# taz.de -- Zustand des Waldes: Eichenprachtkäfer frisst sich durch
       
       > Jede zweite Eiche hat Schäden, die Kronen sind licht. Dabei gilt die
       > Baumart als Hoffnungsträger für den gestressten Wald im Klimawandel. Und
       > nun?
       
 (IMG) Bild: Den Eichenprachtkäfer gibt es in Deutschland schon immer, den Eichen fehlen nun aber die Abwehrkräfte gegen ihn
       
       Ein gefräßiger Schönling setzt dem Wald zu. Genauer: den Eichen, die bisher
       als klimastabil galten und darum als Hoffnungsträger für den Wald der
       Zukunft. Doch jetzt frisst sich der grün metallisch schimmernde
       Eichenprachtkäfer durch. Er – lateinischer Name: Agrilus biguttatus – macht
       auch keinen Unterschied zwischen alt und jung. Das zeigt die
       Waldzustandserhebung 2025, die CSU-Bundeslandwirtschaftsminister Alois
       Rainer am Dienstag vorgelegt hat.
       
       Es ist [1][die jährliche Bauminventur], bei der der Zustand der Baumkronen
       und die Absterberate bundesweit stichprobenartig eingeschätzt werden. Daran
       lässt sich ablesen, wie sich der Wald entwickelt. Der gilt als Verbündeter
       im Kampf gegen die Erderhitzung, weil er Treibhausgase speichert – aber
       nicht nur. „15 Minuten Spazierengehen im Wald reduziert das
       Stressempfinden, senkt den Blutdruck, die Herzfrequenz und vermindert
       Stresshormone im Blut“, schreibt zum Beispiel die Techniker Krankenkasse.
       
       Der Wald, der immerhin ein Drittel Deutschlands bedeckt, ist weit mehr als
       romantisch. Und die Eiche ist eine der „Big Four“, der vier Hauptbaumarten
       hierzulande. Doch seit Beginn der Erhebung im Jahr 1984 geht es dem
       symbolträchtigen Baum so schlecht wie nie. Gut jede zweite Eiche zeigt
       schon seit 2024 „deutliche Kronenverlichtungen“. Anders gesagt: 51 Prozent
       haben diese enormen Schäden.
       
       Das ist auffällig, auch weil sich der Zustand anderer Bäume nicht derart
       verschlechtert hat. Zum Beispiel die Fichte. Dürre und Hitze haben sie in
       den vergangenen Jahren verdorren lassen, Waldbrände, Stürme, Borkenkäfer
       gaben ihr den Rest. 2025 hat sie sich, wenn auch nur leicht, erholt: 38
       Prozent hatten deutliche Schäden, 2024 waren es noch 39 Prozent. Die Buche
       sieht wieder viel grüner aus – nach 46 Prozent in 2024, sind nun 38 Prozent
       deutlich licht.
       
       ## Vier von fünf Bäumen sind krank
       
       Der Kiefer geht es indes schlechter: Statt 24 Prozent wie im Jahr 2024
       haben jetzt 31 Prozent eine deutlich geschädigte Krone. Die Kiefer ist
       damit aber nicht so unter Druck wie andere Baumarten, schon gar nicht so
       wie die Eiche. Dabei gilt die Eiche eigentlich als robust. Ihre Wurzeln
       sind tief, oft bis zum Grundwasser.
       
       Wofür also steht ihr schlechter Zustand? Für einen allgemeinen Trend. So
       sieht das Nicole Wellbrock. Sie ist Expertin für Waldökosysteme am
       Thünen-Institut im Brandenburgischen Eberswalde, koordiniert die
       Waldzustanderhebungen seit vielen Jahren und sieht anders als manche
       Experten „keine echte Erholung“ des Waldes. Noch immer sind vier von fünf
       Bäumen krank.
       
       Wellbrock sagt: „Allen Baumarten geht es schlechter als vor den Dürrejahren
       ab 2018.“ Daran habe auch der Regen im Juli vergangenen Jahres nichts
       ändern können. Die lang anhaltenden Perioden von Trockenheit und hohen
       Temperaturen der vergangenen Jahre haben alle geschwächt, längst auch die
       Eiche. „Da haben Eichenprachtkäfer und andere Schädlinge nun leichteres
       Spiel“, meint die Expertin.
       
       Den Eichenprachtkäfer gibt es in Deutschland schon immer, den Eichen fehlen
       nun aber die Abwehrkräfte gegen ihn. Von den Fraßfeinden erhole sich die
       Eiche zwar auch wieder, dennoch bleibe sie wie alle anderen Bäume im
       Stress, sagt Wellbrock – zumal der Klimawandel zunehme, die nächsten Dürren
       kämen.
       
       Es gehe darum, die Wälder zu erhalten und umzubauen. Die Bundesregierung
       stellt mit ihrem Aktionsprogramm „Natürlicher Klimaschutz“ Geld für die
       Renaturierung des Waldes zur Verfügung. Am besten seien Mischwälder, sagt
       Wellbrock. Gefräßige Käfer, die auf einzelne Baumarten spezialisiert seien,
       könnten sich dann nicht einfach so durchfressen.
       
       19 May 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Neuer-Waldzustandsbericht/!6090268
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Hanna Gersmann
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Klimawandel
 (DIR) Wald
 (DIR) Naturschutz
 (DIR) Alois Rainer Landwirtschaftsminister
 (DIR) Social-Auswahl
 (DIR) Waldbrände
 (DIR) Schwerpunkt Klimawandel
 (DIR) Wald
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Buschfeuer in Spanien: Wisente, Ziegen und Schafe gegen Waldbrände
       
       Billiger als teuere Maschinen sind Weidetiere, die Brandschneisen von
       Gestrüpp und Unterholz freihalten. In Spanien laufen mehrere Projekte.
       
 (DIR) Projekt gegen Waldsterben: Bäume für das Klima wandern lassen
       
       Die Umsiedlung von Baumarten soll Wälder klimaresistent machen. Eine
       Forschungsgruppe in Kiel will herausfinden, welche Baumart sich dafür
       eignet.
       
 (DIR) Waldzustandsbericht 2025: Nicht mehr viel Luft nach unten
       
       Dem Berliner Wald geht es so schlecht wie lange nicht – vielleicht sogar
       wie nie. Die Zahl der wirklich gesunden Bäume tendiert bedrohlich gegen
       Null.