# taz.de -- Erste Enzyklika von Papst Leo XIV: Heiliges Misstrauen gegen KI
       
       > Papst Leo XIV. warnt in seiner ersten Enzyklika vor den Gefahren der
       > Künstlichen Intelligenz. Die Macht der Tech-Giganten will er beschränken.
       
 (IMG) Bild: Die Unterschrift bleibt analog: Papst Leo XIV. unterzeichnet seine KI-kritische Enzyklika „Magnifica humanitas“
       
       „Magnifica humanitas“, „großartige Menschlichkeit“: So heißt die erste
       Enzyklika des seit einem Jahr amtierenden Papstes, die [1][Leo XIV.] am
       Pfingstmontag im Vatikan vorstellte. Darin widmet er sich dem Großthema
       Künstliche Intelligenz. Unterschrieben hat Papst Prevost sein Werk
       allerdings – und mit Bedacht – schon am 15. Mai, dem Tag, als sich jene
       Enzyklika von Leo XIII. zum 135. Mal jährte, mit der die kirchliche
       Soziallehre in die Welt kam.
       
       „Rerum novarum“ hieß der damalige Rundbrief aus dem späten 19. Jahrhundert,
       in dem es um die industrielle Revolution und ihre Auswirkungen ging. Und
       auch Leo XIV. spricht jetzt wieder von „neuen Dingen“. Er stellt nichts
       Geringeres als die „digitale Revolution“ und vor allem die [2][Künstliche
       Intelligenz] mit ihren tiefgreifenden Folgen für Wirtschaft, Gesellschaft,
       Politik und Öffentlichkeit ins Zentrum seiner Überlegungen.
       
       „Technologie kann heilen, verbinden, bilden und unser gemeinsames Haus
       schützen, aber sie kann auch spalten, ausgrenzen und neue Ungerechtigkeiten
       hervorbringen“, verkündet der Papst gleich zu Beginn: „Abstrakt betrachtet
       ist sie per se weder eine Lösung für die Probleme der Menschheit noch ein
       Übel. Konkret betrachtet aber ist sie nicht neutral, weil sie die Züge
       derer annimmt, die sie konzipieren, finanzieren, regulieren und nutzen.“
       
       Bibelfest wie er ist, greift Prevost zu zwei Bildern, um die möglichen Wege
       der Menschheit in die KI-Zukunft zu beschreiben: den Turmbau zu Babel und
       die Wiedererrichtung der Mauern von Jerusalem – Hybris oder Heilung, das
       gigantische, am Ende scheiternde Werk einerseits, andererseits eine
       Gemeinschaftstat mit segensreichen Folgen.
       
       ## Vielreiche Risiken
       
       Zwar fallen die Namen von Peter Thiel oder Elon Musk, von Google, Meta oder
       ChatGPT an keiner Stelle der Enzyklika. Doch wo er das Babel-Risiko sieht,
       schweigt Leo XIV. nicht: „Im digitalen Bereich liegt die Kontrolle über
       Plattformen, Infrastrukturen, Daten und Rechenleistung in vielen Fällen
       nicht in der Hand der Staaten, sondern von großen wirtschaftlichen und
       technologischen Akteuren, die de facto die Zugangsbedingungen, die Regeln
       der Sichtbarkeit und die Möglichkeiten der Teilhabe selbst festlegen.“
       
       Damit, so der Papst, bestehe die Gefahr, dass die KI „undurchsichtig wird
       und sich der öffentlichen Kontrolle entzieht“, und dies erhöhe „das Risiko
       einer schiefen Entwicklung, die neue Abhängigkeiten, Ausgrenzungen,
       Manipulationen und Ungerechtigkeit erzeugt“.
       
       Mittlerweile dringt KI in alle Bereiche vor, warnt der Papst, und bringt
       zahlreiche Risiken mit sich – angefangen bei der Umwelt, [3][weil
       Rechenzentren enorm viel Energie verbrauchen]. Doch die Liste der Gefahren
       und Nebenwirkungen endet hier nicht. So sei es fatal, wenn sensible
       Entscheidungen, ob bei der Job- oder der Kreditvergabe, „vollständig
       automatisierten Systemen überlassen werden“, fatal auch, „wenn KI-Systeme,
       die sich neutral und objektiv geben, Stereotypen oder ideologische
       Standpunkte ihrer Entwickler und Programmierer widerspiegeln und
       verstärken“.
       
       „Eine einfache, aber zwingende Konsequenz“ liege deshalb auf der Hand: „Wir
       können KI nicht als moralisch neutral betrachten.“ Deshalb bedürfe es
       „angemessener rechtlicher Rahmenbedingungen, unabhängiger Aufsicht,
       Aufklärung der Nutzer und einer Politik, die sich nicht ihrer Aufgabe
       entzieht“, denn anderenfalls drohe uns, „dass Regeln durchgesetzt werden,
       die von denjenigen diktiert werden, die über Daten, Infrastruktur und
       Rechenkapazitäten verfügen“.
       
       Deshalb fordert der Papst etwa einen Ethikkodex, der auch soziale
       Gerechtigkeit berücksichtigt. Um die drohende Macht weniger Tech-Oligarchen
       zu verhindern, verlangt er wirksame Kontrollen und Regeln, die verhindern,
       dass Daten privates Eigentum werden, statt „ein gemeinsames oder
       kollektives Gut“ zu bleiben. Dringend nötig sei auch eine neue „Ökologie
       der Kommunikation“. Deshalb, so Leo XIV., müssen wir „die KI entwaffnen“,
       sie den Monopolen entziehen: „Entwaffnen bedeutet nicht, auf die
       Technologie zu verzichten, sondern zu verhindern, dass sie den Menschen
       beherrscht.“
       
       25 May 2026
       
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