# taz.de -- Putin in China: Ziemlich böse Freunde
> Chinas Präsident Xi und sein russischer Amtskollege Putin zelebrieren
> beim Gipfel in Peking ihre Freundschaft. Auch hier diktiert zunehmend
> Peking die Bedingungen.
(IMG) Bild: Die Autokraten haben alles im Griff: Handshake zwischen Xi und Putin beim Gipfel in Peking
Als Beobachter musste man sich die Augen reiben, zu sehr mutete der Empfang
wie ein Flashback an: [1][Wo vor wenigen Tagen noch Donald Trumps „Air
Force One“ landete], stieg nun Wladimir Putin aus seiner
Iljuschin-Maschine. Beide Staatschefs wurden von fahnenschwingenden
Studenten begrüßt, unter den wachsamen Augen chinesischer Soldaten. Nur
stand für den russischen Präsidenten nun nicht Vizepremier Han Zheng am
Flughafen bereit, sondern Wang Yi, Außenminister und rechte Hand von
Staatschef Xi Jinping.
Chinas diplomatischer Aufstieg ist beeindruckend. In Peking geben sich
derzeit die Großmächte die Klinke in die Hand. Nun empfing Xi Jinping
seinen „alten Freund“ Putin vor der Großen Halle des Volkes. Die beiden
haben sich bereits mehr als 40 Mal getroffen. China ist für Russland seit
16 Jahren der wichtigste Handelspartner.
Entsprechend herzlich fielen die ersten Stellungnahmen aus. Wladimir Putin
pries die bilateralen Beziehungen. Sie hätten ein „beispiellos hohes
Niveau“ erreicht und seien der „wichtigste stabilisierende Faktor auf der
internationalen Bühne“. Xi Jinping äußerte sich nüchterner. Angesichts
einer von Unruhe geprägten internationalen Lage müssten China und Russland
ihre umfassende strategische Zusammenarbeit vorantreiben.
Die zentrale Botschaft, die China in die Weltöffentlichkeit hinausposaunen
möchte, hatte nur indirekt mit Russland zu tun: Peking, so das Narrativ der
chinesischen Staatsmedien, ist das neue Zentrum der internationalen
Diplomatie. Die aufstrebende Weltmacht will das Vakuum auf der globalen
Bühne füllen, das die USA unter Donald Trump hinterlassen haben.
## Putins Angriffskrieg spielt keine Rolle
Aus europäischer Sicht gibt es jedoch wenig Hoffnung, dass Chinas Führung
ihre Macht nutzen könnte, um Russland zum Ende des Ukrainekriegs zu
drängen. Xi sagte zwar, ein umfassender Waffenstillstand und Verhandlungen
seien dringend notwendig. Er bezog sich dabei aber auf den Nahostkonflikt.
[2][Putins Invasion in der Ukraine] hat die chinesische Staatsführung
bislang nicht öffentlich kritisiert, sondern lediglich auf Russlands
„legitime Sicherheitsinteressen“ verwiesen. Gleichzeitig unterstützt Peking
die russische Kriegsindustrie, indem man das Land mit sogenannten „Dual
use“-Gütern versorgt.
Diese indirekte Unterstützung beruht nicht auf ideologischer Überzeugung,
sondern auf pragmatischem Kalkül. Xi Jinping will den politischen Westen
schwächen und die Ressourcen des Erzrivalen Washington binden. Insofern ist
der Krieg in der Ukraine für Chinas Führung nützlich, auch wenn man diesen
Konflikt weder angezettelt noch ursprünglich gewollt hatte.
„Ich denke, aus westlicher Sicht ist diese Art von guter Beziehung wirklich
unangenehm. Aber versetzen Sie sich einmal in die Lage Chinas und Russlands
– dann erscheint das völlig selbstverständlich“, sagt Zhou Bo,
pensionierter General der Volksbefreiungsarmee, im chinesischen
Staatsfernsehen: „Das sind schließlich die größten Nachbarn der Welt“.
## Chinesisch-russische Gaspipeline
Zhou Bos Worte sind erstaunlich offen und nuanciert, doch man sollte sie
keineswegs als authentisch missverstehen. Der chinesische Militärvertreter
sagte sie schließlich im englischsprachigen Sender CGTN, das sich an ein
internationales Publikum richtet. Insbesondere gegenüber dem Westen, aber
auch im Globalen Süden möchte China als neutrale Friedensmacht erscheinen.
Möglicherweise wächst jedoch auch im Inneren der Unmut über Putins
anhaltenden Krieg. Ein Bericht der Financial Times hatte zu Beginn der
Woche für erhebliche Unruhe gesorgt. Demnach soll Xi gegenüber Trump
während ihrer „offenen“ Gespräche in Peking gesagt haben, Wladimir Putin
würde seine Invasion in der Ukraine „möglicherweise noch bereuen“. Die FT
berief sich dabei auf mehrere Quellen aus US-Regierungskreisen. Das
chinesische Außenamt wies den Bericht jedoch kategorisch zurück.
Ob Putins Gipfeltreffen in Peking ein Erfolg ist, lässt sich bislang nicht
abschließend beurteilen. Die beiden Staatschefs haben zwar mehr als 20
Abkommen in den Bereichen Handel und Technologie sowie eine Erklärung zu
einer „multipolaren Weltordnung“ unterschrieben. Doch zu Russlands
Kernanliegen, dem [3][Bau einer zweiten Gaspipeline „Power of Siberia 2“],
gibt es bislang keine Neuigkeiten.
Das Infrastrukturprojekt, das Russland schon seit Jahren vorantreibt, zeigt
das neue Kräfteverhältnis zwischen den beiden Nachbarstaaten. Peking will
sich auch von einem „alten Freund“ energiepolitisch nicht zu stark abhängig
machen. Und man nutzt die derzeitige Position der Stärke wohl auch, um die
Preise für die Rohstofflieferungen noch weiter zu drücken.
20 May 2026
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## AUTOREN
(DIR) Fabian Kretschmer
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