# taz.de -- Eishockey-WM der Männer: NHL-Star Drai fehlt
       
       > In der Schweiz beginnt am Freitag die Eishockey-WM, die Erwartungen an
       > die DEB-Auswahl sind niedrig. NHL-Stars fehlen und die Stimmung im Team
       > ist durchwachsen.
       
 (IMG) Bild: Hinter seinem Team: Bundestrainer Harold Kreis beim Länderspiel, das seine Mannschaft gegen die USA 2:5 verlor
       
       Im Eishockey findet jedes Jahr eine Weltmeisterschaft statt – aus diversen
       Gründen. Neben dem wirtschaftlichen Faktor mit Einnahmen aus Ticketing,
       TV-Rechten und Sponsoring geht es auch darum, das internationale Eishockey
       sichtbar zu halten. Die vollen Spielkalender der Ligen mit ihren
       Doppelrunden lassen kaum Raum für Länderspiele zwischendurch. In Zürich und
       Fribourg beginnt am Freitag die WM 2026. Für die deutsche
       Nationalmannschaft und Bundestrainer [1][Harold Kreis] hat das Turnier nach
       der olympischen Enttäuschung von Mailand im Februar wegweisenden Charakter.
       
       Bei Olympia scheiterte eine mit allen deutschen NHL-Spielern besetzte
       Auswahl um Starstürmer [2][Leon Draisaitl] im Viertelfinale deutlich mit
       2:6 an der Slowakei. Die Auftritte der Mannschaft waren insgesamt
       wesentlich weniger überzeugend, als angesichts der personellen Qualität
       erwartet worden war. Die Stimmung innerhalb der Mannschaft schien
       entsprechend gedrückt. Draisaitl sagte damals: „Ich glaube, dass wir zu
       lange gebraucht haben, um so wirklich zu finden, was wir sind als
       Mannschaft und wie wir spielen wollen.“ Das klang nach internen
       Unstimmigkeiten.
       
       In der Schweiz ist der 30-jährige Kölner nicht dabei. Zwar sind seine
       Edmonton Oilers in den gleichzeitig laufenden NHL-Playoffs bereits
       gescheitert, Draisaitl muss aber eine Verletzung auskurieren. Überhaupt gab
       es viele Absagen. Aus der NHL sind nur Verteidiger Moritz Seider (Detroit),
       die Stürmer Joshua Samanski (Edmonton) und Lukas Reichel sowie Torhüter
       Philipp Grubauer (Seattle) im DEB-Team. Vier Spieler – Torwart Jonas
       Stettmer (Berlin), die Abwehrleute Phillip Sinn (München) und Marcus Weber
       (Nürnberg) sowie Angreifer Samuel Dove-McFalls (Nürnberg) – geben ihr
       WM-Debüt.
       
       Die Erwartungen sind somit viel niedriger als in Mailand, und das dürfte
       nicht nur die Mannschaft, sondern auch Kreis entlasten. Auch wenn der
       67-jährige Deutsch-Kanadier, der seit 2023 im Amt ist, kürzlich erklärte,
       keinen speziellen Druck zu verspüren, stand die Nationalmannschaft doch
       schon besser da – vor allem wirkte ihre Ausstrahlung positiver.
       
       Kreis’ Vorgänger, [3][Marco Sturm] (2015 bis 2018) und [4][Toni Söderholm]
       (2018 bis 2022), schafften es, Aufbruchsstimmung zu erzeugen und den
       deutschen Spielern im internationalen Vergleich Selbstvertrauen zu geben,
       das sie vorher nicht hatten. „Das deutsche Eishockey war sehr lange sehr
       komplexbehaftet. Marco Sturm hat uns den Glauben an uns selbst
       zurückgegeben“, sagte der Kölner Moritz Müller einmal über den heutigen
       Cheftrainer der Boston Bruins, mit dem das DEB-Team 2018 in Pyeongchang das
       olympische Finale erreichte.
       
       ## Unmut über Harold Kreis
       
       Der Finne Söderholm, aktuell Coach des TPS Turku, vermittelte ebenfalls
       Begeisterung und stand für Entwicklung. Als der altgediente Vereinstrainer
       Kreis das Projekt Nationalmannschaft von dem Finnen übernahm, zog die
       Mannschaft 2023 in Finnland noch ins WM-Finale ein. Die Entwicklung scheint
       seither jedoch etwas ins Stocken geraten zu sein – eher wird das Erreichte
       unter Kreis verwaltet als weiterentwickelt. Bei der WM 2024 erreichte das
       Team noch das Viertelfinale, im vergangenen Jahr war nach der Gruppenphase
       Schluss. Und es gab Nebengeräusche, die man aus den Jahren zuvor nicht
       kannte.
       
       Da war die erwähnte Aussage Draisaitls. Oder auch die Geschichte mit
       Müller, dem Kreis in Mailand kommentarlos das Kapitänsamt wegnahm, das er
       jahrelang ausgefüllt hatte, um es Draisaitl zu verleihen, der sich nicht
       darum gerissen hatte. In der Schweiz ist Müller – nach eigener Aussage
       freiwillig – nicht auf dem Eis, sondern als TV-Kommentator im Einsatz. Dann
       trat im April der Straubinger Verteidiger [5][Marcel Brandt], Stammspieler
       bei Söderholm, aber von Kreis nie nominiert, aus der Nationalmannschaft
       zurück und beklagte sich über die Art des Umgangs: „Wenn Aussagen kommen
       von einem Bundestrainer wie: ‚Du hast mich die letzten drei Jahre nicht
       interessiert und ich habe dich nicht beobachtet oder generell geschaut, was
       du machst‘, dann ist das für mich Aussage genug.“
       
       Wenn man jetzt noch bedenkt, dass die WM 2027 in Düsseldorf und Mannheim
       gastiert, wird deutlich, dass positive Ereignisse dringend benötigt werden,
       um so etwas wie Vorfreude zu erzeugen. Die DEB-Mannschaft startet am
       Freitag (16.20 Uhr) in Zürich mit einer Partie gegen Finnland ins Turnier.
       Es folgen Gruppenspiele gegen Lettland (17. Mai), die Schweiz (18. Mai),
       die USA (20. Mai, alle 20.20 Uhr), Österreich (23. Mai, 20.20 Uhr), Ungarn
       (25. Mai, 16.20 Uhr) und Großbritannien (25. Mai, 20.20 Uhr). Für die
       angestrebte Viertelfinalqualifikation muss mindestens Rang vier erreicht
       werden.
       
       14 May 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Christiane Mitatselis
       
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