# taz.de -- Kneipengespräch über Politikergehälter: Bedingungsloses Life für alle
> Warum verdienen Abgeordnete 12.000 Euro im Monat, wenn das Leben für alle
> eine fucking 24-Stunden-Challenge ist? Unsere Kolumnistin hat zugehört.
(IMG) Bild: Austern und Champagner gehen ganz schön an den Geldbeutel: Verdienen Abgeordnete deshalb so viel?
„Warum [1][verdienen Politiker so viel]?“, fragt die Freundin und klemmt
sich einen Euro vors Auge.
„Jens Spahn sagte, es müsse attraktiv sein, sich zu engagieren“, sagt die
andere und nippt am Bier.
„Reicht nicht die Aussicht, Einfluss auf Krieg, Frieden, Gerechtigkeit und
Recht zu haben?“
„Nee, ich glaub’, im Job-Panorama ist für viele schon auch der
außerordentliche Lifestyle integriert.“
## Knapp 12.000 Euro im Monat
„Normal, die Diäten sind so fett, da mäandert das politische Engagement
zwischen Verve und Veuve.“
„Also Politikmachen weitgehend frei von Idealismus? Einfach wegen der
enormen Knete?“ „Das würd so einiges an lahmer Performance erklären.“
„Was kriegen die denn?“, fragt ein Mädchen vom Nebentisch. „Alle
Abgeordneten knapp 12.000 Euro im Monat.“
„What the Fuck!“, ruft das Mädchen.
„Clara-Joy!“, ruft die Mutter, „das sagen wir doch nicht mehr!“
„Wofür kriegen die denn so viel Geld?“ „Na, Berlin inklusive Pipapo ist
teuer“, sagt ein Mann. „Und du musst mit Rechten reden“, sagt die Freundin.
„Aber die kriegen das ja dann auch alle, oder?“ „Ja, Clara-Joy, es ist
verfickt nochmal, wie es ist.“
„Ich hasse alles daran!“ „Hassen wollten wir auch nicht mehr“, sagt der
Vater.
## Wie soll man das verstehen?
„Aber was soll ich denn tun, das feiern oder sogar verstehen? Sagt mir mal
einen guten Grund, Mama oder Papa, warum die da so viel Geld kriegen. Die
geben doch nur Interviews, sitzen in Sälen rum, werden in Palästen zum
Essen eingeladen und müssen ab und zu was unterschreiben.“
„Wegen der Todesdrohungen!“, sagt der Mann, „da muss man ja heutzutage
schon von Haus aus 'ne Ladung Resilienz mitbringen.“
„Aber Todesdrohungen kriegt doch heute jedes Kind!“, sagt Clara-Joy.„Hast
du schonmal eine Todesdrohung gekriegt?“, fragt die Mutter entsetzt.
„Ich nicht, aber Luca und Pierre aus meiner Klasse, und Louisa so 'ne
halbe.“ „Was ist ’ne halbe Todesdrohung?“ „Mit Ultimatum.“ „Wie? Das ist
bei euch voll normal?!“, fragt die Freundin. „Nee, aber jetzt auch nicht
voll unnormal.“
„Dann bekommen die eben so viel Geld wegen der ganzen Verantwortung für
andere Menschen“, sagt [2][der Mann].
„Jede und jeder müsste so viel bekommen, würd sagen die 12.000 Euro sollten
vom Ding her bedingungsloses Grundeinkommen sein“, sagt eine Frau.
„Genau! Schon geboren worden zu sein und jeden Tag zu leben, ohne
auszuflippen und niemandem an die Gurgel zu gehen, immer freundlich
bleiben, egal was, ist einfach so ein harter Fulltimejob!“, sagt die
Kellnerin. „Stimmt, niemand hat darum gebeten, geboren zu werden, alle
tragen Verantwortung für sich und alle!“, sagt die Freundin.
„Das Leben ist eine fucking 24-Stunden-Challenge, auch, dass du da so lang
mitmachst, wie es eben dauert, egal ob das mit der Happiness auch nur
halbwegs hinhaut, und selbst [3][wenn man als Wal einfach mal so sterben
will], wird man für viel rausgeschmissenes Geld ewig und drei Tage daran
gehindert“, sagt die Kellnerin.
„Warum hat man das Geld nicht besser ganz vielen armen Menschen gegeben?“,
fragt Clara-Joy.
„Es ist nicht immer alles logisch, was Menschen tun und das hat auch seine
Berechtigung, und jetzt chill mal“, sagt ihr Vater, ohne vom Telefon
aufzublicken.
„Politiker machen einfach lausige Politik, wenn sie zu viel Geld haben, im
Schnitt unter aller Kanone!“, sagt der Mann. „Je reicher, desto Trump!“,
ruft ein junger Typ.
„Was ist zu viel Geld?“, fragt Clara-Joy. „Wenn du mehr hast, als du
brauchst!“, sagt die Freundin.
„Und woher weiß ich, wie viel ich brauche?“
„Na, so viel, dass du zu essen und zu trinken hast, ein Dach über dem Kopf
und dass du auch mal was unternehmen kannst“, sagt die Kellnerin.
„Und warum haben wir dann mehr als ein Dach, Mama und Papa?“
„Weil Mama und Papa eben genug Geld verdienen.“
„Wie viel denn?“ „Clara-Joy, jetzt ist aber mal gut, über Geld spricht man
nicht.“
23 May 2026
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