# taz.de -- Behindertenfeindlichkeit der AfD: „Analog zur Ideologie der Nationalsozialisten“
       
       > Die AfD ist eine Gefahr für Menschen mit Behinderung: Zu diesem
       > eindeutigen Befund kommt eine aktuelle Analyse des Deutschen Instituts
       > für Menschenrechte.
       
 (IMG) Bild: Ausgrenzende Ideologie: Wahlkampfveranstaltung der AfD in Baden-Württemberg
       
       Ob auf Spielplätzen, in Schulen oder Unternehmen: Die rund acht Millionen
       Menschen mit einer schweren Behinderung in Deutschland müssen schon so um
       Sichtbarkeit und Gleichberechtigung kämpfen. Ginge es nach der AfD, würden
       sie erst recht aus dem Alltag verschwinden.
       
       Zu diesem Schluss kommt [1][eine aktuelle Analyse des Deutschen Instituts
       für Menschenrechte] mit Sitz in Berlin. Etliche Äußerungen von
       AfD-Politiker*innen aus den vergangenen Jahren zeigten dabei, dass „die
       [2][Abwertung von Menschen mit Behinderung]“ in der extrem rechten Partei
       „manifester Bestandteil ihrer inhaltlichen Ausrichtung“ sei, heißt es in
       dem 35-seitigen Papier des Juristen Hendrik Cremer.
       
       Zwar beschäftigt sich die selbsternannte Alternative um ihre
       Bundesvorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla insgesamt betrachtet
       keineswegs intensiv mit den Belangen von Menschen mit Behinderungen.
       Gleichwohl lassen die Aussagen, die hierzu öffentlich abgegeben wurden und
       werden, tief blicken hinsichtlich des in der AfD existierenden
       Menschenbilds.
       
       Schon 2023 erklärte Thüringens AfD-Chef Björn Höcke, Kinder und
       Jugendlichen mit Behinderung sollten nicht auf Regelschulen gehen. Höcke
       sagte: „Gesunde Gesellschaften haben gesunde Schulen.“ Inklusion an Schulen
       gehöre beendet. Es handele sich um ein ideologisch motiviertes Projekt, das
       „unsere Schüler“ nicht weiterbringe, „unsere Kinder nicht leistungsfähiger“
       mache und nicht dazu führe, „dass wir aus unseren Kindern und Jugendlichen
       die Fachkräfte der Zukunft machen“. Höcke sprach dann auch von
       „Belastungsfaktoren“.
       
       ## Historische Affinität zum NS
       
       „Belastungsfaktoren“: Es ist dieser Begriff, den Hendrik Cremer besonders
       hervorhebt. Auch, weil ihm seitdem in der AfD nicht groß öffentlich
       widersprochen wurde. Der Jurist weist dabei auf [3][historische
       Affinitäten] hin. Denn auch die Nationalsozialist*innen sahen in
       Menschen mit Behinderungen „Ballastexistenzen“, die es aus der
       „Volksgemeinschaft“ zu „beseitigen“ gelte. An die 70.000 Menschen wurden im
       Rahmen der Euthanasie-Programme der Nazis ermordet, über 350.000 bis
       400.000 Menschen zwangssterilisiert.
       
       Cremer verweist darauf, dass sich die AfD seit Jahren weiter radikalisiert.
       Ihr Kurs sei „dadurch gekennzeichnet, dass Führungspersonen und
       Mandatsträger*innen“ die Verbrechen der NS-Zeit verharmlosen und darauf aus
       seien, „nationalsozialistisches Gedankengut wieder gesellschaftsfähig zu
       machen“.
       
       Die AfD ziele somit „analog zur Ideologie der Nationalsozialisten auch auf
       Menschen mit Behinderungen“, schreibt Cremer. In dem Fall ist es die bei
       den Nazis zentrale Vorstellung eines „gesunden Volkskörpers“, bei der
       vermeintlich Ungesunde und Nichtleistungsfähige aus der Gesellschaft
       ausgeschlossen werden.
       
       2018 fragte die AfD-Bundestagsfraktion etwa, wie viele „Schwerstbehinderte“
       in Deutschland leben. Sie wollte auch – wohl einer Vererbungslogik folgend
       – wissen, wie viele Behinderte durch „Heirat innerhalb der Familie
       entstanden“ seien. Und weiter, wie viele „keine deutsche
       Staatsbürgerschaft“ hätten.
       
       ## Rechte Täuschungsmanöver
       
       Aus Cremers Analyse wird zugleich deutlich, dass Gesetzesinitiativen und
       Reden von AfD-Abgeordneten diese Menschenverachtung nicht „gleichermaßen
       offenkundig vortragen“.
       
       So sprach [4][der AfD-Fraktionsvize im Berliner Abgeordnetenhaus, Thorsten
       Weiß], 2025 von einer „Inklusion mit Augenmaß“. Nicht ohne zu betonen, dass
       es sich um „eine der größten Herausforderungen“ an den Schulen und eine
       „Baustelle voller ideologischer Irrtümer“ handele. Im Entwurf für das
       „Regierungsprogramm“ der AfD Sachsen-Anhalt wird 2026 gleich angekündigt,
       man werde das „Experiment“ Inklusion „unverzüglich“ beenden.
       
       Einzelne AfD-Kader pflegen nicht zuletzt in den sozialen Medien häufig
       einen diskriminierenden Jargon zu Inklusion. Sich gleichzeitig moderat zu
       geben, hält Cremer nicht für einen Widerspruch. Denn zur AfD-Strategie
       gehöre, „die Öffentlichkeit regelmäßig über ihre wahren Absichten zu
       täuschen, um möglichst breiten Zuspruch in der Bevölkerung zu erhalten“.
       Diese Partei sei eine „Gefahr“.
       
       14 May 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.institut-fuer-menschenrechte.de/fileadmin/Redaktion/Publikationen/Analyse_Studie/Analyse_Die_AfD_eine_Gefahr_fuer_Menschen_mit_Behinderungen.pdf
 (DIR) [2] /Menschen-mit-Behinderung/!6027886
 (DIR) [3] /Historikerin-ueber-rechte-Koerperpolitik/!6110952
 (DIR) [4] /Voelkische-Plattform-in-der-AfD-Berlin/!5889622
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Andreas Speit
       
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