# taz.de -- Statistik zu rechten Vorfällen in Berlin: Propaganda, Pöbeleien, Gewalt
> Die Meldestellen der Berliner Register haben 2025 einen neuen Höchststand
> an rechten Vorfällen verzeichnet. Im Visier stand oft der politische
> Gegner.
(IMG) Bild: Sechs Aufmärsche gegen CSDs gab es 2025 in Berlin, aber die Neonazis bekamen nie mehr als 50 Leute auf die Straße
Junge Neonazis bedrängen, schlagen und treten [1][zwei Journalist*innen
am Bahnhof Ostkreuz]. Mehrmals greifen Unbekannte das schwule
Anti-Gewalt-Projekt „Maneo“ an. Besucher*innen eines Konzerts in einem
Köpenicker Jugendclub werden auf dem Heimweg attackiert.
Die Liste der rechten und rassistischen Vorkommnisse in Berlin aus dem
vergangenen Jahr ist lang. Sehr lang. 8.286 Fälle fasst die
[2][Jahresstatistik der Berliner Register], die am Dienstag vorgestellt
wurde. Im Vorjahr waren es 7.720 Fälle – bereits damals ein Höchststand.
Bei den mit Abstand meisten Einträgen – mehr als 5.000 – handelt es sich um
Propaganda-Aktionen wie Sticker und Plakate. Es wurden aber auch mehr als
1.300 Bedrohungen und 400 Angriffe gezählt.
„Extrem rechte Ideologie breitet sich in Berlin aus“, sagte Lea Lölhöffel
von der Koordinierung der Berliner Register. „Betroffene kriegen die
zugespitzten Debatten um Migration, Rechte von trans Personen und den
Nahostkonflikt zu spüren – sie werden zur Zielscheibe“, warnte sie.
Das häufigste Motiv war laut dem Bericht Rassismus mit rund 2.300 Fällen –
ein Anstieg von mehr als 30 Prozent im Vergleich zu 2024. Im Schnitt
zählten die Berliner Register jeden Tag zwei rassistische Übergriffe –
verbal oder körperlich. Am häufigsten waren Frauen und Kinder betroffen.
„Dieser Anstieg geschieht nicht im luftleeren Raum“, betonte Naím Ahrens
von den Berliner Registern. Infolge rassistischer Debatten über Migration
finde ein „Prozess der Normalisierung“ statt. An zweiter und dritter Stelle
folgen die Motive Antisemitismus mit rund 1.700 Fällen und Aktivitäten
gegen politische Gegner, die mehr als 1.600 Mal registriert wurden.
## Viele Fälle im Osten der Stadt
Die Statistik offenbart große lokale Unterschiede. Insbesondere in den
östlichen Bezirken Treptow-Köpenick, Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg
wurden viele Fälle registriert, ebenso in Mitte. Dabei handelte es sich in
Mitte in vielen Fällen um Demonstrationen oder Pöbeleien und Attacken bei
sogenannten Zufallsbegegnungen, bei denen etwa queere, als links
identifizierte oder nichtweiße Personen beleidigt oder angegriffen wurden.
In den östlichen Außenbezirken fand währenddessen [3][eine regelrechte
Propagandaschlacht statt]. Hier versuchten junge Neonazi-Gruppen Fuß zu
fassen – und suchten [4][Anschluss an etablierte Akteure]. Das äußerte sich
auch in zahlreichen Bedrohungen gegen politische Gegner*innen. „Junge
Neonazis markieren ihr Revier und schüchtern nichtrechte Menschen ein“,
sagte Naím Ahrens. So seien öffentliche Räume zu unsicheren Orten geworden.
„Wo Sticker auftauchen, bleibt es nicht dabei“, warnte auch Jeannine
Löffler vom Bezirksregister Treptow-Köpenick. Deshalb mache es ihr Sorgen,
wenn an einem einzigen Tag Dutzende Aufkleber gemeldet werden. „Wir haben
in Köpenick und in Schöneweide eine Kontinuität von rechtsextremen
Aktivitäten seit den 1990er Jahren“, sagte Löffler.
Die extrem rechten Jugendgruppen treten auch in anderen Bezirken oft dort
in Erscheinung, wo es seit Jahrzehnten ein Problem mit Neonazis gibt – etwa
im Norden von Pankow, in Hohenschönhausen und in Hellersdorf. Allerdings
habe sich der starke Zulauf für die Gruppierungen wie „Deutsche Jugend
Voran“ [5][im vergangenen Jahr nicht fortgesetzt], stellte Ahrens klar.
Trotzdem: „Von einer Entwarnung kann nicht gesprochen werden.“ Sechs
Protestaktionen gegen CSDs zählten die Berliner Register: „Das sind
einerseits so viele wie nie zuvor, andererseits kamen nie mehr als 50
Teilnehmer“, so Ahrens.
Die Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus sprach angesichts des Berichts von
einem „massiven Rechtsextremismusproblem“ in Berlin. „Doch der schwarz-rote
Senat verschließt weiterhin die Augen davor“, kritisierte Ario Mirzaie,
Sprecher für Strategien gegen rechts. Im aktuellen Doppelhaushalt seien die
Mittel gegen Rechtsextremismus jährlich um eine Million Euro gekürzt
worden, zudem drohe ein [6][Kahlschlag beim wichtigen Bundesprogramm
„Demokratie leben!“]. „Diese Sparpolitik ist brandgefährlich und muss
gestoppt werden“, forderte Mirzaie.
12 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Neonazi-Angriff-am-Bahnhof-Ostkreuz/!6102904
(DIR) [2] https://berliner-register.de/artikel/pressekonferenz-2026-05-12-auswertung-f%C3%BCr-2025-der-berliner-register-ausbreitung-extrem-rechte-ideologie-in-berlin-665/
(DIR) [3] /Rechtsextremismus-in-Berlin/!6072711
(DIR) [4] /Neonaziszene-in-Ostberlin/!6106603
(DIR) [5] /Durchsuchungen-in-zwoelf-Bundeslaendern/!6176706
(DIR) [6] /Umbau-des-Programms-Demokratie-Leben/!6164747
## AUTOREN
(DIR) Hanno Fleckenstein
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