# taz.de -- Schulstreik gegen den Wehrdienst: „Die Reichen wollen Krieg, die Jungen eine Zukunft“
> Vor 81 Jahren wurde am 8. Mai der Zweite Weltkrieg beendet. Jetzt
> demonstrieren Schüler*innen am gleichen Tag und fordern eine
> Entmilitarisierung.
(IMG) Bild: Vergangenheit und Gegenwart zusammenbringen: Schulstreik gegen die Wehrpflicht
„Frieden statt Friedrich“, „Ich will studieren statt salutieren“ und
„Vaterlandsloser Geselle – ich fronte Eure Front!“. Schilder wie diese sind
am Freitag am Brandenburger Tor zu sehen. Schülerinnen und Schüler sind zum
Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs auf die Straße gegangen. Ihr
Motto: „Nie wieder Krieg. Demo gegen Wehrpflicht“.
Von vermummten jungen Männern und Frauen, die komplett in schwarz gekleidet
sind, „FCK NZS“-Aufklebern auf T-Shirts, Kufiyas in Pink und den
Antifaschisten Aktion Logos auf Jutebeuteln sind vor allem junge Menschen
zur Demonstration gekommen, um gegen die Militarisierung und die
Wehrpflicht zu demonstrieren. Die Polizei spricht von 1.200
Teilnehmer*innen, die Veranstalter von 5.000. Der Protest endete vor der
CDU-Parteizentrale.
Aufgerufen hat das Schulstreikkomitee. Unterstützt wird es von der
Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Berlin, der Deutsche
Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG VK), der
International Physicians for the Prevention of Nuclear War (IPPNW) und
weiteren Organisationen.
„Ich finde es zwar richtig, dass Deutschland sich verteidigen will, aber es
ist nicht okay, wenn man dazu gezwungen wird“, erzählt die 13-jährige Salma
bevor die Demo losgeht. Sie hält ein Schild in der Hand auf dem
„Verteidigen ja, Zwang nein“ steht.
Als die Demonstration beginnt, betont eine Sprecherin zunächst, dass „miese
Sprüche gegen Merz“ heute nicht erlaubt sein. Daher rufen alle zusammen:
„Die Reichen wollen Krieg, die Jungen eine Zukunft“. Wenige Minuten später
meldet sich die Sprecherin noch einmal zu Wort. Sprüche gegen Merz seien
doch nicht verboten. Prompt brüllen die Schüler*innen im Chor „Merz leck
Eier“. Vor allem männliche Stimmen sind lautstark zu vernehmen.
## 250 Euro Bußgeld für unbeantworteten Fragebogen
„Junge Menschen sollen gezwungen werden, an die Front zu gehen, aber für
uns wird kaum was getan“, sagt Ruben, 18 Jahre alt. „Wir haben marode
Schultoiletten, uns wird der Kulturpass weggenommen, aber dafür sollen wir
an die Front“, beschwert er sich.
Einen Fragebogen hat Ruben noch nicht erhalten. Er ist Jahrgang 2007, die
Fragebögen werden an junge Männer und Frauen geschickt, die im Jahr 2008
geboren wurden. Aber seine Freunde hätten bereits Fragebögen erhalten, sagt
er. Sie seien verunsichert.
Seit Januar 2026 erhalten 18-Jährige einen Fragebogen von der Bundeswehr.
Dort sollen sie beantworten, ob sie einen freiwilligen Wehrdienst leisten
würden. Männer müssen den Fragebogen beantworten, bei Frauen ist das
freiwillig. [1][28 Prozent der Männer würden den Fragebogen jedoch nicht
beantworten]. Wegen des neuen Wehrdienstgesetzes bleibt eine unbeantworte
Rückmeldung nicht ohne Folgen. Vier Wochen hat man Zeit für die Antwort.
Bleibt die aus, gibt es eine Mahnung. Danach erwartet die jungen Männer ein
Bußgeld in Höhe von 250 Euro.
„Das sind nicht unsere Interessen. Warum sollte ich mich verpflichten, wenn
doch angebeblich alles so freiwillig sein soll“, beschwert sich ein
17-Jähriger. Sein Freund Malek, ebenfalls 17, pflichtet ihm bei. Zum
Bußgeld sagt Malek: „Wen trifft denn am Ende das Bußgeld? Natürlich wieder
die Menschen, die sich das nicht leisten können.“
## Unterschiedliche Sichten auf den Gedenktag
Auf die Frage, wie sie den 8. Mai, die Kapitulation der Deutschen im
Zweiten Weltkrieg, mit ihrer heutigen Demo in Einklang bringen, antwortet
der Freund von Malek, dass es zwar indirekt was damit zu tun hätte. Aber
der Fokus liege heute auf der Demonstration gegen die Wehrpflicht. Auch die
13-jährige Salma sagt zu der Frage: „In dieser Zeit wurden ja auch Menschen
zu etwas gezwunken, was sie nicht wollten.“
„Ich werde nicht für Politiker in den Krieg ziehen und Menschen töten“,
sagt der 23-jährige Jannis. „Wir wissen alle, was das letzte Mal passiert
ist, als Deutschland so aufgerüstet hat.“ Die politischen Entwicklungen,
vor allem im Osten Deutschlands, machten ihm sorgen, erzählt er.
„Merz redet davon, dass Deutschland eine führende Militärmacht in Europa
werden soll. Dieser Tag ist ein sehr guter Moment, um uns daran zu
erinnern, was denn geschah, als Deutschland führende Militärmacht war“,
sagt der 15-jährige Aloja Waßmuth, Pressesprecher des Schulstreikkomitees
Berlin. „Nur wenn wir streiken und protestieren, haben wir eine Chance
ernstgenommen zu werden.“
Nicht weit entfernt vom Demo-Wagen ist Ferat Koçak, Mitglied des
Bundestages für die Linken. „Das ist ein Politisierungsmoment für viele
junge Menschen“, sagt er. Es sei ein Zeichen, dass Deutschland sich für
Frieden einsetzen muss und gegen eine Militärisierung.
8 May 2026
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## AUTOREN
(DIR) Albertina Pangula
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