# taz.de -- +++ Nachrichten im Iran-Krieg +++: Trump erwägt wohl neue Angriffe auf Iran
> Während der US-Präsident laut Berichten wieder Militärschläge gegen den
> Iran erwägt, demonstriert das Mullah-Regime Stärke. Die
> Propaganda-Maschinerie dort läuft auf Hochtouren.
(IMG) Bild: Ein zentraler Streitpunkt im Krieg zwischen den USA und Iran: die Straße von Hormus als wichtige Handelsroute
afp/ap | Ungeachtet der intensiven diplomatischen Bemühungen um ein Ende
des Irankriegs erwägt US-Präsident Donald Trump Medienberichten zufolge
neue Angriffe auf die Islamische Republik. Der US-Sender CBS und das
Nachrichtenportal Axios berichteten am Freitag, die USA würden sich auf
eine mögliche Wiederaufnahme der Militärangriffe vorbereiten. Derweil traf
Pakistans Armeechef Asim Munir für Vermittlungsgespräche in Teheran ein.
Axios berichtete unter Berufung auf zwei US-Regierungsvertreter, Trump habe
am Freitagmorgen eine Sitzung mit seinen engsten Sicherheitsberatern
abgehalten. Der Präsident sei zunehmend „frustriert“ über die Verhandlungen
mit Teheran – und tendiere inzwischen eher zu neuen Angriffen als zu einer
Fortsetzung der Diplomatie.
CBS berichtete unter Berufung auf anonyme Quellen, US-Militär- und
Geheimdienstvertreter hätten ihre Reisepläne für das lange Wochenende
angesichts möglicher Angriffe gestrichen. CBS wie auch Axios berichteten
aber auch, eine Entscheidung für eine Wiederaufnahme der Kampfhandlungen
sei noch nicht getroffen worden.
Trump selbst hatte am Freitag auf seiner Onlineplattform Truth Social
erklärt, er könne wegen „Umständen“ nicht an der bevorstehenden Hochzeit
seines ältesten Sohnes Donald Trump Jr. teilnehmen. „Ich halte es für
wichtig, während dieser wichtigen Zeit in Washington DC, im Weißen Haus, zu
bleiben.“ Nähere Angaben zu den von ihm genannten Umständen machte der
US-Präsident nicht.
## Zentrale Streitpunkte: das Atomprogramm und die Straße von Hormus
Das Weiße Haus gab bekannt, dass Trump anders als ursprünglich geplant das
Wochenende nicht in seinem Golfclub im Bundesstaat New Jersey verbringen,
sondern in der Hauptstadt Washington bleiben werde. Nach einem Besuch im
Bundesstaat New York nahm Trump keine Fragen mitreisender Journalisten
entgegen.
Die USA und Israel hatten Ende Februar den Irankrieg mit Angriffen auf die
Islamische Republik begonnen. Als Reaktion griff Teheran Ziele in Israel
und in der Golfregion an und blockierte weitgehend die für den Welthandel
[1][bedeutende Straße von Hormus] vor seiner Küste. Seit Anfang April gilt
im Irankrieg eine fragile Waffenruhe.
Die Gespräche über eine dauerhafte Friedenslösung gestalten sich aber
schwierig. Zentrale Streitpunkte sind die Straße von Hormus und das
iranische Atomprogramm. Trump hat wiederholt bekräftigt, Iran dürfe niemals
in den Besitz einer Atombombe gelangen. Teheran beteuert, keine Atomwaffen
anzustreben und Uran nur zu zivilen Zwecken anzureichern.
Derzeit prüft der Iran einen US-Vorschlag für eine Friedenslösung. Bei den
Vermittlungsbemühungen wurde Pakistans Armeechef Munir am Freitag in
Teheran unter anderem vom iranischen Innenminister Eskandar Momeni
empfangen.
Der iranische Außenamtssprecher Esmaeil Bakaei dämpfte jedoch die
Erwartungen. Der Besuch bedeute nicht zwangsläufig, dass „wir einen
Wendepunkt oder eine entscheidende Situation erreicht hätten“. [2][Die
Meinungsverschiedenheiten zwischen Iran und den USA] seien „tiefgreifend
und weitreichend“, zitierte ihn die iranische Nachrichtenagentur Isna.
## Fortschritte aber keine Einigung
Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi beteuerte, sein Land fühle
sich der Diplomatie verpflichtet – trotz des „wiederholten Verrats an der
Diplomatie“ durch die USA und der „militärischen Aggression gegen Iran“.
Trotz des Misstrauens gegenüber Washington sei Teheran mit einer
„verantwortungsvollen Herangehensweise“ und „aller Ernsthaftigkeit“ in die
Gespräche gegangen, sagte Araghtschi laut der iranischen Nachrichtenagentur
Tasnim.
US-Außenminister Marco Rubio wiederum sagte am Rande eines Nato-Treffens in
Schweden, es gebe zwar „Fortschritte“, aber noch keine Einigung. „Wir haben
es mit einer sehr schwierigen Gruppe von Leuten zu tun. Und für den Fall,
dass sich nichts ändert, hat der Präsident (Trump) klargestellt, dass er
andere Optionen hat.“
## Propaganda in Iran
Seit Beginn des Krieges sind Waffen in den Straßen von Teheran
allgegenwärtig. Regelmäßig führen Mitglieder der iranischen
Revolutionsgarde an öffentlichen Orten vor, wie mit Sturmgewehren umzugehen
ist. Bei Paraden durch die Stadt werden mit Maschinengewehren bestückte
Militärfahrzeuge gezeigt. Während einer Massentrauung stand auf der Bühne
eine ballistische Rakete von der Art, die zuletzt Streumunition auf Israel
herabregnen ließen.
US-Präsident Donald Trump hat immer wieder gedroht, dass er Iran erneut
angreifen lassen könnte, falls sich das Land nicht auf einen „Deal“ nach
seinen Vorstellungen einlassen sollte. Mit der zunehmenden Zurschaustellung
von Waffen scheint die Führung in Teheran deutlich machen zu wollen, dass
sie sich von den Drohungen nicht einschüchtern lasse. Dies dürfte aber als
Signal nicht nur in Richtung Washington, sondern auch in Richtung der
eigenen Bevölkerung gedacht sein.
## Bedrohung ist durchaus real
Nach den heftigen israelisch-amerikanischen Luftangriffen ab Ende Februar
hat Trump zuletzt angedeutet, dass US-Truppen die iranischen Vorräte an
hoch angereichertem Uran gewaltsam in Beschlag nehmen könnten. Schon vor
längerer Zeit hatte er gesagt, dass die USA kurdische Kämpfer mit Waffen
versorgt hätten und dass diese innerhalb Irans an Regierungsgegner
weitergeleitet werden könnten. Die Gefahr, dass es auf iranischem Boden zu
bewaffneten Auseinandersetzungen kommen könnte, ist also durchaus real.
„Es ist notwendig, dass unser gesamtes Volk ausgebildet wird, denn wir
befinden uns in diesen Tagen in einer Kriegssituation“, sagt Ali Mofidi,
ein 47-jähriger Bewohner der Hauptstadt während eines Waffentrainings an
einem Dienstagabend. „Falls erforderlich, sollte jeder zur Verfügung stehen
und wissen, wie man eine Waffe benutzt.
Trotz der realen Gefahren dienen die Waffenpräsentationen ganz wesentlich
auch der Propaganda. Die Hardliner bestärken sich damit selbst. Für viele
andere Menschen in Iran sind sie nicht zuletzt eine Art von Unterhaltung
inmitten einer äußerst angespannten und schwierigen Phase, die von
Massenentlassungen, Unternehmensschließungen und steil ansteigenden Preisen
für Nahrung, Medikamente und andere lebenswichtige Güter geprägt ist.
Die Tatsache, dass nun noch mehr Hardliner als zuvor über Waffen verfügen,
könnte der iranischen Regierung zudem als Mittel zur Verhinderung einer
neuen Protestbewegung dienen. Im Januar war die Führung mit brutaler Gewalt
gegen Demonstranten vorgegangen – laut Angaben von Aktivisten wurden dabei
mehr als 7.000 Menschen getötet und Zehntausende ins Gefängnis gesteckt.
## Aufruf sogar an Zwölfjährige
Die iranische Bevölkerung wird im Staatsfernsehen und über Textnachrichten
von Behörden seit Monaten penetrant dazu aufgerufen, sich einer Bewegung
namens „Dschanfada“ oder „Denen, die ihr Leben opfern“ anzuschließen.
Einmal wandten sich Hardliner sogar an Familien und legten ihnen nahe,
Jungen ab einem Alter von zwölf Jahren zu der Revolutionsgarde zu schicken,
damit sie für die Elitestreitmacht an Kontrollposten arbeiten könnten – ein
Vorstoß, den die Menschenrechtsorganisation Amnesty International als
Kriegsverbrechen verurteilte.
Laut Darstellung der Führung in Teheran haben sich in Iran, der insgesamt
etwa 90 Millionen Einwohner hat, inzwischen mehr als 30 Millionen Menschen
über ein Online-Formular oder bei öffentlichen Versammlungen freiwillig
bereit erklärt, für die Verteidigung der Theokratie des Landes ihr Leben zu
geben. Es gibt allerdings keine Möglichkeit, die Korrektheit dieser Zahl
unabhängig zu überprüfen.
Bislang gibt es in Iran keine Anzeichen für eine Massenmobilisierung, die
vergleichbar mit der in der Ukraine in den Tagen vor Beginn der russischen
Invasion im Jahr 2022 wäre. Mit öffentlichen Bekanntmachungen und über das
Staatsfernsehen wird aber intensiv versucht, die [3][Stimmung in der
Bevölkerung] zu schüren.
„Wenn ich an den Moment zurückdenke, in dem ich meinen Namen eingetragen
habe, wird mir klar, dass ich nicht wirklich die mit dem Kämpfen an der
Front verbundenen Gefahren in Betracht gezogen habe. In dem Moment galten
meine Gedanken, wie die von allen, einzig dem Iran“, schrieb der Journalist
Soheila Sarfam in einer Kolumne in der von der Regierung kontrollierten
Zeitung Tehran Times. „Mein Leben könnte enden, aber Iran würde weiter
bestehen – und das war alles, was wirklich zählte.“
Die iranische Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi hat die öffentlichen
Waffenpräsentationen und insbesondere die Bilder von minderjährigen Jungen
mit Sturmgewehren mit deutlichen Worten kritisiert. „Solche Szenen erinnern
an die Entführung und Bewaffnung von Kindern durch Gruppen wie Boko Haram
in Nigeria oder durch Milizen im Sudan und im Kongo“, sagte die Aktivistin.
## Training oft nur äußerst rudimentär
Bei dem Waffentraining in Teheran am Dienstagabend wurden zunächst
männliche und weibliche Teilnehmer in zwei Gruppen aufgeteilt. Hadi
Chooscheh, ein Mitglied der Basidsch-Miliz, die sich aus Freiwilligen
rekrutiert, aber Teil der Revolutionsgarde ist, gab dann eine Einführung in
den Umgang mit einem Sturmgewehr. „Am Ende des Trainings erhalten die
Kursteilnehmer eine Karte mit dem Titel ‚Dschanfada‘, die ihnen
bescheinigt, dass sie eine grundlegende, vorbereitende Ausbildung an dieser
Art von Waffe bekommen haben und dass sie in der Lage sind, sie zu
benutzen“, sagt er.
Das Training für die überwiegend sehr jungen oder schon älteren Männer war
allerdings nur äußerst rudimentär. Ein Kursteilnehmer hatte Probleme damit,
ein Magazin in eine Waffe einzuführen und richtete den Lauf dabei
versehentlich auf andere Anwesende – ein schwerer Sicherheitsverstoß, der
normalerweise in einer Grundausbildung nicht geduldet würde.
Der Kursteilnehmer Mofidi gibt sich angesichts der Bedrohung seines Landes
durch die USA aber betont kämpferisch. „Wir werden uns definitiv zur Wehr
setzen und keinen Zentimeter unseres Bodens aufgeben“, sagt er. „Egal, ob
sie vom Meer oder über Land kommen – wir werden hinter unserer Flagge
stehen.“
23 May 2026
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