# taz.de -- Norddeutsch-dänische Strompreiszone: Am Ende siegt die Physik
> Schleswig-Holstein und Hamburg wollen sich vom deutschen Strommarkt lösen
> und mit Dänemark zusammentun. Die Idee ist gut, müsste aber ausgeweitet
> werden.
(IMG) Bild: Windkraftanlagen bei Heide in Schleswig-Holstein
Ein interessantes Gedankenspiel: Schleswig-Holstein und eventuell auch
Hamburg [1][lösen sich aus dem einheitlichen deutschen Strommarkt heraus]
und bilden zusammen mit Westdänemark eine gemeinsame Preiszone.
Schon lange sucht der windreiche Norden nach Wegen, um von seinem reichlich
vorhandenen Windstrom auch preislich stärker zu profitieren. Heute trifft
ein hohes Angebot im Norden allzu oft auf hohe Nachfrage in der Mitte und
im Süden.
Beim herrschenden bundeseinheitlichen Börsenpreis des Stroms, der sich in
jeder Viertelstunde aufs Neue aus Angebot und Nachfrage ergibt, bleibt der
Preisvorteil für den Norden damit gering. Würde man hingegen regionale
Preiszonen schaffen, würden stets zuerst jene Landesteile profitieren, die
über viel eigene Erzeugung verfügen. Somit verfolgt Schleswig-Holstein mit
seinem Vorschlag ein legitimes Eigeninteresse. Genau, wie die
Südbundesländer, die ihn ablehnen – Baden-Württemberg und Bayern.
Gleichwohl sollten derartige Regionalinteressen nicht entscheidend sein,
wenn es um den Zuschnitt des deutschen Strommarkts geht. Viel wichtiger
ist, dass der Vorstoß aus dem hohen Norden auch dem Gesamtsystem
zugutekäme. Denn seit im Norden immer mehr Strom erzeugt wird, der die
großen Verbrauchszentren aufgrund von Netzengpässen nicht erreicht,
provoziert das aktuelle Marktsystem unnötige Kosten.
Anschaulich gesagt sind die Strommärkte so angelegt, als sei Deutschland
eine Kupferplatte – als könne jeder Erzeuger seinen Strom jederzeit an
jeden beliebigen Verbraucher liefern. Entsprechend wird der Strom an der
Börse gehandelt. Wenn er dann geliefert werden soll, die Leitungen das aber
gar nicht bewerkstelligen können, müssen die Übertragungsnetzbetreiber das
aufwendig ausbügeln.
Es siegt am Ende eben immer die Physik. Weil die Schieflage zwischen der
Organisation des deutschen Strommarkts und der Physik längst auch die
Nachbarländer umtreibt, gibt es auch auf europäischer Ebene Pläne, die
deutsche Gebotszone zu teilen.
Diese Debatte wird nun durch den Vorstoß aus Schleswig-Holstein neu
entfacht. Das ist zu begrüßen – gleichwohl sollte man nicht den Fehler
begehen, das Ansinnen separat zu betrachten; alleine die Tatsache, dass ein
Land aufgrund seiner Partikularinteressen einen Sonderweg gehen möchte,
rechtfertigt einen so umständlichen Eingriff in die europäische
Strommarktarchitektur nicht. Deswegen sollte der Vorschlag aus dem hohen
Norden jetzt zur Initialzündung werden für eine grundsätzliche Neuordnung
des deutschen Strommarkts. Idealerweise mit mehreren Preiszonen.
11 Jun 2026
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