# taz.de -- Kriminelle gegen Journalisten: Wenn die Ehrlosen einen Ehrenmann treffen wollen
> Der italienische Journalist Nello Trocchia ist einer der profiliertesten
> Kenner der Mafia. Nun steht er unter Polizeischutz.
(IMG) Bild: Ab jetzt unter Begleitschutz der Polizei: der Journalist Nello Trocchia
Als das Handy klingelte, dachte der Journalist Nello Trocchia, das sei ein
Anruf wie jeder andere. Doch am Apparat war die Polizei, mit der lapidaren
Mitteilung: „Ab heute stehen Sie unter Begleitschutz.“
Begleitschutz rund um die Uhr, weil Trocchia seit Jahren über das immer
gleiche Thema schreibt: über Mafia und organisiertes Verbrechen in Italien.
Und gerade in den vergangenen Monaten hatte die Polizei verzeichnen müssen,
dass sich die Drohungen gegen den Journalisten häuften.
Der 43-Jährige gehört seit Jahren zu den besten Kennern der italienischen
Unterwelt, mit der er sich in TV-Sendungen, in Büchern, in seinen Artikeln
für das Magazin L’Espresso, die Zeitung Il Fatto Quotidiano und gegenwärtig
die Tageszeitung Domani befasst. Immer wieder galt seine Aufmerksamkeit dem
Clan dei Casalesi, einem der mächtigsten Clans der neapolitanischen
Camorra, ebenso wie dem großen Rad, das die Camorra im illegalen
Müllbusiness drehte.
Genauer schaute er aber auch beim [1][organisierten Verbrechen in Rom hin.]
In Italiens Hauptstadt sind zahlreiche Clans aktiv, ob die Truppe des zur
Camorra gehörenden Bosses Michele Senese oder mafiaähnlich strukturierte
albanische Gruppierungen oder auch die aus der Fankurve von Lazio Rom
stammenden Großdealer, die wiederum mit dem Senese-Clan und der albanischen
Mafia Geschäftsverbindungen unterhielten.
## „Journalist Terrorist“
Trocchias Zeitung Domani berichtet, wie offen die Bosse mittlerweile ihre
Drohungen lancieren, gerne auch als ganz ohne Scheu veröffentlichte
Kommentare unter den [2][Social-Media-Posts des Reporters]. Ein – mit
Klarnamen unterzeichneter – Kommentar lautete schlicht „Amen“, während ein
anderer Mafioso ausführlicher wurde, mit den Worten „Journalist Terrorist.
Du weißt ja, wer ich bin, jeder wählt sein Schicksal selbst“.
Auch daran, dass solche Drohungen ernst zu nehmen sind, erinnert der
Artikel von Domani von vergangenem Montag, mit dem Hinweis, dass Trocchia
gerade von einer Gedenkveranstaltung für den am 9. Mai 1978 ermordeten
Journalisten [3][Peppino Impastato] kam, als die Polizei ihn anrief.
Peppino Impastatos Vergehen hatte darin bestanden, dass er sich in einem
Lokalradio regelmäßig über den örtlichen Cosa-Nostra-Boss in einer
Kleinstadt vor den Toren Palermos lustig gemacht hatte.
Insgesamt 9 italienische Journalisten fielen seit 1960 der Cosa Nostra und
der Camorra zum Opfer, in Neapel, in Catania, in Palermo oder in Trapani,
weil sie sich zu hartnäckig für die Geschäfte der Clans interessiert
hatten. Der letzte in dieser langen Reihe war im Jahr 1993 der Sizilianer
Beppe Alfano.
Mittlerweile nimmt der italienische Staat Mafia-Drohungen gegen
Journalisten äußerst ernst. Gegenwärtig stehen nach Auskunft der
italienischen Journalisteninnung 22 ihrer Mitglieder unter Begleitschutz.
Der wohl prominenteste Buchautor, der seit nunmehr fast 20 Jahren Tag für
Tag bewaffnete Beamte um sich hat, ist Roberto Saviano.
Er, damals gerade erst 27 Jahre alt, hatte mit dem Buch „Gomorrha“ einen
Weltbesteller zur Camorra gelandet, und er hatte auch danach ein ums andere
Mal in Artikeln die Bosse des Clans der Casalesi frontal angegangen – eben
jenes Clans, der auch Trocchia immer wieder interessierte.
13 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.youtube.com/watch?v=IhAkfsMaUtU
(DIR) [2] https://www.facebook.com/NelloTrocchiaGiornalista
(DIR) [3] /Attentat-auf-maltesische-Journalistin/!5455620
## AUTOREN
(DIR) Michael Braun
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