# taz.de -- Rätsel-Krimi „The Last of Sheila“: Der wichtigste Clue ist sehr sichtbar platziert
       
       > Die Krimikomödie „The Last of Sheila“ von Herbert Ross war Vorbild für
       > Hits wie „Knives Out“. Mit deren Erfolg wurde dieses vergessene Original
       > nun wiederbelebt.
       
 (IMG) Bild: In der ersten Hälfte von „The Last of Sheila“ hängen die Darsteller entspannt auf einer Yacht rum
       
       Ein Klassiker war „The Last of Sheila“, 1973 entstanden, eigentlich nie. Zu
       seiner Zeit ein kleiner Erfolg, beim Publikum und bei der Kritik. Der Film
       wäre aber vermutlich eine Fußnote zu einer Fußnote in der Geschichte des
       Krimigenres geblieben, hätte nicht [1][Rian Johnson mit seinen Hits „Knives
       Out“] und „Glass Onion“ mit Daniel Craig als Ermittler den Rätselkrimi so
       erfolgreich wiederbelebt. Johnson macht gar keinen Hehl daraus, dass nun
       seinerseits „The Last of Sheila“ eines seiner wichtigen Vorbilder ist. Und
       siehe da, nun gibt es die DVD-Version dieses bis dato recht vergessenen
       Originals.
       
       Das Original spielt zum größten Teil auf einer Yacht. Diese liegt an der
       südfranzösischen Küste. In den Zimmern, von der Kamera aufdringlich
       unaufdringlich ins Bild drapiert: Romane der Krimiklassikerinnen Agatha
       Christie und Ngaio Marsh. Das ist ein Clue, von Filmproduzent Clinton
       Greene (James Coburn) gezielt in den Räumen platziert. (Ausstattung: der
       legendäre Bond-Designer Ken Adam.)
       
       Greene hat Freundinnen und Freunde und deren Partnerinnen und Partner aus
       der Branche auf seine Yacht eingeladen, drei Frauen, drei Männern (darunter
       Stars ihrer Zeit wie Raquel Welch und James Mason). Dort findet ein von ihm
       ausgetüfteltes Krimirätselspiel statt.
       
       Ein Jahr zuvor ist Greenes Frau ums Leben gekommen, von einem Auto
       angefahren. Zu ihrem Gedächtnis wird nun auf der Yacht, die natürlich
       „Sheila“ heißt und deren Crew T-Shirts mit der Aufschrift „Sheila“ trägt,
       das „Sheila Greene Memorial Gossip Game“ inszeniert. Eine knappe Stunde
       lang plätschert der Film fast ohne besondere Vorkommnisse an der
       französischen Küste angenehm rumhängerisch vor sich hin. Man sitzt rum,
       badet, quatscht, es gibt Filmbusiness-Gossip. Die Nebensächlichkeiten, die
       später Bedeutung annehmen, werden lässig gestreut.
       
       ## „Wie in einem Hammerfilm“
       
       Bis dann einer stirbt, plötzlich und unerwartet natürlich. Und ziemlich
       brutal. Woraufhin alles erst die eine, dann die andere Wendung nimmt. Das
       alles ist mit für die Zeit noch recht ungewöhnlichem postmodernen Meta
       behängt: „Das ist ja wie in einem Hammerfilm“, sagt einer bei einer
       Rätselrunde auf einer mit Fackeln illuminierten Festung, für die man
       ausnahmsweise die Yacht mal verlässt. Was selbstredend stimmt, denn genau
       so hat Regisseur Herbert Ross die Angelegenheit auch inszeniert. Inklusive
       Leiche, die mit zertrümmertem Schädel vor einem Beichtstuhl zu liegen
       kommt.
       
       Es gibt eine weitere Leiche, eine falsche Auflösung, auf die am Schluss die
       richtige folgt. Richtig clever ist der wichtigste, hier natürlich nicht
       verratene Clue, weil er, wie man es bei Krimi-Urvater Edgar Allan Poe
       lernen kann, mehr als sichtbar platziert ist. Ungewöhnlich an „The Last of
       Sheila“, und darin für Rian Johnson vorbildlich, ist, dass er auf einem
       Originaldrehbuch und nicht einem [2][Kriminalromanklassiker von Agatha
       Christie] oder Ngaio Marsh beruht.
       
       Das Ungewöhnlichste am Film sind seine beiden Drehbuchautoren: Stephen
       Sondheim und Anthony Perkins. Perkins: der am Broadway bekannte, aber als
       Norman Bates in Alfred Hitchcocks „Psycho“ weltberühmt gewordene Star.
       Sondheim: der Librettist und später auch Komponist von
       [3][Broadway-Musicals, von denen (nur Libretto) „West Side Story“] das
       berühmteste ist.
       
       Sondheim war ein Puzzlekrimifanatiker, der selbst Rätselspiele mit Freunden
       – wie Perkins und auch dem Regisseur Herbert Ross – veranstaltet hat. Und
       einmal haben sie einen Kinofilm draus gemacht. Keinen Klassiker, aber eine
       Fußnote des Genres mit Fernwirkung. In Johnsons „Glass Onion“ hat Stephen
       Sondheim, der kurz nach dem Dreh starb, seinen letzten Kinoauftritt. So
       schließt sich ein Kreis: The very last of Sheila.
       
       16 Apr 2026
       
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