# taz.de -- Fair Play in der Bundesliga: Fehltritte der Selbstvergewisserung
       
       > Ein zertretener Elfmeterpunkt löst eine große Debatte aus. So kann man
       > sich um die wirklich wichtigen Fragen von Fairness bestens drücken.
       
 (IMG) Bild: Erster Fehlschuss von Harry Kane vom dieses Mal zertretenen Elfmeterpunkt in der Bundesliga
       
       Wie viel Unfairness darf denn bitte im Spiel sein in der
       Fußball-Bundesliga? Derart große Fragen werden im deutschen Fußball ungern
       grundsätzlich diskutiert.
       
       Umso dankbarer werden die Lenker der Liga dem Wolfsburger Profi Jeanuël
       Belocian für diesen kleinen, kurzen Moment sein, in dem er den
       Elfmeterpunkt mit seinen Stollen zu einer Stolperfalle umpflügte. Bayerns
       größter Elfmeterexperte Harry Kane tappte hinein und verpatzte zum ersten
       Mal in einer Ligapartie einen Strafstoß. Es war der Aufreger des Spieltags.
       Die Liga braucht ab und an gerade solche banalen fiesen Fehltritte, um sich
       allseits vergewissern und verständigen zu können, was gut und böse ist. So
       kann man den hehren Fairnessgedanken umso demonstrativer vor sich
       hertragen.
       
       Mit etwas Abstand hätte dieser Spieltag genug Anlass für andere und größere
       Fairnessdebatten geboten. Dass etwa die Wolfsburger bei Anpfiff schon um
       die Niederlage des direkten Konkurrenten St. Pauli wussten, wäre früher,
       als alle Partien am vorletzten Spieltag zeitgleich angepfiffen werden
       mussten, nicht möglich gewesen. Doch die Mehreinnahmen [1][von TV-Geldern]
       durch Einzelvermarktung wiegen mittlerweile mehr als der Fairness-Gedanke.
       
       Im Sinne des Ideals eines fairen Wettbewerbs ist es auch eher nicht, dass
       Audi, die Tochter des VW-Konzerns und [2][des Eigners des VfL Wolfsburg],
       wiederum Anteilseigner beim FC Bayern München ist. Dank des Auswärtserfolgs
       der Gäste konnte diese Debatte noch einmal kleingehalten werden.
       
       ## Fair-Play-Medaille für Kompany?
       
       Und freilich könnte man ketzerisch fragen, ob das unfaire Verhalten von
       Belocian nicht dazu diente, eine andere riesige Fairnesslücke zu
       verkleinern. [3][Wird der FC Bayern] nicht völlig unverhältnismäßig von dem
       neoliberalen Fußballsystem begünstigt?
       
       Aber selbst, wenn man nur auf diese kleine Szene blickt, ist die Frage nach
       Fairness und Unfairness nicht so leichtfertig rein moralisch zu
       beantworten. Vincent Kompany, der Trainer des FC Bayern, gab zu bedenken,
       was der Wolfsburger Spieler denn machen solle. „Einfach absteigen, ohne
       alles zu versuchen? Das geht nicht.“
       
       Für diesen Gedanken gehört Kompany möglicherweise die jährlich vergebene
       Fair Play-Medaille des DFB verliehen. Denn anhand der Vergabe dieser
       Plakette in den letzten Jahren lässt sich ganz gut ausmachen, wie schwer
       man sich tut, im Profigeschäft Fairness aufzuspüren.
       
       Nick Woltemade wurde vergangene Saison dafür ausgezeichnet, dass er nach
       dem DFB-Pokalsieg erst die Bielefelder tröstete, bevor er feierte. Voll
       krass! Das Maximum an Fairness! Mehr hatte kein anderer zu bieten.
       
       10 May 2026
       
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