# taz.de -- +++ Nachrichten im Ukraine-Krieg +++: Putin will, dass Schröder vermittelt
       
       > Putin bringt einen alten Freund als Vermittler ins Spiel: Altkanzler
       > Schröder. Außerdem sagte er, dass er in Moskau zu Gesprächen mit
       > Selenskyj bereit sei.
       
 (IMG) Bild: Kremlchef Wladimir Putin bei einer Pressekonferenz am 9. Mai in Moskau
       
       ## Kremlchef sieht mögliches Kriegsende in naher Zukunft
       
       Kreml-Chef Wladimir Putin äußerte sich nach der Militärparade zum
       [1][Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkriegs in Moskau] über ein
       mögliches Ende des Ukraine-Kriegs. Der Konflikt „neigt sich dem Ende zu“,
       sagte der russische Staatschef. Zugleich prangerte er die Unterstützung des
       Westens für die Ukraine an.
       
       Die [2][traditionelle Militärparade in Moskau] wurde in deutlich
       bescheidenerem Umfang abgehalten als in den vergangenen Jahren. Zum ersten
       Mal seit fast 20 Jahren fuhren keine Panzer oder anderes schweres
       militärisches Gerät auf. In seiner Rede vor mehreren hundert Soldaten
       verglich Putin den Kampf gegen die Ukraine mit dem damaligen Krieg gegen
       Nazi-Deutschland.
       
       Der heutige Gegner seien „aggressive“, „von der gesamten Nato“ unterstützte
       Streitkräfte, sagte der Kreml-Chef. Die „große Leistung“ der Roten Armee
       inspiriere die heutigen Soldaten bei ihrem Einsatz in der Ukraine. Er sei
       „zutiefst überzeugt, dass unsere Sache gerecht ist“, fügte der russische
       Staatschef hinzu. „Der Sieg war unser und er wird es immer sein“, betonte
       Putin.
       
       Nach der Parade spekulierte der Kreml-Chef über ein mögliches Ende des
       Ukraine-Kriegs. Er übte scharfe Kritik an der Unterstützung westlicher
       Länder für die Ukraine. „Sie haben damit begonnen, die Konfrontation mit
       Russland zu verschärfen, die bis heute andauert“, sagte er zu Journalisten.
       „Ich denke, es (der Konflikt) neigt sich dem Ende zu, aber es ist nach wie
       vor eine ernste Angelegenheit.“ (afp)
       
       ## Putin bringt Altkanzler Schröder als Vermittler ins Gespräch
       
       Kremlchef Wladimir Putin hat den seit Langem mit ihm befreundeten
       Altkanzler Gerhard Schröder als Vermittler im Krieg zwischen Russland und
       der Ukraine ins Spiel gebracht. Obwohl sich die USA um Vermittlung bemüht
       hätten, könne er sich von europäischer Seite den früheren SPD-Chef als
       Vermittler vorstellen, sagte Putin am Abend bei einer außerordentlichen
       Pressekonferenz nach der Siegesparade zum Ende des Zweiten Weltkriegs in
       Moskau. „Von allen europäischen Politikern würde ich Gespräche mit Schröder
       bevorzugen.“
       
       Putin betonte, dass eine friedliche Lösung des Konflikts Sache der Ukraine
       und Russlands sei. „Aber wenn jemand helfen möchte, sind wir dafür
       dankbar.“
       
       Der mittlerweile 82 Jahre alte Sozialdemokrat Schröder, der von 1998 bis
       2005 Kanzler war, steht seit Jahren wegen seiner Freundschaft zu Putin und
       Tätigkeiten für russische Öl- und Gaskonzerne in der Kritik – auch
       innerhalb seiner eigenen Partei. Zuletzt hatte er Russlands Angriffskrieg
       gegen die Ukraine Ende Januar in einem Gastbeitrag für die Berliner Zeitung
       als völkerrechtswidrig bezeichnet und zugleich nachgeschoben: „Ich bin aber
       auch gegen die Dämonisierung Russlands als ewiger Feind.“ Auch plädierte
       Schröder für die Wiederaufnahme von Energielieferungen aus Russland.
       
       Schröder war nach seinem Ausscheiden aus der Politik lange Jahre für
       russische Energiekonzerne aktiv, unter anderem als Präsident des
       Verwaltungsrats der Nord Stream 2 AG, einer Tochtergesellschaft des
       russischen Energiekonzerns Gazprom. Die Pipeline wurde Ende 2021
       fertiggestellt, ging aber wegen des russischen Überfalls auf die Ukraine im
       Februar 2022 nicht in Betrieb – die Bundesregierung unter dem damaligen
       Kanzler Olaf Scholz (SPD) versagte die Betriebsgenehmigung. (dpa)
       
       ## Putin zu Gesprächen mit Selenskyj bereit – in Moskau
       
       Putin machte in der Pressekonferenz weiter deutlich, er sei auch bereit zu
       direkten Gesprächen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj.
       „Wer sich mit mir treffen will, muss nach Moskau kommen“, sagte Putin
       allerdings. Ein Treffen an einem anderen Ort sei auch möglich, „aber nur
       wenn zuvor eine langfristige Friedensvereinbarung getroffen wurde“.
       Selenskyj schließt eine Reise nach Moskau aus. (dpa)
       
       ## Putin: Referendum über Armeniens EU-Beitritt wäre „logisch“
       
       Nach einem [3][europäischen Gipfeltreffen in Armenien] Anfang der Woche hat
       Russlands Präsident Wladimir Putin sich zu einem möglichen EU-Beitritt der
       seit Langem mit Russland verbündeten Ex-Sowjetrepublik geäußert. „Es wäre
       völlig logisch, ein Referendum abzuhalten und die armenischen Bürger zu
       fragen, wie ihre Entscheidung ausfallen würde“, sagte Putin am Samstag bei
       einer Pressekonferenz auf Nachfrage. „Auf dieser Grundlage würden wir dann
       auch unsere eigene Entscheidung treffen“, fügte er hinzu.
       
       Der Kremlchef sprach von der Möglichkeit einer „sanften, zivilisierten und
       für beide Seiten vorteilhaften Trennung“. Er zog auch Parallelen zur
       Ukraine: „Wir alle sehen gerade alles, was sich in Richtung Ukraine
       abspielt. Aber wie hat das alles angefangen? Mit dem Versuch der Ukraine,
       der EU beizutreten“, betonte Putin.
       
       Eriwan hatte 2024 seine Mitgliedschaft im von Russland geführten
       Militärbündnis OVKS gekündigt, nachdem Moskau Armenien in seinem Konflikt
       mit Aserbaidschan nicht verteidigt hatte. Armenien bekundete zudem
       Interesse an einem EU-Beitritt, was den Kreml verärgerte.
       
       Am Montag hatte Armenien dutzende Staats- und Regierungschefs anlässlich
       des Gipfels der Europäischen Politischen Gemeinschaft (EPG) empfangen,
       darunter auch den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Nach dem
       EPG-Gipfel fand in Eriwan am Dienstag dann ein Gipfeltreffen zwischen der
       EU und Armenien statt. Der Besuch Selenskyjs in Eriwan „empörte“ Moskau. Es
       sei „kategorisch inakzeptabel“, dass Armenien Selenskyj „bei den jüngsten
       von der EU geförderten Veranstaltungen eine Plattform geboten hat“,
       erklärte das russische Außenministerium. (afp)
       
       ## Siegesparade verläuft störungsfrei
       
       Angesichts einer von US-Präsident Donald Trump vermittelten dreitägigen
       Waffenruhe konnte Putin seine Militärparade am Samstag störungsfrei
       durchziehen. Die befürchteten Drohnenangriffe von ukrainischer Seite
       blieben aus. In seiner Rede vor Tausenden Soldaten und einigen
       internationalen Gästen zeigte sich Putin sicher, dass Russlands Armee den
       Angriffskrieg gegen die Ukraine gewinnen wird.
       
       Russland feiert am 9. Mai traditionell den Tag des Sieges der Sowjetunion
       über Nazi-Deutschland. Wegen der gespannten Sicherheitslage – und
       möglicherweise auch wegen des kriegsbedingt reduzierten Arsenals – gab es
       diesmal nicht die übliche Waffenschau mit Panzern, Raketen und anderer
       Militärtechnik.
       
       Bisher ist auch im fünften Jahr der Invasion nicht erkennbar, wie Putin
       seine Kriegsziele in der Ukraine erreichen will. Die abgespeckte
       Militärparade gilt als Spiegelbild der Lage in seinem Krieg. Die russischen
       Truppen sind durch die Gegenwehr der vom Westen unterstützten Ukraine
       zunehmend unter Druck. (dpa)
       
       ## Beide Seiten werfen sich Verstöße gegen Waffenruhe vor
       
       Beide Seiten warfen sich Verstöße gegen die bis 11. Mai dauernde Waffenruhe
       vor. Das russische Verteidigungsministerium warf den ukrainischen
       Streitkräften vor, diese hätten mit Drohnen und Artillerie russische
       Positionen und auch zivile Objekte angegriffen. Betroffen gewesen seien
       unter anderem die Gebiete Kaluga, Tula, Smolensk, Kursk, Brjansk und
       Belgorod sowie im Süden die Teilrepublik Tschetschenien und die Regionen
       Stawropol und Krasnodar.
       
       Auch der ukrainische Generalstab beklagte nach Beginn der Waffenruhe
       Angriffe von russischer Seite vor allem in den umkämpften Regionen im
       Donbass. Überprüfbar sind die Angaben der Kriegsparteien von unabhängiger
       Seite nicht. Auch bei allen bisherigen Waffenruhen haben sich Kyjiw und
       Moskau immer wieder massenhaft Verstöße vorgeworfen.
       
       ## Fico verteidigt Teilnahme an Weltkriegsgedenken in Moskau
       
       Derweil verteidigte der slowakische Ministerpräsident Robert Fico seine von
       anderen EU-Ländern kritisierte Teilnahme am Weltkriegsgedenken in Moskau
       und rief zur neuerlichen Zusammenarbeit Europas mit Russland auf. „Ich
       lehne einen neuen Eisernen Vorhang zwischen der EU und Russland ab“, sagte
       der Linksnationalist in einem Facebook-Video auf dem Rückflug aus Moskau
       nach Bratislava. Er und seine Regierung hätten „Interesse an normalen
       freundschaftlichen und gegenseitig vorteilhaften Beziehungen“ zur Großmacht
       Russland ebenso wie zu allen anderen Ländern, die daran interessiert seien.
       
       Die Slowakei ist noch immer weitgehend von russischen Öllieferungen
       abhängig. Für die wirtschaftlichen Probleme des Landes macht Ficos
       Regierung die Ukraine mitverantwortlich, weil sie zum Jahresbeginn 2025 die
       Durchleitung von russischem Gas über ihr Territorium stoppte.
       
       Fico war der einzige Gast aus der Europäischen Union, der am Tag des
       Weltkriegsgedenkens im Kreml empfangen wurde. Putin sicherte ihm zu, dass
       Russland alles tun werde, um den Energiebedarf der Slowakei zu erfüllen.
       (dpa)
       
       ## Feuerwehr kämpft weiter gegen Brand in Tschornobyl-Sperrzone
       
       Hunderte Feuerwehrleute kämpfen weiter gegen einen Waldbrand in der
       radioaktiv belasteten Sperrzone um das ehemalige Atomkraftwerk Tschornobyl
       in der Ukraine an. Das nach ukrainischen Angaben durch zwei russische
       Drohnen am Donnerstag ausgelöste Feuer hat inzwischen mehr als 1.200 Hektar
       erfasst, wie die Behörden mitteilten. Insgesamt waren 374 Personen an den
       Löscharbeiten beteiligt. „Die Lage ist vollständig unter Kontrolle“,
       versicherte der Zivilschutz. Die Agentur Ukrinform berichtete unterdessen,
       dass von dem Brand keine radioaktive Gefahr ausgehe. (dpa)
       
       ## Feuerpause in der Ukraine wird zur Truppenrotation genutzt
       
       Sowohl die russischen als auch die ukrainischen Streitkräfte nutzen nach
       Angaben aus Kyjiw die aktuelle Feuerpause zum Heranführen von Verstärkungen
       sowie zur Rotation ihrer Truppen. Daneben würden auch neue Waffen und
       Munition an die Frontlinien herangebracht, sagte der ukrainische
       Armee-Pressesprecher Viktor Trehubow im Fernsehen. „Sie (die Russen) nehmen
       heute tatsächlich eine Pause und nutzen diese zum Heranfahren von
       Verstärkungen, zur Rotation sowie zur Wiederherstellung ihrer
       Offensivmöglichkeiten.“ Ähnliches geschehe auch auf ukrainischer Seite.
       
       Die Lage an den Fronten sei vorerst ruhig. „Im Moment ist alles normal“,
       sagte Trehubow. Zwar gebe es noch einzelne Kämpfe, doch seien diese
       deutlich weniger intensiv. Es sei „eine Art Ruhetag“ eingetreten.
       Vermutlich wollten die russischen Militärs während der Siegesparade zum
       Ende des Zweiten Weltkriegs in Moskau keine Zwischenfälle provozieren.
       (dpa)
       
       10 May 2026
       
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