# taz.de -- Sportliches Missverhältnis: Meister werden nur die mit den anderen Bällen und Scheiben
> Berlin ist jetzt Meister im Eishockey und Volleyball, Alba und die Füchse
> liegen auch gut – aber im Fußball ist schon der Nicht-Abstieg eine
> Meldung.
(IMG) Bild: Spieler der Berlin Volleys jubeln nach dem Sieg über den Meistertitel nach dem Spiel am 6. 5. 26
Zum 10. Mal nacheinander deutscher Volleyballmeister bei den Männern. Zum
5. Mal binnen der letzten sechs Jahre beste deutsche Eishockymannschaft.
Wie um die Behauptung zu untermauern, die [1][Berlins gerade viel
diskutierte Olympiabewerbung] begleitet – die Sportmetropole überhaupt zu
sein –, haben die BR Volleys und die Eisbären just in time weitere Titel in
die Stadt geholt. Das einzige Manko: Die jeweils entscheidenden Spiele
gewannen sie auswärts und nicht in ihren Heimarenen – die Volleys
Mittwochabend laut RBB-Übertragung vor gut 50 mitgereisten eigenen Fans in
Lüneburg.
Die Kollegen vom Handball, die Füchse, hatten schon vorgelegt, wenn auch
nicht in der Meisterschaft wie 2025: Sie holten sich vor kaum drei Wochen
den Pokalsieg – und zogen Mittwochabend zudem zeitgleich zum
BR-Volleys-Sieg ins Champions-League-Halbfinale ein. Und die Basketballer
von Alba stehen kurz vor Beginn der Play-offs, der K.-o.-Phase um die
Deutsche Meisterschaft, auf Platz 2 der Bundesliga.
Im Volleyball, Handball, Basketball, Eishockey also ganz vorne – aber im
Fußball, der bundesweit populärsten Mannschaftssportart? Da war es dem
RBB-Inforadio am Montagmorgen bereits eine Meldung wert, dass
[2][Erstbundesligist Union] nicht mehr absteigen könne, weil Konkurrent
Wolfsburg in Freiburg nur einen Punkt holte und die Berliner darum nicht
mehr einholen kann. Wo die anderen Meisterschaften bejubeln, ist im
Hauptstadtfußball bloß der Klassenerhalt zu bejubeln und ein Wiederaufstieg
für Zweitligist Hertha BSC in weiter Ferne.
Wenn es andersherum wäre, ließe sich das nachvollziehen: Wo der Fußball
dominiert, bleiben oft nur die Sponsorenkrümel für den restlichen Sport
über. Nicht ohne Grund sind gerade im Handball erfolgreiche Teams in
kleineren Städten zu Hause, in denen es keine Profiliga-Fußballkonkurrenz
gibt – Gummersbach, Göppingen, Lemgo, Melsungen. Die Metropolen bleiben
oder dem Fußball vorbehalten.
## Zuletzt vor 95 Jahren Deutscher Fußballmeister
Die Fußball-Bundesliga aber ist unter Europas stärksten Ligen die einzige,
in denen die Hauptstadt keine Rolle spielt, ganz anders als in England,
Spanien, Frankreich und mit etwas Abstand Italien. In Rom liegt der jüngste
Meistertitel zwar auch schon 25 Jahre zurück – aber eben nicht 95 und damit
fast ein Jahrhundert wie in Berlin bei Herthas Titel 1931.
Als Gründe werden schon mal herangeführt, Berlin sei eine Stadt der
Zugezogenen, Hertha habe eine zu geringe Bindung, es gebe zudem keine
großen Konzernzentralen, die für die nötige Finanzkraft sorgen könnten. Und
dass im weiten Olympiastadion zu wenig Atmosphäre aufkomme, anders als bei
Union in seinem letztlich aber für große Ansprüche zu kleinen Stadion.
Das mag nicht wirklich zu überzeugen. Denn im Schnitt sind in jedem
Hertha-Spiel selbst in der 2. Liga zwei von drei Plätzen belegt, [3][mit
aktuell durchschnittlich fast 50.000 Zuschauern] wäre der Verein in der 1.
Liga auf Platz 8. Und was das angeblich fehlende Geld angeht, von dem
Bayern-München-Ikone Uli Hoeneß mal sagte, es schieße Tore: Wenn es einen
Titel dafür gebe, in kürzester Zeit so viel Geld wie möglich [4][für
folgenlose Spielereinkäufe] zu verbrennen, könnte sich Hertha,
zwischenzeitlich selbsternannter Weltstadtklub, große Hoffnungen darauf
machen.
Wenn es bei den anderen, meisterlichen Berliner Ballsportarten eine
Gemeinsamkeit gibt, dann ist es Konstanz in Management und
Geschäftsführung. Bei den BR Volley und bei Alba sind seit über 30 Jahren
dieselben Männer im Amt, Kaweh Niroomand und Mario Baldi, bei den Füchsen
ist das mit Bob Hanning immerhin auch schon seit zwei Jahrzehnten so.
## Konstanz im Management
Bei Hertha ist man davon weit entfernt – der aktuelle Geschäftsführer kam
2025 ins Amt. Der [5][sah im RBB-Interview] die Zukunft seines Vereins so:
„als soliden Bundesligisten, der auch immer wieder an europäische
Wettbewerbe anklopft“. Die Eisbären, Volleys, Füchse & Co werden
währenddessen mutmaßlich die nächsten Titel gewinnen.
7 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Senat-beschliesst-Konzept/!6176562
(DIR) [2] /Trainerinnenwechsel-bei-Union/!6169895
(DIR) [3] https://www.kicker.de/2-bundesliga/hertha-bsc/zuschauer
(DIR) [4] /Machtkampf-bei-Hertha-BSC/!5863320
(DIR) [5] https://www.rbb24.de/sport/beitrag/2025/12/hertha-bsc-interview-geschaeftsfuehrer-peter-goerlich.html
## AUTOREN
(DIR) Stefan Alberti
## TAGS
(DIR) Handball-Bundesliga
(DIR) Hertha BSC Berlin
(DIR) Basketball
(DIR) Eishockey
(DIR) Union Berlin
(DIR) Fußball-Bundesliga
(DIR) Volleyball
(DIR) Eishockey
(DIR) Schwerpunkt Olympische Spiele 2024
(DIR) Union Berlin
(DIR) Fußball
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Eishockey-WM der Männer: NHL-Star Drai fehlt
In der Schweiz beginnt am Freitag die Eishockey-WM, die Erwartungen an die
DEB-Auswahl sind niedrig. NHL-Stars fehlen und die Stimmung im Team ist
durchwachsen.
(DIR) Senat beschließt Konzept: Olympia goes Tempelhofer Feld
Nach den Vorstellungen der Landesregierung würden die Olympischen Spiele
auf dem Ex-Flughafengelände eröffnet. In der Waldbühne gäbe es Boxen.
(DIR) Trainerin Eta bei Union Berlin: Kümmerlich kleine Auswahl
Vor ihrem historischen Debüt bei den Männern von Union Berlin wird
Trainerin Eta wie eine Außerirdische beäugt. Dahinter steckt ein
Strukturproblem.
(DIR) Hertha in der Zweiten Bundesliga: Vom Hoffen und Leiden
Der 1.FC Kaiserslautern gewinnt in Berlin gegen Hertha und macht damit den
Aufstieg der Berliner mehr als unwahrscheinlich. Oder etwa doch nicht?