# taz.de -- Protest gegen Rheinmetall: Der Hauptfeind steht im eigenen Kiez
       
       > Die Aktionäre des Rüstungskonzerns treffen sich zur digitalen
       > Hauptversammlung. Vor dem Pierburg-Werk im Wedding protestiert eine
       > wachsende Bewegung.
       
 (IMG) Bild: Des einen Leid ist des anderen Profit
       
       Für Deutschlands größten Rüstungskonzern Rheinmetall könnten die Zeiten
       keine besseren sein. Kriege und Kriegsangst beleben das Geschäft, eine
       Politik, die Aufrüstung zur obersten Maxime erklärt, eröffnet immer weitere
       Expansionsfelder. Kürzlich stieg der Konzern [1][in die Produktion von
       Kriegsschiffen ein], jüngst kündigte er an, alsbald auch Marschflugkörper
       herzustellen. Allein im ersten Quartal 2026 stieg der Umsatz um 8 Prozent
       auf 1,9 Milliarden Euro. Die Auftragsbücher sind auf Jahre gefüllt und
       haben ein Rekordvolumen von 73 Milliarden Euro erreicht.
       
       Für all jene, die als Aktionär:innen an dem Leid, das diese Waffen
       überall auf der Welt produzieren, mit verdienen, sind das gute Nachrichten.
       Auf der Aktionärs-Hauptversammlung am Dienstag winken Rekorddividenden. Zur
       Sicherheit vor Störaktionen findet das Treffen nur digital statt. Proteste
       wird es dennoch geben, so vor der Konzernzentrale in Düsseldorf, aber auch
       in Berlin vor dem ehemaligen Pierburg-Werk.
       
       [2][Der einstige Zulieferbetrieb der Automobilindustrie wird derzeit auf
       die Produktion von Bauteilen für Artilleriemunition umgestellt]. Aufgrund
       technischer Probleme etwa mit dem Hallenboden für die neue
       Produktionsanlagen ist der Umbau zuletzt ein wenig ins Stocken geraten,
       soll aber inzwischen kurz vor dem Abschluss stehen. Spätestens ab Sommer
       wird im Wedding Kriegsmaterial produziert. Aus Sicht von Rheinmetall ist
       der neue Produktionsstandort nur ein kleiner Baustein, allein in
       Niedersachsen seien die Kapazitäten für die Munitionsherstellung dreimal so
       groß, heißt es.
       
       Für Antimilitarist:innen in Berlin ist die Weddinger Waffenfabrik
       dennoch ein großes Thema. Das eigens gegründete „Berliner Bündnis gegen
       Waffenproduktion“ umfasst mehr als 30 Organisationen von
       antiimperialistischen und Propalästina-Gruppen über Teile der Linken und
       der Linksjugend bis hin zu Antifa-Gruppen und der Interventioniostischen
       Linken.
       
       ## Vielfältiger Protest
       
       Schon vor einem Jahr gingen mehr als 1.500 Menschen gegen die Pläne auf die
       Straße. Seitdem reißen die Protestaktionen nicht ab. Im März [3][besetzen
       palästinasolidarische Aktivist:innen das Fabrikdach] und kippten rote
       Farbe die weißen Wände herunter, um bildlich die Blutspur, die
       Rheinmetall-Waffen verursachen, zu symbolisieren. Schon mehrfach wurden die
       [4][Werkstore blockiert, zuletzt Mitte April].
       
       Am 10. und 11. Juni sollen die Proteste auf die nächste Stufe gehoben
       werden. Für die Aktionstage gegen den Start der Waffenproduktion sind
       „vielfältige Aktionen und eine bundesweite Demonstration angekündigt. Die
       Mobilisierung dafür läuft auf Hochtouren. Auf keiner linken Demo, ob am 1.
       Mai oder am vergangenen Freitag beim [5][Schulstreik gegen die
       Wehrpflicht], fehlen die Beiträge des Bündnisses. Argumentiert wird dabei,
       dass Aufrüstung und Armut, verfallene Infrastruktur oder Kürzungen im
       sozialen Bereich, unmittelbar zusammenhängen.
       
       Die erfolgreichen Schulstreiks, aber auch die Protest-Großerereignisse des
       Jahres zeigen: Das Thema Antimilitarismus ist – notgedrungen – wieder in
       den Vordergrund linker Interventionen gerückt. Die bereits lange aktive
       Kampagne Rheinmetall Entwaffnen etwa lädt im September zu mehrtägigen
       Großprotesten nach Köln, im selben Monat wird zudem gegen ein Nato-Manöver
       in Hamburg mobilgemacht. Während die alte Friedensbewegung nur noch in
       ihren Resten existiert und Schwierigkeiten hat, altes Freund-Feind-Denken
       aktuellen Entwicklungen anzupassen, wird der Aktivismus gegen
       Militarisierung und Krieg wieder agiler, jünger und zielgerichteter.
       
       Kundgebung 12. Mai, Rheinmetall-Werk am Humboldthain (Scheringstraße 2), 17
       Uhr
       
       10 May 2026
       
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