# taz.de -- +++Nachrichten im Ukrainekrieg+++: Massive russische Luftangriffe auf die Ukraine
> Mehrere ukrainische Städte wurden in der Nacht zu Donnerstag mit
> hunderten Drohnen und Raketen angegriffen. Ex-Präsidialamtschef Andrij
> Jermak ist in Untersuchungshaft.
(IMG) Bild: Rettungskräfte beseitigen die Trümmer eines Hauses, das nach einem russischen Angriff auf das linke Dnipro-Ufer schwer beschädigt wurde, 14. Mai
## Russland beschießt Ukraine massiv mit Raketen und Drohnen
Wenige Tage nach einer kurzzeitigen Waffenruhe hat Russland die Ukraine mit
einem der längsten Luftangriffe in mehr als vier Jahren Krieg überzogen. In
der Nacht wurde erneut Luftalarm im ganzen Land ausgelöst; am Morgen teilte
die ukrainische Flugabwehr mit, dass Russland 56 Raketen und
Marschflugkörper sowie 675 Drohnen eingesetzt habe. Die meisten Flugobjekte
seien abgeschossen worden. Aus der Hauptstadt Kyjiw wurden Explosionen und
viele Verletzte sowie mindestens ein Todesopfer gemeldet.
In Kyjiw wurden mehrere Gebäude beschädigt, aus den Trümmern eines teils
eingestürzten Wohnhauses zogen Rettungskräfte mehrere verschüttete
Menschen. Ein Mensch sei getötet worden, hieß es. Der Zivilschutz gab die
Zahl der Verletzten am Morgen mit 31 an. Demnach wurden in dem Haus 18
Wohnungen zerstört. Bürgermeister Vitali Klitschko teilte mit, dass 20
Verletzte, darunter ein Kind, stationär im Krankenhaus behandelt würden.
Nach Darstellung der Rettungskräfte gab es auch Verletzte im Umland.
Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von Schäden an 20 Stellen in Kyjiw,
betroffen seien Wohnhäuser, eine Schule und weitere Infrastruktur. Auch im
Umland und weiteren Orten in der Ukraine gebe es Schäden. Insgesamt habe es
seit Mittwoch 1.560 Drohnenangriffe gegeben.
Auch in anderen ukrainischen Städten gab es massive russische Angriffe.
In Cherson in der Südukraine wurde ein Kleinbus im Stadtzentrum von einer
Drohne attackiert, es gab einen Toten und 27 Verletzte.
Im Gebiet Dnipropetrowsk wurden 8 Tote und 11 Verletzte, darunter auch
gemeldet. 23 Verletzte, zwei davon Kinder, gab es in der ostukrainischen
Großstadt Charkiw.
Auch die Stadt Uschhorod im Gebiet Transkarpatien, die im äußersten Westen
der Ukraine nahe der Grenze zur Slowakei und zu Ungarn liegt, wurde von
Russland angegriffen; Anwohner berichteten von Explosionen. Es war das
erste Mal seit Beginn des umfassenden Krieges, dass die Stadt Ziel
russischer Angriffe wurde, und es handelte sich um den massivsten
Drohnenangriff auf Transkarpatien seit Beginn der Invasion.
Schon den ganzen Mittwoch über hatte die russische Armee Drohnenangriffe
auf die Ukraine geflogen, wobei solche Attacken über Tag ungewöhnlich sind.
Selenskyj sprach an dem Tag von mehr als 800 Drohnen. Selenskyj bezeichnete
die Angriffe als „Terror“. (dpa/taz)
## Ex-Präsidialamtschef Jermak in Untersuchungshaft
In der Ukraine hat das Oberste Anti-Korruptions-Gericht Untersuchungshaft
gegen den früheren ukrainischen Präsidialamtschef Andrij Jermak angeordnet.
Die Haft gelte für zunächst 60 Tage, Jermak habe die Möglichkeit, gegen
Kaution auf freien Fuß zu kommen, teilte der Richter am Morgen mit.
Jermak war die rechte Hand von Präsident Wolodymyr Selenskyj. [1][Er muss
sich wegen Geldwäsche-Vorwürfen verantworten.] Ihm und fünf anderen
Verdächtigen werden illegale Millionengeschäfte bei einem Luxusbauprojekt
vorgeworfen.
Der 54 Jahre alte Jermak hatte die Vorwürfe kategorisch zurückgewiesen. Er
sagte auch, dass er keine Mittel habe, um die Kaution von umgerechnet 2,72
Millionen Euro zu bezahlen.
Am Vortag wurden auch Details über Jermaks Kontakt mit einer
Esoterik-Beraterin zutage gefördert. Die Anklage ließ bei der Verhandlung
in Kiew Chats zwischen Jermak und der Frau verlesen, die in seinen
Telefonkontakten als „Veronika Feng-Shui Büro“ verzeichnet war.
Demnach habe Jermak, der bis November die rechte Hand von Selenskyj war,
mit der Frau über die Besetzung von Spitzenposten in der Ukraine
gesprochen. Er habe ihr Geburtsdaten von Kandidaten geschickt und um Rat
gebeten. Ukrainischen Presseberichten zufolge bezeichnet sich die
51-jährige Frau aus Kiyjiw selbst als astrologische Beraterin.
Bis zu seinem Rücktritt galt Jermak als der zweitmächtigste Mann in der
Ukraine und führte für sein Land Verhandlungen über ein Ende des russischen
Angriffskriegs. Das Präsidentenbüro teilte angesichts der Nachrichten aus
dem Gerichtssaal mit, man beschäftige sich nicht mit Esoterik, Numerologie,
Feng-Shui oder ähnlichem. Er habe nie derartige Vertreter in der Kanzlei
gesehen, sagte Selenskyjs Berater Dmytro Lytwyn. (dpa)
## Streit über Drohnenvorfälle: Lettlands Regierungschefin tritt zurück
Lettlands Regierungschefin Evika Siliņa hat nach dem Bruch ihrer
Regierungskoalition ihren Rücktritt bekanntgegeben. Die 50 Jahre alte
Liberalkonservative zog damit die Konsequenzen aus der Ankündigung eines
ihrer beiden Bündnispartner, den Fortbestand der Koalition nicht mehr zu
unterstützen. Dies sei keine leichte, aber die richtige Entscheidung in
dieser Situation, sagte sie auf einer Pressekonferenz in Riga. Die
linksgerichteten Progressiven hatten zuvor Siliņa wegen eines politischen
Streits über Drohnenvorfällen an der Grenze zu Russland das Vertrauen
entzogen und Staatspräsident Edgars Rinkevics aufgefordert, Konsultationen
zur Bildung einer neuen Regierung aufzunehmen.
Auslöser der politischen Krise in dem baltischen EU- und Nato-Land war der
Rücktritt von Verteidigungsminister Andris Spruds. Der
Progressiven-Politiker hatte sein Amt am Sonntag nach den jüngsten
Drohnenvorfällen im Luftraum des an Russland und Belarus grenzende Landes
auf Druck von Silina hin niedergelegt. Die Regierungschefin wollte den
Posten des Verteidigungsministers nun mit dem Militäroberst Raivis Melnis
besetzen – und nicht mehr mit einem Vertreter ihres Koalitionspartners. In
Lettland führt der Rücktritt des Regierungschefs gemäß Verfassung
automatisch auch zu dem des gesamten Ministerkabinetts. Bis zur Bestätigung
einer neuen Regierung bleibt die alte aber weiter geschäftsführend im Amt.
Silina hatte im September 2023 die Regierungsspitze übernommen – als zweite
Regierungschefin in der Geschichte Lettlands. (dpa)
14 May 2026
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