# taz.de -- Petitionsübergabe an Ministerin Bas: Immer mehr Unterschriften für Pflicht zur Barrierefreiheit
> Die Forderung nach verpflichtender Barrierefreiheit wird lauter. Das soll
> den Druck auf die Koalition erhöhen, die ein entsprechendes Gesetz
> verhandelt.
(IMG) Bild: Aktivist*innen im Rollstuhl nehmen an der Übergabe einer Petition zur Reform des Behindertengleichstellungsgesetzes teil
Die Petition für ein wirksames Behindertengleichstellungsgesetz (BGG)
gewinnt weiter an Unterstützung. Als die Initiator:innen und
Aktivist:innen René Schaar und Sabrina Lorenz die Petition am 7. Mai
erstmals an Bundestagsvizepräsident Bodo Ramelow (Linke) übergaben, war
gerade die Marke von 100.000 Unterschriften geknackt. Am Montag, keine zwei
Wochen später, nahm Sozialministerin Bärbel Bas (SPD) dieselbe Petition mit
mehr als 150.000 Unterschriften entgegen. Einen Tag später liegt die Zahl
bei fast 154.000.
Mit diesem öffentlichen Druck im Rücken veranstaltete die SPD-Fraktion am
Montag eine Inklusionskonferenz inklusive mehrerer Podiumsdiskussionen
sowie Reden von Bas und SPD-Fraktionschef Matthias Miersch. Titel der
Konferenz: „Radikal Inklusiv“. Anlass: die Änderung des BGG, die momentan
in der Koalition verhandelt wird. Der entsprechende Gesetzentwurf sei weder
„radikal“ noch „inklusiv“, kritisieren die Aktivist:innen. „Das BGG muss so
angepasst werden, dass Barrierefreiheit in der Privatwirtschaft Pflicht
wird!“, lautet die zentrale Forderung der Petition.
Stand jetzt sind Unternehmen nämlich weitgehend von der Pflicht zur
Barrierefreiheit ausgenommen. Sie müssen Barrieren nur abbauen, wenn das
keine „unverhältnismäßige finanzielle oder organisatorische Belastung“
darstellt – ohne dass dieser Begriff genauer definiert wäre. Der Entwurf
der Regierungsparteien sieht bislang lediglich vor, öffentliche Gebäude des
Bundes bis 2045 vollständig barrierefrei zu machen. Im Koalitionsvertrag
war das Jahr 2035 abgemacht.
Inklusion ist jedoch keine freiwillige Aufgabe. Deutschland hat 2009 die
UN-Behindertenrechtskonvention ratifiziert und sich damit verpflichtet,
[1][die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderung am
politischen und öffentlichen Leben gesetzlich sicherzustellen.]
Entsprechende Regelungen wurden seither immer wieder verschoben. „Wir
wollen uns nicht noch mal vertrösten lassen“, sagte also Initiator René
Schaar bei der Petitionsübergabe zu Bärbel Bas.
## Prominente Unterstützung für mehr Inklusion
„In mir haben Sie auf jeden Fall eine Unterstützerin“, entgegnete die
Sozialministerin. Sie selbst sei überzeugt davon, dass der Gesetzentwurf in
den Verhandlungen noch „weitaus besser“ gemacht werden könne. Auch einige
Unionspolitiker:innen sähen noch Verbesserungspotenzial, so Bas. Die
SPD-Fraktion werde die Forderungen der Petition „engagiert nach vorne
tragen“.
Für die Petitionsübergabe und einen anschließenden Fototermin fanden sich
unter anderem Schauspieler Samuel Koch, Olympiasiegerin Kristina Vogel und
[2][Autor Raúl Krauthausen] auf der Bühne ein – und übten so prominenten
Druck auf die Regierungsparteien aus. Kritik am bisherigen BGG-Entwurf mit
Blick auf die Privatwirtschaft erntete die Koalition zuletzt auch von
Sozialverbänden sowie Grünen und Linken.
Die Verhandlungen zum BGG-Entwurf gehen zunächst hinter verschlossenen
Türen weiter. Eine öffentliche Anhörung ist für Ende Juni angesetzt. In
einer [3][Bundestagsdebatte vor zwei Wochen] zeigte sich die Union offen
dafür, die Frist für Barrierefreiheit in Gebäuden des Bundes zu verkürzen –
nicht jedoch für verbindliche Vorgaben an die Privatwirtschaft.
19 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Teilhabe-behinderter-Menschen/!5956876
(DIR) [2] /Behindertengleichstellungsgesetz/!6180134
(DIR) [3] /Gleichstellung-von-Behinderten/!6177047
## AUTOREN
(DIR) Jule Frank
## TAGS
(DIR) Behindertengleichstellungsgesetz
(DIR) Inklusion
(DIR) Petition
(DIR) Bärbel Bas
(DIR) Barrierefreiheit
(DIR) Social-Auswahl
(DIR) Leben mit Behinderung
(DIR) Leben mit Behinderung
(DIR) Inklusion
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Behindertengleichstellungsgesetz: Ein Gesetz, das Barrieren schützt
Die vorgeschlagene Reform des Behindertengleichstellungsgesetzes reicht
Betroffenen nicht aus. Barrierefreiheit bleibt am guten Willen privater
Unternehmen hängen.
(DIR) Gleichstellung von Behinderten: Bloß nicht die Unternehmen behindern
Der Bundestag berät am Donnerstag einen Gesetzentwurf für mehr
Barrierefreiheit. Die Opposition sieht diesen als „Schlag ins Gesicht“ für
Menschen mit Behinderung.
(DIR) Protesttag von Menschen mit Behinderung: Inklusion ist, wenn niemand klatscht
Der 5. Mai ist Europäischer Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit
Behinderung. Die fehlt überall, beklagt eine Mutter.