# taz.de -- Toter Buckelwal vor Dänemark: SPD-Wal-Minister Backhaus wartet auf gesicherte Neuigkeiten
> Vor der Küste der dänischen Insel Anholt treibt ein toter Wal im Meer.
> Der Boulevard ist aus dem Häuschen: Ist es Till Backhaus' bester Freund
> „Timmy“?
(IMG) Bild: Beste Freunde: Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD, r.) Ende April beim Wal-in-die Augen-Schauen vor Poel
dpa/taz | Vor der dänischen Insel Anholt ist ein toter Wal entdeckt worden.
Das Tier liege etwa 75 Meter vor der Küste und sei vermutlich bereits seit
einiger Zeit tot, berichtete die Nachrichtenagentur Ritzau unter Berufung
auf die Umweltbehörde Miljøstyrelsen.
Unklar war zunächst, ob es sich um „Timmy“ handelt, den Buckelwal, der Ende
März erstmals vor Timmendorfer Strand und dann gefühlt ewig vor der Küste
Mecklenburg-Vorpommerns herumgelegen war, bevor er Anfang Mai nach sehr
viel bundesrepublikanischer Aufregung in den Skagerrak transportiert wurde.
Morten Abildstrøm, der für die Naturbehörde auf Anholt arbeitet, hält sich
mit Mutmaßungen schon mal nicht zurück. „Sowohl die deutschen als auch die
dänischen Forscher, mit denen ich gesprochen habe, glauben, dass es sich
höchstwahrscheinlich um den Buckelwal Timmy handelt“, zitiert die erneut
ganz aufgeregte Bild-Zeitung den dänischen Sender DRTV, der wiederum
Abildstrøm zitiert.
Zuvor hatte der Sender TV 2 Østjylland berichtet, dass es derzeit keine
Pläne gebe, den Wal zu bergen. Das könne sich ändern, falls der Kadaver
näher an die Küste treibe, hieß es weiter. Im Laufe des Tages – wohl gegen
Mittag – soll laut dänischen Medien dem toten Tier eine Gewebeprobe
entnommen werden. Den Angaben nach wird darauf gewartet, dass Niedrigwasser
dies zulässt.
## Backhaus steht bereit
Wie das Leitmedium des Axel-Springer-Verlags ist Berichten zufolge auch das
Umweltministerium von Mecklenburg-Vorpommern schon wieder ganz elektrisiert
von den neuesten Wal-Nachrichten. Landes-Umweltminister Till Backhaus (SPD)
hatte sich bei „Timmys“ MV-Ausflug schwer für den Wal ins Zeug gelegt,
[1][Nächte bei ihm verbracht und angeblich mit ihm kommuniziert].
Ob der Minister nun also gleich wieder zum Tief-in-die-Augen-Schauen an den
Ort des Geschehens eilt, soll im Laufe des Vormittags besprochen und
entschieden werden, sagte ein Sprecher am Freitagmorgen der Deutschen
Presse-Agentur.
Der Sprecher vermutete, dass es keine schnelle Identifizierung des Tieres
geben werde. „Ich gehe davon aus, dass am Vormittag das Rätsel noch nicht
gelöst wird.“ Wenn Backhaus erst einmal angerückt ist, dürfte sich das
freilich schnell ändern. Die Insel Anholt liegt mitten im Kattegat zwischen
Dänemark und Schweden. Den Angaben zufolge fährt nur einmal am Tag eine
Fähre auf die Insel.
Backhaus selbst ließ sich im Anschluss an seinen Sprecher mit Blick auf
eine eigene Stellungnahme nicht lange bitten. „Sobald es gesicherte
Neuigkeiten in der Sache gibt, werden wir die Öffentlichkeit umgehend
informieren“, versicherte der SPD-Mann am Freitag in Schwerin. Er stehe in
engem Kontakt mit dem Bundesumweltministerium und der dänischen
Umweltbehörde.
„Aufgrund der verkehrstechnischen Lage Anholts rechnen wir jedoch nicht mit
schnellen Befunden – bevor gesicherte Informationen vorliegen, beteilige
ich mich nicht an Spekulationen“, fügte der Minister hinzu.
## Krimi um „Timmy“
„Timmy“ hatte wochenlang Schlagzeilen gemacht. Nicht zuletzt die Bild und
der jetzt überraschend spekulationsunfreudige Minister Backhaus lieferten
[2][den walvernarrten Deutschen] ständig neuen Stoff zum „Krimi um Timmy“.
Das bislang letzte Kapitel der Saga war ein tagelanger Transport einer
privaten Rettungsinitiative in die Nordsee. [3][Wie diese genau endete, war
aber bis zuletzt unklar.] Außer für Backhaus. O-Ton am 7. Mai: „Der Wal
lebt.“ German Angst? Nicht mit dem SPD-Minister.
Fotos oder Videos vom Freisetzen hinter der Nordspitze Dänemarks existieren
nach Aussage der privaten Free-Timmy-Initiative nicht. Unklar blieb auch,
in welchem Zustand das geschwächte und vom Hin und Her im Kahn verletzte
Tier zu diesem Zeitpunkt war.
Auch rund zwei Wochen nach dem Aussetzen gibt es bislang keine bekannten
Daten dazu, wo das Tier ist. Ein GPS-Sender liefere weiterhin keinerlei
Signale zur Ortung, hieß es jüngst. Es gebe überhaupt keine Daten mehr.
Experten von Tierschutzorganisationen hatten die langfristigen
Überlebenschancen des Wals übereinstimmend als sehr gering eingeschätzt.
Vor dem Freisetzen des Buckelwals am 2. Mai soll nach Angaben der
Initiative ein GPS-Sender an der Rückenfinne angebracht worden sein, der
stetig Ortsdaten liefern sollte. Ob dies tatsächlich erfolgte, ließ sich
nicht durch unabhängige Quellen verifizieren.
## Gewebeprobe soll entnommen werden
Um festzustellen, ob es sich bei dem jetzt vor Dänemark – sehr viel weiter
südlich vom Punkt der Freisetzung – gefundenen Kadaver um „Timmy“ handelt,
könnten theoretisch auch Fotos helfen: Nach Angaben der Initiative wurde
ein Foto von der Fluke – der großen Schwanzflosse des Tieres – gemacht, das
als Foto-ID in entsprechende Datenbanken einfließen soll. Auch für diese
Information gab es allerdings keine Bestätigung durch unabhängige Quellen.
Neben einem Foto von der Fluken-Unterseite können der
Tierschutzorganisation WDC zufolge auch auffällige Merkmale wie ein
Narbenmuster auf der Haut zur Wiedererkennung eines Wals dienen. Der Poeler
Wal gehöre zur Population der nordatlantischen Buckelwale. „Jedes
Forschungsteam, das mit dieser Population arbeitet, fotografiert die
Individuen“, hieß es. Über die Jahre seien Tausende ID-Fotos
zusammengetragen worden.
15 May 2026
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## AUTOREN
(DIR) Rainer Rutz
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