# taz.de -- Russland und China: Von China lernen …
> Bewohner*innen einer Ortschaft in Sibirien nutzen den Besuch von
> Wladimir Putin in Peking, um um Geld für die Finanzierung einer Schule zu
> bitten.
(IMG) Bild: Einwohner:innen von Berezovyy nehmen eine Videobotschaft auf
Die Menschen in Berezovyy haben offensichtlich den Kanal voll und das schon
lange. 45.000 Einwohner*innen hat die Ortschaft. Sie gehört zum Gebiet
Irkutsk, das sich im asiatischen Teil Russlands befindet. Es gibt rund
2.000 Kinder und Jugendliche im schulpflichtigen Alter, eine Schule
hingegen gibt es nicht.
Daher muss sich der wissbegierige Nachwuchs in zwei Nachbargemeinden
begeben, um in den Genuss von Unterricht zu kommen. Das kann, je nach
Fortbewegungsmittel und möglicher Staulage, morgens und nachmittags jeweils
bis zu 40 Minuten in eine Richtung dauern, je nach dem Zustand der Straßen
auch mal länger. Hinzu kommt, dass die dortigen Schulen insgesamt nur 2.500
Plätze haben und aus allen Nähten platzen.
Um auf diesen Notstand aufmerksam zu machen und sich endlich Gehör zu
verschaffen, verfielen einige Einwohner*innen von Berezovyy auf eine
ungewöhnliche Idee. Wohl wissend, [1][dass ihr weiser Leader in dieser
Woche in Chinas Hauptstadt Peking seine Aufwartung machen würde], richteten
sie [2][eine Videobotschaft an Wladimir Putin], die in den sozialen Medien
verbreitet wurde.
Und diese (Liebes)-Grüße nach Moskau haben es in sich. So erfahren die
geneigten Zuschauer*innen, dass das Problem den Behörden schon lange
bekannt ist. Eigentlich sollte die Schule in Berezovyy schon 2021 fertig
sein. Der Bau begann jedoch erst 2025, derzeit passiert rein gar nichts,
angeblich fehlt für die Fertigstellung des Gebäudes das Geld. Die
Verantwortlichen stellen jetzt eine Inbetriebnahme für das kommende Jahr in
Aussicht.
## Mit Ausreden abgespeist
Und überhaupt: Immer wieder werden diejenigen, die sich beschweren, mit
Ausreden abgespeist oder sie erhalten nicht einmal eine Antwort. Die Novaya
Gazeta Europe zitiert eine Frau namens Irina Osipowa aus Berezovyy. Ihren
Angaben zufolge versuche eine Bürgerinitiative bereits seit mehreren
Jahren, den Bau einer Schule durchzusetzen. Sie schicke regelmäßig Aufrufe
an die Behörden in Moskau.
Das größte Projekt sei gewesen, bei der jährlichen Sendung von Wladimir
Putin „Direkte Leitung“ im Dezember 2025 dabei zu sein. Handverlesene
Bürger*innen dürfen hier ihre Probleme schildern und entsprechende
Fragen stellen. Doch auch dieser Versuch sei gescheitert. Der Hilferuf aus
Berezovyy sei nicht verlesen worden, während der Sendung per SMS oder
Telefon durchzukommen, sei ebenfalls unmöglich gewesen.
Übrigens: Auch an Kindergartenplätzen mangelt es in Berezovyy. „Wie die
Regierung angesichts dieser Bedingungen die Geburtenrate erhöhen will, ist
für uns, ehrlich gesagt, ein großes Rätsel“, sagt eine Frau in der
Videobotschaft. Darin wird Außenminister Sergei Lawrow gebeten, sich direkt
an Chinas Machthaber Xi Jinping zu wenden – mit der Bitte, eine Schule in
Berezovyy zu bauen.
„Wir sind bereit, mit dem Chinesischlernen zu beginnen, da wir davon
überzeugt sind, dass dies für uns von wahrhaft wesentlicher Bedeutung ist.
Der aktive Ausbau der kulturellen Beziehungen zu China stellt für uns den
einzig gangbaren Weg in die Zukunft dar – insbesondere angesichts der
Tatsache, dass die Prioritäten unseres Landes derzeit der Bau neuer
U-Bahn-Stationen in Moskau und neuer Schulen in Tadschikistan sind.“
## Keine Illusionen
Illusionen, China werde sich tatsächlich um die Finanzierung des Baus einer
Schule kümmern, machen sich die Initiatoren der Videobotschaft jedoch
nicht. Schließlich sei es darum gegangen, auch ein wenig zu provozieren,
zitiert die Novaya Gazeta Europe eine Anna. Die Idee, China einzubeziehen,
sei kein Zufall gewesen. [3][Vielmehr hätten sich die Bewohner*innen
gezielt der offiziellen Rhetorik der russischen Behörden über die
Partnerschaft und Zusammenarbeit mit China bedient].
„Wir wissen ganz genau, dass Xi Jinping sich einen Dreck um uns schert.
Wenn sich schon unser eigenes Land einen Deut um uns schert, dann doch er
erst recht. Hätten wir uns direkt an Xi Jinping wenden wollen, hätten wir
auf Chinesisch geschrieben.“
20 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Vor-Putins-Besuch-bei-Xi/!6179549
(DIR) [2] https://youtu.be/8xlk06LfpTo?si=ei0gcjjio-fTN8Q3
(DIR) [3] /Putin-in-Peking/!6180563
## AUTOREN
(DIR) Barbara Oertel
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