# taz.de -- Zwei Jahre Bezahlkarte für Geflüchtete: Endlich wieder mehr Solidarität
       
       > Das Ziel, geflüchtete Menschen abzuschrecken, haben die Erfinder der
       > Bezahlkarte klar verpasst. Im Gegenteil: Das unsägliche Vorgehen hat die
       > Bereitschaft zur Hilfe nur vergrößert.
       
 (IMG) Bild: Mit der Bezahlkarte in einem Supermarkt in Hannover: Geflüchteter aus Syrien beim Einkaufen
       
       Zwei Jahre Bezahlkarte für Geflüchtete, das sind zwei Jahre weitere
       Einschränkung der ohnehin stark reduzierten Teilhabe von
       Asylbewerber:innen in Deutschland. Die Politik wollte mit der
       Einführung der Karte das Leben von Geflüchteten schwieriger machen, und das
       Ziel hat sie zweifellos grandios erreicht. Die Idee, dass dies auch der
       Abschreckung von Migration dienen würde, kann man aber getrost ins Reich
       der Fantasie verweisen.
       
       Kein Mensch nimmt den gefährlichen „irregulären“ Weg nach Deutschland auf
       sich, um hier 455 Euro im Monat zu kassieren, und niemand lässt sich per
       Bezahlkarte davon abbringen, selbst wenn man nur 50 Euro in bar davon
       abheben darf. Wenn sie erst einmal hier sind, wollen die allermeisten
       Geflüchteten arbeiten, sie werden aber viel zu oft vom repressiven
       Asylsystem daran gehindert. So schafft die Politik [1][Zuwanderung in die
       Sozialsysteme statt in den Arbeitsmarkt].
       
       Was die Bezahlkarte aber auch zeigt: Repression nährt Solidarität und
       Widerstand. Seit zwei Jahren gibt es bundesweit zahlreiche Initiativen, die
       [2][die Einschränkungen] durch die Bezahlkarte lindern, so gut es geht.
       Geflüchtete kaufen mit ihrer Karte Gutscheine bei Supermärkten, Discountern
       oder Drogerien und tauschen diese bei den Initiativen gegen Bargeld ein. In
       Cafés, Buchläden und bei zivilgesellschaftlichen Organisationen kann man
       die Gutscheine kaufen. So kommt ständig wieder Bargeld in den
       Gutscheintausch.
       
       Man könnte sagen, das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. [3][Das
       Geld reicht nie] und nicht alle Geflüchteten können vom Kartentausch
       profitieren. Es zeigt aber: Es gibt sie noch, die Bürger:innen, die sich
       für Geflüchtete einsetzen. Jahrzehntelange repressive Politik gegenüber
       Geflüchteten hat die Solidarität nicht zerstört. Im Gegenteil, viele
       Menschen machen beim durchaus mühsamen Geschäft des Kartentauschs mit, und
       das seit zwei Jahren. Repression bringt Solidarität hervor – das ist doch
       fast eine positive Folge der Bezahlkarte.
       
       20 May 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Zwei-Jahre-Bezahlkarte-fuer-Gefluechtete/!6178797
 (DIR) [2] /Bezahlkarte-fuer-Gefluechtete/!5989218
 (DIR) [3] /Kommunalpolitikerin-ueber-Bezahlkarten/!6058078
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Martin Sökefeld
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Immigration
 (DIR) Integrationspolitik
 (DIR) Solidarität
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) GNS
 (DIR) Social-Auswahl
 (DIR) Flüchtlingspolitik
 (DIR) Deutsche Politik
 (DIR) Reden wir darüber
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Diskriminierung via Bezahlkarte: An der Kasse aussortiert
       
       Um die Bezahlkarte zu umgehen, kaufen Asylbewerber in Supermärkten
       Gutscheine und tauschen sie gegen Bares ein. Einzelne Märkte wollen das
       verhindern.
       
 (DIR) Aktivisten über Bezahlkarte: „Die Bezahlkarte verhindert Integration“
       
       Alle Bundesländer haben die Bezahlkarte für Asylsuchende beschlossen. Zwei
       Aktivisten berichten, was das für die Menschen im Alltag bedeutet.
       
 (DIR) Geflüchtetenhilfte mit Tauschaktion: Hamburgs Linke hebelt Bezahlkarte aus
       
       Hamburg hat die Bezahlkarte als erstes Bundesland eingeführt. Vorreiter ist
       es auch beim solidarischen Gutscheintausch – trotz Angriffen von Rechts.