# taz.de -- Im Nachtzug von Prag bis in die Ukraine: Mit dem gelben Zug nach Transkarpatien
> Die wohl bequemste Reiseroute in den Westen der Ukraine: Mit dem Nachtzug
> geht es ohne Umsteigen von Prag bis nach Tschop in Transkarpatien.
(IMG) Bild: Der Nachtzug von Prag nach Tschop (Chop) in Transkarpatien verkehrt einmal täglich um 21.45 Uhr, in die Gegenrichtung um 17.35 Uhr
Für Passagiere gibt es seit Februar 2022 – abgesehen von einigen wenigen
Fußgänger- und Fahrradübergängen – nur zwei Möglichkeiten in die Ukraine
einzureisen: auf dem Straßen- oder dem Schienenweg. Der Flugverkehr ist
[1][infolge der russischen Angriffe] vollständig eingestellt. Der Nachtzug
von Prag nach Tschop (Chop) in Transkarpatien – der westlichsten Stadt der
Ukraine – verkehrt einmal täglich um 21.45 Uhr, in die Gegenrichtung um
17.35 Uhr. Nach diversen Fahrten in die Ukraine mit Auto, Bus und Bahn kann
ich bestätigen: Diese Verbindung ist die komfortabelste Option, um in den
Westen des Landes zu gelangen.
Anders als am polnischen Grenzbahnhof Przemyśl müssen Reisende nicht bei
Wind und Wetter im Freien in der Schlange zur Passkontrolle anstehen. Es
handelt sich um eine Direktverbindung, bei der keine zeitaufwendige
Anpassung der Spurweite nötig ist, da die europäische Normalspur bis nach
Tschop reicht. Die Strecke wird vom [2][tschechischen privaten
Verkehrsunternehmen RegioJet] mit seinen markanten gelben Zügen bedient.
Tickets sollten am besten mehrere Wochen im Voraus über die App gebucht
werden, da die Liegeplätze im Viererabteil schnell ausverkauft sind. Zwei
Wochen vor Abfahrt ergattere ich noch den letzten und muss glücklicherweise
nicht sitzen.
Die laut Fahrplan zwölfstündige Fahrt kostet knapp 50 Euro, wahlweise im
Frauen- oder gemischten Viererabteil. Der lange gelbe Zug fährt frühzeitig
in den Prager Hauptbahnhof ein, sodass Passagiere entspannt direkt am Gleis
in den richtigen Wagen einsteigen können. Bettwäsche ist im Preis
enthalten, ebenso eine kleine Flasche Wasser und wahlweise ein verpacktes
Croissant oder ein Orangensaft. Entgegen den Angaben in der Broschüre gibt
es jedoch weder kalte noch warme Speisen. Immerhin sind diverse Getränke zu
günstigen Preisen erhältlich. Ich bestelle mir in der RegioJet-App einen
Tee für umgerechnet einen halben Euro.
Positiv überrascht mich, dass die (mit Duftstäbchen ausgestatteten!)
Toiletten und die von diesen abgetrennten Waschbereiche des Schlafwagens
die ganze Fahrt über sauber gehalten werden. Ein Handtuch ist – anders als
beim ukrainischen staatlichen Eisenbahnunternehmen Ukrzaliznytsia – nicht
Teil der Bettwäsche. Dafür stehen ausreichend Papiertücher zur Verfügung.
## Im Dunklen durch die Hohe Tatra
Gegen 23 Uhr kehrt Ruhe ein, die Reisenden machen sich bereit für den
Schlaf. Die Abteile lassen sich von innen abschließen, an zwei Steckdosen
können Geräte aufgeladen werden. Der gelbe Zug tuckert ostwärts quer durch
die [3][Tschechische Republik] und weiter durch die Slowakei, wo er die
pittoreske Strecke durch die Hohe Tatra entlangfährt. Das sanfte Ruckeln
wiegt mich in den Schlaf, sodass ich die schneebedeckten Gipfel verpasse –
es wäre wohl ohnehin noch zu dunkel, um sie in den frühen Morgenstunden
auszumachen.
Kurz vor sechs Uhr weckt eine Lautsprecheransage die Fahrgäste und kündigt
das im Ticket enthaltene Frühstück an. Ich trinke meinen Kaffee, während
die bewaldeten Berghänge der nicht minder malerischen Niederen Tatra am
Fenster vorbeiziehen. Bald erreicht der Zug die ostslowakische Stadt
Košice, wo etwa die Hälfte der Waggons endet. Der restliche Zug inklusive
der Schlafwagen fährt weiter in Richtung Ukraine.
Nach etwa einer Stunde ist der slowakische Grenzpunkt erreicht. Die
Passkontrolle erfolgt bequem im Zug, doch an diesem Tag dauert der Vorgang
etwas länger als geplant. Die Weiterfahrt verzögert sich zusätzlich, da die
Lokomotive, die uns von der Grenze nach Tschop bringen soll, auf sich
warten lässt. Insgesamt entsteht so eine Verspätung von 70 Minuten.
Die ukrainische Passkontrolle, die im Bahnhofsgebäude von Tschop
stattfindet, verläuft dafür erstaunlich zügig. Von dort aus können Reisende
leicht per Taxi oder Minibus in die transkarpatische Hauptstadt Uschhorod
weiterfahren. Gerade zu dieser Jahreszeit ist sie mit ihren 2.000 blühenden
japanischen Kirschbäumen einen Zwischenstopp wert. Von Uschhorod aus gibt
es Zugverbindungen in diverse Landesteile – nach Lwiw, Kyjiw, Odessa,
Dnipro und Charkiw.
12 May 2026
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## AUTOREN
(DIR) Yelizaveta Landenberger
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