# taz.de -- Angebote für Kinder in Hamburg-Horn: Jugendklub muss schließen
       
       > Nach über 50 Jahren muss der Jugendklub der Timotheuskirche in
       > Hamburg-Horn dichtmachen. Die Kirche wird verkauft, die Stadt streicht
       > das Geld.
       
 (IMG) Bild: Macht Ende Juni dicht: der kirchliche Timo-Jugendklub in Hamburg-Horn
       
       In Hamburg rumort es seit Monaten in der [1][offenen Kinder- und
       Jugendarbeit] (OKJA). Um gegen angekündigte Kürzungen zu protestieren,
       kündigt deren [2][Interessenvertretung] für Freitagmittag eine Demo zu
       Hamburgs SPD-Zentrale an. Zwar beschlossen die Parteitage von SPD und
       Grünen erst kürzlich, die OKJA zu stärken. Zugleich gibt es aber die
       Botschaft aus Hamburgs Bezirken, dass in 2027 und 2028 mit Kürzungen und
       Schließungen zu rechnen ist.
       
       Ein Vorbote ist der Fall des [3][Timo-Jugendklubs] in Hamburg-Horn, der
       schon seit 1968 in einem roten Backsteinbau direkt neben der
       Timotheuskirche ein Ort für junge Menschen ist. „Zu uns kommen etwa 30
       Kinder und Jugendliche im Alter von 9 bis 18 Jahren“, sagt die
       ehrenamtliche Helferin Lydia H. Doch zum 30. Juni muss der Klub schließen.
       Auch die im Haus ansässige stadtteilorientierte Suchtprävention wird
       eingestellt. Zuerst hatte [4][der NDR berichtet].
       
       Die Timotheusgemeinde leidet schon länger an Mitgliederschwund. Sie war
       schon 2024 mit der benachbarten Martinskirche zur [5][Kirchengemeinde
       Hamburg-Horn] fusioniert. Im April wurde bekannt, dass das Grundstück an
       der Washingtonallee 65 verkauft wurde. Alle „sozialdiakonischen
       Arbeitszweige“, die bisher von Timotheus in den Stadtteil wirkten, würden
       nun an der Martinskirche aufgenommen, teilte die Gemeinde mit. Dazu zählen
       Tafel, Kleiderkammer und Seniorenarbeit.
       
       Doch der Jugendklub zieht nicht mit um. Der müsse schließen, weil die Stadt
       Hamburg zum 28. Februar die Zuwendung beendete, teilt der Vize-Vorsitzende
       des Kirchengemeinderats, Nis Kähler, auf Anfrage mit. Die Gemeinde habe
       kein Geld, um das auszugleichen. „Es geht um vier Mitarbeitende, die tolle
       Arbeit leisteten und nun ihr Herzensprojekt abwickeln müssen“, sagt Kähler.
       Wäre das Geld nicht weggefallen, wäre der Jugendklub mit umgezogen. Doch
       der hier zuständige Bezirk Mitte habe in einem Gespräch mitgeteilt, dass
       andere Träger die Zuwendung erhalten sollen.
       
       ## Bezirk Hamburg Mitte nennt formale Gründe
       
       Hamburg-Horn ist ein ärmerer Stadtteil und von einer Überversorgung mit
       Jugendangeboten geht hier keiner aus. Der Bezirk Mitte führt formale Gründe
       für die Schließung an. Das Amt habe die Zuwendung aufgehoben, weil die
       Anforderung an eine „ordnungsgemäße Verwendung“ der Mittel nicht erfüllt
       worden sei, schreibt Sprecherin Elsa Scholz. Dem sei eine Prüfung des
       Rechnungshofs und eine Selbstmeldung der Kirche vorangegangen.
       
       Der Bezirk habe mit der Gemeinde mehrere Gespräche dazu geführt, doch da
       man offene Punkte nicht ausräumen konnte, sei dies „als letzter Schritt“
       notwendig geworden. Von März bis Juni trägt die Gemeinde die Kosten nun
       selbst.
       
       Hamburgs [6][Rechnungshof] hatte moniert, dass vier freie Träger der OKJA
       Zuwendungen für Miete erhielten, obwohl sie eigene Immobilien nutzten,
       darunter drei Kirchen. „Dem liegt die Überlegung zugrunde, dass die Stadt
       vorhandene Immobilien nicht ‚ein zweites Mal‘ bezahlen soll“, erklärt eine
       Sprecherin. Es handele sich dabei um eine Kritik an der Verwaltung, die
       besser prüfen müsste. Raumkosten könnten gefördert werden, nur eben keine,
       die es „tatsächlich nicht gab“.
       
       Doch Nis Kähler weist darauf hin, dass die Horner Gemeinde nicht zu den vom
       Rechnungshof thematisierten gehöre. Die Gemeinde habe keine Miete, sondern
       ein geringes „Nutzungsentgelt“ für die Räume genommen, die sie man sonst
       hätte vermieten können. Das sei vor Jahren mit dem Bezirk so abgesprochen
       gewesen. Die Gemeinde habe bereits mitgeteilt, dass sie Gelder, die
       nachträglich als unrechtmäßig angesehen werden, selbstverständlich
       zurückzahle. Auch habe sie diese Kosten bereits 2025 nicht mehr aufgeführt.
       
       ## Timo-Klub will noch nicht aufgeben
       
       Musste also die Zuwendung gestrichen werden? Nach Einschätzung des
       Bezirksamts schon. „Wir bedauern, dass der Standort wegfällt“, erklärt
       Sprecher Michael Rapp. Was in Horn passiere, sei Teil einer größeren
       Entwicklung. Viele Kirchen zögen sich aus Aufgaben zurück, das könne man
       nicht „eins zu eins ausgleichen“.
       
       Die Ehrenamtlerin Lydia H. sagt, der Timo-Klub wolle noch nicht aufgeben.
       Sie regt an, auf dem Grünstreifen hinter der Kirche Container aufzustellen.
       „Damit die Kinder im Viertel wenigstens weiter einen Anlaufpunkt haben.“
       Dazu sagt der Bezirk, es müsste nun erst ein neuer Träger her, bevor man
       neue Räume sucht.
       
       An der Tür des Klubs hängt Donnerstag früh ein Aufruf zur Demo. Die freien
       Träger der OKJA bilden eine AG. Dort gilt der Fall als symptomatisch. Es
       fehle nicht nur Geld für die Arbeit mit den Kindern, sagt AG-Mitglied Anja
       Post-Martens. „Es fehlt den freien Trägern auch Geld für elementare
       Strukturen wie Buchführung und Verwaltung.“ Das lasse sich ohne
       auskömmliche Finanzierung nicht machen.
       
       21 May 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Kuerzungen-in-der-Jugendhilfe/!6149973
 (DIR) [2] https://www.entschlossen-offen.de/2026/04/30/demo-kuerzungen/
 (DIR) [3] https://timo-jugendclub.de/
 (DIR) [4] https://www.ardmediathek.de/video/hamburg-journal/kirchlicher-jugendtreff-in-horn-schliesst-ende-juni/ndr/Y3JpZDovL25kci5kZS8wYzU3YmZhMC0xNWM0LTQ0MGUtYWRiMi0xNGFiMzFjMDlhZWY
 (DIR) [5] https://www.kirche-hamburg.de/gemeinden/ansicht/13798-ev-luth-kirchengemeinde-hamburg-horn
 (DIR) [6] https://www.hamburg.de/politik-und-verwaltung/behoerden/rechnungshof/pressemitteilungen/rechnungshof-veroeffentlicht-jahresbericht-2026-1137152
       
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 (DIR) Kaija Kutter
       
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