# taz.de -- Kreis Nordfriesland lehnt ab: Punk-Protestcamp auf Sylt zu unpolitisch für Behörden
> Kein Protestcamp auf Sylt? Der Kreis Nordfriesland stoppt die Pläne – er
> zweifelt am politischen Charakter. Die Organisatoren halten dagegen.
(IMG) Bild: Auf der Wiese nahe dem Sylter Flughafen hatten die Punks im vergangenen Jahr noch gecampt
dpa | In diesem Jahr könnte es erstmals seit 2022 kein [1][Punk-Protestcamp
auf Sylt] geben. Ein Antrag der Organisation „Aktion Sylt“ wurde vom Kreis
Nordfriesland abgelehnt. Man habe den Organisatoren mitgeteilt, „dass es
sich bei diesem Camp unserer Auffassung nach nicht um eine Versammlung im
Sinne des Versammlungsfreiheitsgesetzes handelt“, teilte ein Kreissprecher
mit. Grund sei, dass das gemeinsame Campen, nicht aber die gemeinsame
Meinungskundgabe im Vordergrund stehe. Zuvor hatte shz.de berichtet.
Nach Auffassung des Kreises sei das vom 19. Juli bis 16. August 2026 in
Tinnum geplante Camp überwiegend ein Schlaf- und Versorgungscamp und nicht
hauptsächlich eine Versammlung zur gemeinsamen politischen
Meinungsäußerung. „Zelte, Küchen und Duschen sind für die konkrete
Meinungskundgabe nicht unbedingt erforderlich, zumal es auf der Insel Sylt
zahlreiche Quartiere wie etwa Campingplätze oder Ferienwohnungen gibt, in
denen die Teilnehmer von Protestkundgebungen übernachten könnten.“
Das Camp solle nicht unmittelbar der Meinungskundgabe dienen, sondern vor
allem vielen Menschen die Teilnahme an anderen Protesten auf der Insel
erleichtern, teilte der Kreis weiter mit. „Das schließen wir insbesondere
aus den Erfahrungen beim letzten Protestcamp im Jahre 2025, bei dem der
Beherbergungscharakter im Vergleich zu den Vorjahren noch einmal stärker im
Vordergrund stand.“
## Rechtsmittel gegen Bescheid können eingelegt werden
Der Kreis Nordfriesland verweist darauf, dass das Bundesverwaltungsgericht
für eine ähnliche Veranstaltung – ein anlässlich des G-20-Gipfels in
[2][Hamburg] errichtetes Protestcamp mit Beherbergungsinfrastruktur – die
Versammlungseigenschaft verneint habe (Az. 6 C 4/23). Diese Entscheidung
lasse sich auf das Camp der Aktion Sylt übertragen, heißt es.
Einen entsprechenden Feststellungsbescheid hat der Kreis eigenen Angaben
zufolge am 21. April erlassen. Gegen diesen kann die „Aktion Sylt“
innerhalb eines Monats Rechtsmittel einlegen. Außerdem kann beim
Verwaltungsgericht ein Eilantrag gestellt werden. Bisher ist dies den
Kreisangaben zufolge aber noch nicht geschehen. Außerhalb einer Versammlung
ist das Übernachten auf der Festwiese nicht zulässig.
## Erstes Protestcamp 2022 sorgte bundesweit für Schlagzeilen
Einer der langjährigen Camp-Organisatoren sagte der Nachrichtenagentur dpa,
man sei dabei, den Widerspruch zu formulieren und einen Eilantrag zu
stellen. Seiner Ansicht nach führe der Kreis „wilde Gründe“ an. Das
G-20-Camp und das auf Sylt seien nicht zu vergleichen. So sei das Zelten
auf Sylt ein sehr wichtiger Teil des Protests und eben nicht nur zu
Übernachtungszwecken gedacht. Zudem bedeute es nicht, dass keine Punks nach
Sylt kämen, nur weil es kein Camp gebe. Es hätten schon einige angekündigt,
dennoch auf die Insel zu kommen.
[3][Mit dem 9-Euro-Ticket] waren im Sommer 2022 zahlreiche Punks aus ganz
Deutschland nach Sylt gereist und hatten unter anderem mit ihrem
Protestcamp [4][bundesweit für Schlagzeilen gesorgt]. Damals kampierten
rund 100 Punks in Zelten vor dem Rathaus in Westerland. Seit 2023 ist das
Camp weiter außerhalb auf dem Tinnumer Festplatz untergebracht.
6 May 2026
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