige Punkte wie
       den Umbau von Bestandsgebäuden. „Aber dieses Konzept ist noch keine
       Grundlage für uns, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen“, sagte Efler.
       „Der Senat hält sich alles offen.“
       
       Konkret schlägt die Linkspartei etwa vor, auch das SEZ als IBA-Projekt
       auszuwählen. Das Sport- und Erholungszentrum, das der Senat abreißen
       möchte, verdiene es, umgebaut zu werden, so Efler.
       
       „Ich gehe davon aus, dass wir eine Umbau-IBA machen“, meinte auch der
       Grünen-Abgeordnete Andreas Otto. „Wir erwarten von der IBA, dass sie Themen
       wie Kreislaufwirtschaft, Klimaschutz und einen schonenden Umgang mit
       Ressourcen stärkt.“ Vor allem aber sei es wichtig, dass Berlin solche
       Themen nicht alleine angeht. „Die IBA sollte in der gesamten
       Metropolenregion stattfinden“, forderte Otto.
       
       Damit war der Blick über den Berliner Tellerrand auch von der Opposition
       gesetzt. Und nicht nur dort. Sehr konkret wurde in der Anhörung der
       Vorsitzende des Architekten- und Ingenieurvereins Berlin-Brandenburg,
       Sebastian Wagner. Er schlug vor, das Ringkonzept des Senats um einen
       Brandenburger Städtering zu erweitern.
       
       „Brandenburg ist der Raum der Zukunft“, sagte, sehr zur Freude des
       Wiesenburger Bürgermeisters, Sebastian Wagner. „Deshalb ist es wichtig,
       dass Berlin als eine Stadt mit wenig Raum, eine Erweiterung der IBA auf
       Brandenburg auch als Chance sieht.“
       
       Derartige Hoffnungen aber dämpfte der Senat. „Die IBA soll kein
       Mischwarenladen sein, wo jeder um die Ecke kommt“, sagte
       Stadtentwicklungssenator Gaebler. „Deshalb haben wir einen Rahmen gesetzt.“
       Auch dem SEZ als möglichem IBA-Projekt erteilte Gaebler eine Absage.
       
       Immerhin versprach der Senator, keine voreilige Besetzung eines
       kuratorischen Geschäftsführers zu planen. Dies solle eine
       Findungskommission leisten, die demnächst eingesetzt werde. Als erster
       öffentlichen Auftritt ist eine IBA-Auftaktausstellung geplant, die am 30.
       Juni in der [3][Alten Feuerwache am Flughafen Tempelhof] eröffnet werden
       soll.
       
       Wie sehr Brandenburg frischen Wind in die IBA-Diskussion in Berlin bringen
       kann, zeigte am Ende noch einmal Wiesenburgs Bürgermeister. „Wir spielen
       mit dem Understatement“, sagte er und ließ dabei keinen Zweifel daran, mit
       diesem Augenzwinkern als Underdog erfolgreich sein zu wollen. „Wir wollen
       der FC Union der IBA werden.“
       
       8 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.tagesspiegel.de/potsdam/potsdam-mittelmark/wiesenburgmark-hat-gewahlt-marco-beckendorf-bleibt-burgermeister-8634601.html
 (DIR) [2] /Internationale-Bauausstellung-in-Berlin/!6165377
 (DIR) [3] https://www.thf-berlin.de/aktuelles/neuigkeiten/detail/modellprojekt-am-flughafen-tempelhof-die-alte-feuerwache-wird-belebt
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Uwe Rada
       
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