# taz.de -- NS-Raubkunst in Niederlanden entdeckt: Jahrzehnte lang hing das Gemälde im Haus der Enkelin
       
       > In den Niederlanden ist ein Avantgarde-Gemälde aus der Sammlung des
       > jüdischen Kunsthändlers Jacques Goudstikker aufgetaucht. Es ist
       > vermutlich NS-Raubgut.
       
 (IMG) Bild: In seinem Notizbuch listete Jacques Goudstikker Gemälde auf, die sich bis 1940 in seinem Besitz befanden, darunter auch Rembrandts
       
       Wie viel von NS-Raubkunst wohl noch immer ungesehen und unentdeckt in
       privaten Gemächern lagert? Nur durch Zufall wird immer mal wieder ein
       Kunstwerk mit krimineller Objektgeschichte aufgespürt.
       
       Wie vor ein paar Monaten, als ein Giuseppe-Ghislandi-Gemälde aus dem 18.
       Jahrhundert auf dem Foto einer Immobilienanzeige auftauchte. Die Nazis
       hatten es vermutlich aus der Sammlung des prominenten Amsterdamer
       Kunsthändlers Jacques Goudstikker geraubt. Die Tochter des nach Argentinien
       geflohenen SS-Offiziers Friedrich Kadgien wollte mit dem Foto für den
       Verkauf ihres Hauses im Badeort Mar del Plata werben.
       
       Aus dem einstigen Besitz eben jenem jüdischen Jacques Goudstikkers ist nun
       ein weiteres Gemälde in den Niederlanden aufgetaucht. Das „Porträt eines
       jungen Mädchens“ des Avantgarde-Malers Toon Kelder habe im Haus der
       Enkeltochter [1][von Nazi-Kollaborateur] Hendrik Seyffardt gehangen,
       vermelden Der Spiegel und The Guardian. Wahrscheinlich habe es sich dort
       seit Jahrzehnten befunden.
       
       „Es wurde Goudstikker geraubt, es ist unverkäuflich, erzähl’ niemandem
       davon“, soll die Enkeltochter einem Verwandten gesagt haben. Der aber,
       dessen Name nicht genannt werden soll, habe daraufhin den Kunsthistoriker
       Arthur Brand auf den Fall aufmerksam gemacht. In den Niederlanden hat Brand
       schon mehrfach Kunstwerke von Goudstikker aufgespürt.
       
       ## Vom NS-Kunsthandel zerschlagen
       
       Denn Goudstikkers bedeutende, mehrere Jahrhunderte europäischer [2][Malerei
       umfassende Kunstsammlung wurde über den NS-Kunsthandel zerschlagen],
       europaweit an Museen und Privat verkauft. Hermann Göring persönlich hatte
       sich 1940 der Sammlung bemächtigt.
       
       Jacques Goudstikker war auf seiner Flucht ins Exil bei einem Unfall an Bord
       der „SS Bodegraven“ ums Leben gekommen. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte
       Goudstikkers Ehefrau Dési die Rückgabe vieler Kunstwerke gefordert, muss
       aber auf den Unwillen der niederländischen Behörden gestoßen sein. Erst
       infolge der [3][Washingtoner Konferenz] über Vermögenswerte aus der Zeit
       des Holocaust von 1998 änderte auch der niederländische Staat seine
       Restitutionspolitik gegenüber den Erben Goudstikkers. Rund 200 Gemälde,
       zumeist aus öffentlichen Museen, kehrten daraufhin in ihren Besitz zurück,
       etwa 500 weitere konnten aufgespürt werden; ein Teil wurde nicht
       wiedergefunden.
       
       „Porträt eines jungen Mädchens“ werde nun von den Erben zurückgefordert,
       heißt es. Restitution aus Privatbesitz ist jedoch kompliziert,
       Privatpersonen können juristisch schwerlich gezwungen werden, Kunstwerke
       zurückzugeben.
       
       13 May 2026
       
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