# taz.de -- Spielfilm „Rückkehr nach Ithaka“ auf DVD: Dieser Odysseus ist kein Held
> Regisseur Uberto Pasolini konzentriert sich in „Rückkehr nach Ithaka“ auf
> das Ende der Odyssee. Der Film wird intensiv dank Ralph Fiennes und
> Juliette Binoche.
(IMG) Bild: Arbeit am Totenkleid für Laertes: Penelope (Juliette Binoche) und Odysseus (Ralph Fiennes) in „Rückkehr nach Ithaka“
In den Kinos wetterleuchten die Trailer schon das Kinoereignis des Sommers
voraus: Christopher Nolans Breitleinwand-Neuverfilmung antikenmythischen
Urstoffs, nämlich von Homers „Odyssee“. Im Juli startet Matt Damon als
listenreicher Kämpfer die episodenreiche Rückkehr aus dem Trojanischen
Krieg, um mit seinen Gefährten Abenteuer mit einäugigen Riesen, Sirenen und
der Magierin Kirke zu durchstehen.
Ohne große Fanfare dagegen ist eine Odyssee-Variante aus dem Jahr 2024 erst
in den Kinos, nun auf DVD angelandet. Uberto Pasolinis „Rückkehr nach
Ithaka“ konzentriert sich, wie der Titel schon deutlich macht, auf das
letzte Kapitel des Epos. Gleich zu Beginn spült es einen bärtigen, mehr
toten als lebendigen, von den Narben seiner Kämpfe gezeichneten Mann ans
Ufer der Insel. In dessen Königspalast webt seine mit Engelsgeduld
gesegnete Frau Penelope (Juliette Binoche) an einem Totenkleid für
Odysseus’ Vater Laertes, das sie nachts wieder auftrennt, um keinem der mit
den Hufen scharrenden Freier das Jawort geben zu müssen.
Ithaka ist naturschön, und die Kamera hat ihre Freude daran. Auch die
[1][Musik Rachel Portmans] hat durch den Film hinweg kein Problem mit
sinfonisch-elegischer Eleganz. Die Zustände auf der von Gott und Odysseus
verlassenen Insel jedoch sind zum Erbarmen. Längst haben düstere und
intrigante Gestalten das Sagen. Der glattzüngige und hundeäugige Antinoos
ist der Schlimmste von ihnen. Sanft droht er, brutal begehrt er und nichts
wünscht er sich sehnlicher als die Nachricht vom Tod des Königs.
Der aber lebt. Auch wenn ihn in der Gestalt von Ralph Fiennes mit
zugewachsenem Antlitz keiner erkennt. Außer die Amme Eurykleia (Ángela
Molina) und sein steinalter Hund Argos, der nach der Wiederbegegnung selig
zur Seite kippt und verstirbt. Das rührt zu Tränen, immer schon, aber hier
auch, gerade weil es ohne jede Sentimentalität sachlich gefilmt ist.
Überhaupt hat sich der [2][Regisseur Uberto Pasolini] (dem Namen zum Trotz
ein Großneffe von Luchino Visconti) entschieden, diese Geschichte als eine
der inneren, nicht der äußeren Dramen zu erzählen.
Es ist ein langsamer Film, der verlangt, dass man sich auf jede Szene mit
Geduld einlässt. Das Gegenteil von Abenteuerlust: Hier wird es nicht
zuletzt dank Juliette Binoche und Ralph Fiennes ein ziemlich intensives
Ereignis.
## Die Heimat ist ihm Fremde geworden
Der Odysseus dieses Films ist kein Held. Er kehrt zurück als gebrochener
Mann, der sich den Tod der Gefährten nicht verzeihen kann und darum erst
einmal inkognito bei einem Schweinezüchter-Sklaven Unterschlupf sucht. Die
Heimat ist ihm Fremde geworden, der er sich erst nach und nach wieder
annähern muss, und die Erzählung teilt so ziemlich Penelopes Sicht: Was ist
das für ein König (und Ehemann), der Ehefrau, Kind und seine Leute im Stich
lässt, um für Mord und Krieg in die Ferne zu ziehen? Und dann kehrt er
zwanzig Jahre lang nicht zurück.
Diesen Odysseus müssen andere zum Jagen tragen. Aber dann jagt er doch.
Erzählt erst nicht ohne Stolz die Sache mit dem Trojanischen Pferd. Bricht
dann einem ungeschlachten Mann, der ihn attackiert, lässig den Hals. Und
zeigt Penelope und den Freiern und vor allem dem bis dahin wie ein Schluck
Wasser im Film herumstehenden Sohn Telemachos in der dann doch sehr
blutigen Schlusssequenz, dass man einen Mann aus dem Krieg herausbekommt,
aber den Krieg nicht aus dem Mann.
So ist das Happy End, das Homer dem König und seiner Frau zugedacht hat, in
diesem Fall eines, bei dem ein bitterer Bei- und Nachgeschmack bleibt. Vom
mythischen Helden, hier menschlich betrachtet, bleibt wenig, das strahlt.
8 May 2026
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## AUTOREN
(DIR) Ekkehard Knörer
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