# taz.de -- Zukunft des Heizens: Großstädte setzen auf Wärmepumpen und Fernwärme
> Die Umweltorganisation BUND hat die Wärmepläne von 38 Großstädten
> untersucht. Die Mehrheit hat sich in Richtung Erneuerbare aufgemacht.
(IMG) Bild: Auch Sachsens Landeshauptstadt Dresden strebt eine „sichere, bezahlbare und klimaneutrale Wärmeversorgung“ an
Die Mehrzahl der Großstädte setzt in Sachen Wärmeversorgung vor allem auf
Wärmepumpen und Fernwärme. Das geht aus den Wärmeplänen von 38 Großstädten
hervor, die das Heidelberger Institut für Energie- und Umweltforschung
(Ifeu) im Auftrag desr Umweltorganisation BUND untersucht hat. Diese Städte
haben schon jetzt ihre Planung für ihre künftige Wärmeversorgung
vorgestellt, gesetzlich verpflichtet sind sie dazu bis zum Ende Juni.
[1][Am Montag wurde die Studie in Berlin vorgestellt.]
Demnach planen diese Kommunen, knapp die Hälfte ihres Wärmebedarfs in
Zukunft mit Fernwärme zu decken. 38 Prozent sollen mit dezentralen
Wärmepumpen erzeugt werden.
Die Stichprobe erfasst 9,6 Millionen Menschen und damit rund 11,5 Prozent
der deutschen Gesamtbevölkerung; in den 38 Städten stehen 1,45 Millionen
Wohngebäude – 7,5 Prozent des Gesamtbestands an Gebäuden – sowie 5,2
Millionen Wohnungen. Bis jetzt trägt dieser Bestand ein „schweres fossiles
Erbe“ mit sich, sagt Jan Warode, beim BUND für die Wärmewende zuständig.
Derzeit tragen Fernwärmenetze nur ein Fünftel des Energiebedarfs bei, der
zum Heizen notwendig ist. Die überwiegende Mehrheit, nämlich 59 Prozent der
Wohnungen und Häuser, wird mit Erdgas beheizt, elf Prozent mit Erdöl. Aus
den Daten der Städte geht überwiegend nicht hervor, wieviel Erdgas heute
genau in ihrer Fernwärmeversorgung steckt. Grundsätzlich lasse sich aber
festhalten, dass Stand 2023 fast die Hälfte der Nettowärmeerzeugung der
Wärmenetze aus Erdgas stammte, so der BUND.
## Keine Zukunft für teures Biogas
[2][Auch hier komme auf die Betreiber also eine erhebliche Aufgabe zur
Dekarbonisierung zu]. Auf welche Energieträger die Städte künftig in ihren
Wärmenetzen setzen wollen, bleibt in den vorliegenden Wärmeplänen
allerdings größtenteils unklar. Zahlen dazu müssen die Betreiber von
Wärmenetzen erst bis Ende Dezember 2026 vorlegen.
„Die Wärmewende nimmt auf kommunaler Ebene Gestalt an“, sagt Tina
Löffelsend, Abteilungsleiterin Klimaschutz beim BUND. „In den von uns
untersuchten Großstädten zeigt sich: Der Großteil sieht weder für fossile
Energie noch für teure ‚Bio-Gase‘ eine Zukunft im Heizungskeller.“ Diesem
erfreulichen Ergebnis stünden allerdings die eher unkonkreten Planungen für
einen Ausstieg aus den Gasnetzen entgegen.
Denn das Gasverteilnetz, das in den Städten Erdgas zu den Endverbrauchern
bringt, müsste abschnittsweise stillgelegt werden, wenn immer mehr Kunden
Wärmepumpen einbauen oder Fernwärme beziehen. Für Städte und Stadtwerke
keine attraktive Aussicht, denn noch verdienen sie mit dem Verkauf von Gas
und mit Netzentgelten gutes Geld, mit dem sie etwa den Betrieb von
Schwimmhallen oder den Öffentlichen Nahverkehr querfinanzieren können.
Eine zusätzliche Bremse, konkrete Überlegungen für eine Stilllegung des
Netzes anzustellen, sei die aktuelle Gesetzgebung der Bundesregierung,
kritisieren Ifeu und BUND. In ihrem Gebäudemodernisierungsgesetz will
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) offen lassen, wie lange
Gas- und Ölheizungen noch eingebaut werden dürfen. Vorgesehen hingegen sind
steigende Quoten, mit denen dem Erdgas Methan aus Biogas beigemischt wird,
die sogenannte „Biotreppe“. Lassen sich die Großstädte von diesem Gesetz
leiten, müssen sie weiter ein Gasnetz vorhalten.
„Konkrete Zeitpläne sind ein wichtiger Schritt“, kommentiert Kerstin
Andreae, Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbands der
Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Die Regierung mache die Stilllegung
aber von der durchgeleiteten Gasmenge abhängig. Das sei nicht zielführend.
„Wir brauchen jetzt Klarheit, die Menschen sind verunsichert“, sagt auch
Constantin Zerger, Bereichsleiter Klimaschutz der Deutschen Umwelthilfe
(DUH). Vor allem in vielen Mietshäusern drohten weiter Gasheizungen
eingebaut zu werden, obwohl es bessere Alternativen gäbe. „Ordnungsrecht
und verbindliche Regeln müssen hier den Weg weisen“, sagt Zerger, „deshalb
ist es so fatal, dass Reiche das Betriebsverbot für Öl- und Gaskessel
aufheben will“.
## Immer weniger Gaskunden teilen sich hohe Kosten
Einige Städte haben sich allerdings schon selbst auf den Weg gemacht und
ihren Bewohnern reinen Wein eingeschenkt. „Den angestrebten Rückzug aus dem
Gasverteilnetz sollten Hauseigentümer und Gewerbekunden bei einer
Entscheidung für ihre künftige Wärmeversorgung berücksichtigen“, heißt es
auf der Website des Mannheimer Energieversorgungsunternehmens MVV Netze,
„Fossiles Gas als Energieträger ist keine zukunftsfeste Option, sondern mit
erheblichen Risiken behaftet“.
Gasnetze bewegten sich in eine Todesspirale, sagt Zerger von der DUH. Je
mehr Kunden sich von der Gasversorgung abmeldeten, weil sie auf Wärmepumpen
oder Fernwärme umstiegen, auf desto weniger Kunden verteilten sich die
Kosten für Instandhaltung und Ertüchtigung der Netze für Biomethan oder gar
Wasserstoff.
11 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.bund.net/fileadmin/user_upload_bund/publikationen/energiewende/kommunale-waermewende-waermeplaene-grossstaedte-gasausstieg-erdgas-waermepumpen-waermenetze-dekarbonisierung-gebaeudemodernisierungsgesetz-bund-2026.pdf
(DIR) [2] /Knappe-Kassen/!6165341
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